So kann’s gehen : Von jetzt ab ist Papa immer erkältet

Die Segnungen des Älterwerdens erkennt man ganz besonders im Umgang mit jungen Kolleginnen und Kollegen, die kleine Kinder haben, findet unsere Autorin und verteilt großzügig Mitleid.

Älterwerden hat ja den einen oder anderen Nachteil. Es zwackt an ein paar Ecken – oder eher übermäßigen Rundungen – des Körpers, die Haare wollen partout die Farbe wechseln, und ich persönlich vergesse noch mehr Namen also sowieso schon immer.

Aber es gibt auch ein paar Vorteile. Lebenserfahrung sagt man gemeinhin dazu, wenn unsereins mit der einen oder anderen Erkenntnis um die Ecke kommt. Aber manchmal ist da, zumindest bei mir, auch ein bisschen Schadenfreude, gemischt mit Erleichterung dabei. Wenn man nämlich aus der Distanz der Jahre erkennt, was man so alles schon glücklich überstanden hat.

Ich sage nur: Kinder in der Kita. Gerade sind wir hier von ein paar jüngeren Kolleginnen und Kollegen umgeben, die das erste Kind bekommen haben. Was für ein erhabenes Gefühl, wenn ich nun als stolze Mutter einer fast volljährigen Tochter beobachte, wie sie schniefen und husten, dunkle Augenringe haben und beim Klingeln des Handys voller böser Vorahnungen zusammenzucken.

Alles schon selbst erlebt. Monate und Jahre, in denen man das Gefühl hatte, eigentlich nie eine unverstopfte Nase zu haben und man seinen permanenten Husten schon als normales Atemgeräusch empfand. Dazu das ungeheure Talent der lieben Kleinen, garantiert an Tagen krank zu werden, an denen Vater und Mutter wichtige Termine haben. Und die Oma natürlich verreist ist.

Es fühlt sich irgendwie gut an, den jungen Kolleginnen und Kollegen heute mitleidige Weissagungen zu machen, wie „Von nun an werden Sie immer erkältet sein“, wenn die von der Kita-Eingewöhnung erzählen. Man ist damit ja irgendwie nett zu ihnen. Und zugleich so unverschämt froh, dass man das alles hinter sich hat. Dass man nachts durchschlafen kann, kaum noch krank ist und im Wohnzimmer nicht mehr über Legosteine stolpert. Es war natürlich trotzdem eine wunderschöne Zeit mit den lieben Kleinen. Aber als liebe Große sind sie ja auch eine Freude – und sie haben keine Schnuddelnasen mehr.