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| 17:25 Uhr

Parkärger beim Discounter
Knöllchen auf dem Aldi-Parkplatz beim Einkauf – wo gibt’s denn sowas?

Knöllchen bei Aldi: Wer keine Parkscheibe hinter die Windschutzscheibe legt, muss damit rechnen, einen Bußzettel zu kassieren. Auch wenn er soeben im Discounter einkauft.
Knöllchen bei Aldi: Wer keine Parkscheibe hinter die Windschutzscheibe legt, muss damit rechnen, einen Bußzettel zu kassieren. Auch wenn er soeben im Discounter einkauft. FOTO: SZ
Saarbrücken. Bezahlt. Dann mit dem Einkaufswagen Richtung Ausgang. Und dann die böse Überrsachung hinterm Scheibenwischer. Von Matthias Zimmermann

Aufgebracht ist  gelinde ausgedrückt. Stinksauer sind Aldi-Kunden in Saarbrücken. Denn obwohl sie sich auf der rechtlich sicheren Seite wähnten, hatten sie bei der Rückkehr vom Einkauf ein Ticket am Wagen.

Wegen Falschparkens. Auf dem Kundenparkplatz bei Aldi. 30 Euro sollten sie dafür löhnen und damit weitaus mehr als an so manch anderer öffentlichen Stelle, wo Falschparker ertappt werden. So steht es auf dem gelben Wisch.

Springt man so mit Einkäufern um, die eben noch ihr Geld für Waren bei den Discountern abgeliefert haben? Sowohl in der Halberg- als auch in der Hohenzollernstraße berichten aufgebrachte Saarbrücker davon. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Oder etwa doch?

Aldi-Süd-Pressesprecherin Anamaria Preuss in Mülheim/Ruhr bemüht sich darum, die Betroffenen zu besänftigen. Nichtsdestotrotz bestätigt sie, dass Aldi das Stuttgarter Unternehmen Park&Control (PAC) damit beauftragt hat, unter anderem auf dem Terrain der beiden Aldi-Filialen zu patroullieren. Und warum? Das diene der „Verbesserung der Parkplatzsituation“, argumentiert sie.

Aldi habe sich dazu entschlossen, nachdem es zu Problemen mit Dauer- und Fremdparkern kam, die eben nicht mal rasch dort ihren Wagen abstellten, um Einkäufe zu erledigen. Insbesondere in der Innenstadt komme es deswegen immer wieder zu Ärger bei Kunden, die erfolglos nach einer Parklücke Ausschau halten.

Auf die Parkscheibenpflicht sollen Preuss’ Angaben zufolge Schilder hinweisen, „die an unterschiedlichen Stellen deutlich sichtbar für unsere Kunden angebracht sind“. Damit wolle Aldi „in der Nähe von Hochschulen, Schulen, Versicherungen und Bürogebäuden“ verhindern, dass es zu Beschwerden seitens Kunden kommt, wenn sie verzweifelt auf der Suche nach einem Stellplatz scheitern.

Nun beschweren sich aber ausgerechnet jene, zu deren Schutz eigentlich diese Kontrollen gedacht waren. Eine Kundin ist darüberhinaus über das Verhalten eines Hilfssheriffs erboßt. „Ich kam aus dem Geschäft mit einem Sechserpack Wasser.“ Sechs Anderthalb-Liter-Flaschen. „Als ich ihm sagte, dass er doch merken müsse, dass ich eben eingekauft habe, erwiderte er: ‚Ich hab’ nix gesehen’. Eine Unverschämtheit“, ereifert sich die Betroffene über den Mann, der sich zusätzlich mit verschränkten Armen vor sie wichtigftuerisch aufgebaut haben soll.

Die Aldi-Sprecherin kommt ihr entgegen und stellt in Aussicht, „jegliche Beschwerden in Bezug auf die (...) Maßnahme kulant zu handhaben. Das scheint in diesem konkreten Fall auch funktioniert zu haben. Die Kundin: „Die Kassierin hat den Strafzettel storniert.“ Habe aber gleich zu bedenken gegeben, dass dies nur einmal möglich sei.

Andere Discounter verfahren übrigens ähnlich. Netto ließ auf Anfrage wissen, dass es sich dabei um ein „branchenübliches Vorgehen“ handle, damit „Kunden stets freie Parkplätze zur Verfügung stehen“.

Mittlerweise hat sich auch der Saarländische Anwaltverein mit den rechtlichen Bestimmungen dazu befasst. Wo liegt der Unterschied zwischen öffentlichen und privatem Terrain? „Der Autofahrer muss klar erkennen können, welche Parkregeln auf dem Parkplatz gelten und welche Strafen bei einem Verstoß anfallen“, sagt Rechtsanwältin Marthe Gampfer. Sie ist im Vorstand des Advokatenverbands. Anders als am Straßenrand gehe ein Autofahrer auf einem Parkplatz eines Supermarktes „einen Vertrag mit dem Betreiber ein und akzeptiert dessen Bedingungen“. das betreffe beispielsweise die Höchstdauer. Aber dies müsse auf Schildern klar und deutlich zu erkennen sein. Versteckte Hinweise gelten demzufolge nicht.  Dann seien private Knöllchen ungültig.

Das betrifft auch die Höhe solcher Vertragsstrafen. Diese orientierten sich an Verwarnungs-/Bußgeld auf öffentlichen Wegen. Gampfer: „Strafen, die mehr als doppelt so hoch ausfallen wie vergleichbare Knöllchen auf öffentlichen Straßen, müssen Falschparker nicht akzeptieren.“

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