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Warum liegt die Saarland-Raffinerie Klarenthal in Völklingen?

Saarland-Raffinerie : Das „Klarenthal-Rätsel“ ist gelöst

Warum liegt das einstige Gelände der „Saarland-Raffinerie Klarenthal“ in Völklingen, fragten wir uns. Leser haben dazu einiges zu berichten.

Unsere Leser haben Licht ins Dunkel gebracht: Kürzlich berichteten wir über einen altes Werksfeuerwehr-Fahrzeug der schon lange stillgelegten „Saarland-Raffinerie Klarenthal“ und baten um Mithilfe bei der Klärung der Frage: Warum tauchte im Namen des Unternehmens der Ort Klarenthal auf, obwohl das Gelände auf dem Gebiet von Völklingen-Fürstenhausen liegt? Inzwischen ist dort wieder Gewerbe angesiedelt. Wir bekamen etliche Antworten, etwa von Michael Buschlinger. Er hat sich die Mühe gemacht, Karten und Luftbilder aus der Zeit zwischen Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre heranzuziehen, die zeigen, dass das Werksgelände in jener Zeit schon auf der Gemarkung Fürstenhausen lag, also zu Völklingen gehörte. Früher war das aber anders: Claus Theres, bis 2019 Bezirksbürgermeister von Saarbrücken-West, erinnerte sich daran, dass das einstige Klarenthaler Gebiet Völklingen zugeschlagen wurde. Christopher Benkert, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen und Kenner alter und neuer Feuerwehrfahrzuge, hat die Zugehörigkeit des Industrieunternehmens zu Klarenthal in dem Buch „Der Saarländische Steinkohlenbergbau“ entdeckt. Jürgen Schneider aus Völklingen schildert, dass nur der Geschäftssitz auf Fürsenhausener Bann gelegen habe. Hubert Kesternich aus Völklingen, Kenner der Montan-Geschichte, schreibt: „Die Planierungsarbeiten zum Bau der Saarland-Raffinerie auf dem Gelände der Gemeinde Klarenthal begannen 1966. Im Juli 1967 wurde die Raffinerie auf dem 105 Hektar großen Gelände – davon 40 Hektar für die eigentlichen Anlagen – in Betrieb genommen. Mit der der Gebietsreform am 1. Januar 1974 gelangte die Fläche durch Arrondierung, bzw. Gebietsaustausch an die Stadt Völklingen. 1985 wurde die Raffinerie aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt.“

Als Zeitzeuge meldete sich Peter Köst, 89 Jahre alt und vor der Gebietsreform im Gemeinderat der damals selbstständigen Gemeinde Klarenthal-Krughütte. Er erinnerte sich nicht nur an die Gebietsübertragung, sondern auch an ein spannendes Stückchen kommunalpolitische Ortsgeschichte: In Klarenthal habe man sich seinerzeit für die Ansiedlung des Unternehmens stark gemacht – die Gewerbesteuer eines wäre natürlich sehr willkommen gewesen. Doch auf Grund steuerlicher Abschreibungen der Anfangsinvestitionen habe das Unternehmen erst 1972 – also kurz vor der Gebietsreform – erstmals erwähnenswerte Gewerbesteuern zahlen müssen – soweit sich Köst erinnert, über 400 000 D-Mark. „Wir haben dann noch schnell vor der Gebietsreform eine Halle von dem Geld gebaut“, erinnert sich der 89-Jährige mit einem Lachen.