Kolumne : Vom Frosch gejagt

Der menschlichen Befähigungen sind viele. Kürzlich habe ich festgestellt, es gibt Menschen, die können fest schlafen, mit der Fernbedienung in der Hand. Ein erstaunliches Talent. Im beobachteten Fall handelte es sich um einen Mann.

Nun weiß ich nicht, ob die kräftige Umklammerung eines TV-Bediengeräts tiefschlafenderweise eine bevorzugt männliche Domäne ist oder ein allgemeinmenschliches Phänomen. Oder liegt hier bloß ein singulärer Fall vor? Obschon als Tätigkeit während des Schlafens zu erkennen – die eines Festhaltens nämlich – ist es doch kein Akt des Somnambulismus, da das Klammern im Liegen und nicht im Wandeln geschieht. Man fragt sich gar: Muss zwischen aktivem und passivem Klammern unterschieden werden? Ist der Mensch in der Lage unwillentlich etwas zu greifen und die Finger darum geschlossen zu halten? Beziehungsweise schlafend etwas im Griff zu haben? Wieso ergeht hierzu ein Befehl? Eventuell ein frühkindlicher Reflex? Gesetzt den Fall, ein wie eben beschriebenes, spezifisches Können wäre bereits des Öfteren bei Menschen in Erscheinung getreten, welche Vorteile hätte es für den Ausführenden, der sich ja offenbar gar nicht bewusst ist, das und was er hier ausführt? Was sagt es uns über ihn? Liegt etwas in seinen Genen verborgenen, dass Rückschlüsse auf familiäre Beharrlichkeit, Unerschütterlichkeit und Pragmatismus zuließe? Sind es die Instinkte, die herausragend funktionieren? Womöglich ist das beobachtete unbewusste Verhalten ein Äquivalent dazu, dass man das Steuer eines Schiffes in Anbetracht des Sturms nicht loslässt oder das Seil einer Schaukel auf dem höchsten Punkt des Schwungs. Während geraumer Schlafenszeit haben weder Fernbedienung noch Schläfer ihre Position verändert. Kann aber auch sein, es handelt es sich hier um ganz was anderes: Dezidierte Schreckensstarre nach vier konsumierten Edgar Wallace-Filmen in Folge. Vielleicht dem Frosch mit der Maske zu tief ins Glasauge geblickt.