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PatchWorkCity
Kirche als Teil eines großen Flickenteppichs

Vertreter verschiedener Institutionen diskutierten über die Rolle der Kirche im  Projekt PatchWorkCity.
Vertreter verschiedener Institutionen diskutierten über die Rolle der Kirche im Projekt PatchWorkCity. FOTO: bip
Saarbrücken. Bei der Diskussionsrunde „Caritas Gespräche“ ging es um das Zusammenleben in Vielfalt in Saarbrücken.

(red) Die Kampagne „PatchWorkCity“ beschäftigt sich mit den vielfältigen Facetten des Zusammenlebens in Saarbrücken. Mehrere Ämter der Stadt und viele Institutionen, Vereine und Zentren arbeiten in dem Projekt zusammen, unter anderem auch Vertreter der Kirche. Wie die Kirche in dieses Netzwerk passt und was sie als ihre Aufgaben versteht, wurde bei der Diskussionsrunde „Caritas Gespräche“ besprochen.


„Es geht uns vor allem darum, die Ankunftsorte von Migranten zu stärken. Das geht nicht nur die Verwaltung der Stadt Saarbrücken etwas an, sondern alle Bürgerinnen und Bürger“, erläuterte Frank Schmitz von der Kampagne PatchWorkCity zu Beginn der Diskussion, die von Christian Otterbach vom Saarländischen Rundfunk moderiert wurde. „Wie bei einer Patchwork-Familie ist auch bei uns nicht immer alles nur schön und gut, sondern kann auch mal anstrengend sein“, sagte Schmitz. Neben Schmitz waren Irene Krohn vom Deutsch-Ausländischen Jugendclub Saarbrücken (DAJC), Albert Ottenbreit von der Wärmestube, Irene Portugall vom Lesben- und Schwulenverband Saar (LSVD) sowie Martina Fries, Pastoralreferentin und Leiterin des welt:raums am St. Johanner Markt, anwesend.

„Wir machen jeden Tag Patchwork“, sagte Krohn vom DAJC. „Zum Beispiel in unserer Zusammenarbeit mit dem Café Exodus. Über gemeinsames Tun entstehen Beziehungen und Freundschaften. Es ist uns sehr wichtig, dass wir diesen Austausch fördern.“ Irene Portugall konnte die Einschätzung, dass Patchwork-Arbeit oder das sogenannte Netzwerken nichts Neues seien, teilen. „Verknüpfungen gibt es schon sehr lange“, sagte sie. „Durch Verknüpfungen können wir eine Decke knüpfen, die uns ein gutes Miteinander gibt.“ Das helfe auch, Narben, die durch Ausgrenzung entstanden sind, zu heilen.



Wie groß die Vielfalt in Saarbrücken ist, konnte Albert Ottenbreit von der Wärmestube schildern: „Wir von der Wärmestube stehen natürlich erst einmal für eine bestimmte Gruppe: die Ausgegrenzten, die Wohnungslosen und Armen. Wir sind ein Teil und ein Patch dieser Stadt. Gleichzeitig gibt es bei uns junge Menschen, alte Menschen, Einheimische, Ausländer, Männer, Frauen. Diese große Vielfalt der Personen, die zu uns kommen, ist natürlich eine Herausforderung.“ Es brauche Nähte, weil eine Stadt mit losen Flicken nicht funktioniere, sagte Frank Schmitz. Manche Dinge laufen bereits sehr gut und bedürften keines Eingreifens. Dort wo Dinge schlechter laufen, sollte stärker eingegriffen und nicht alles laufen gelassen werden, aber nicht unter Zwang, sondern im Dialog miteinander. Patchwork betreffe jeden.

Ottenbreit lobte die Unterstützung, die die Wärmestube von Seiten der Kirche erfahre: „Wir werden durch die Caritas, die Pfarrgemeinden immer aktiv unterstützt.“ Trotzdem forderte er, dass sich Kirche im Hinblick auf die Vielfalt in der Gesellschaft noch mehr öffnen müsse. Von Zuhörern wurde die Synode des Bistums Trier gelobt, die versuche, sich noch stärker als bisher mit anderen Institutionen zusammenzuschließen. Dabei solle der Blick aber nicht nur in Städte gehen, wo Vielfalt offensichtlich wird. Auf dem Land seien die Themen vielleicht anders, aber auch da müsse man sich überlegen, wie man miteinander und zusammenleben möchte.