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Ketten-Jazz mit Resonanzen-Chef Sebastian Studnitzky

Festival : Ein kleines Festival im großen Festival

Unter strengen Corona-Auflagen konnte das beliebte Kettenjazz-Festival stattfinden. Ein Teil des ambitionierten Programms war Teil des Resonanzen-Festivals.

Immerhin: Die dritte Auflage des Kettenjazz-Festivals in der Kettenfabrik St. Arnual konnte stattfinden. Coronabedingt waren jedoch bei den drei Konzerten jeweils nur wenige Zuhörer zugelassen. Die ersten beiden Konzerte standen noch eher unter den Vorzeichen sehr freier Jazzmusik. Village Zone, das Trio um Georg Ruby, Pianist und Professor der Musikhochschule, spielte eine wilde Mischung aus schrägen Melodien, furiosen Improvisationen und energetischer Virtuosität.

Am zweiten Abend gastierte das Michel Meis Quartett um den Luxemburger Schlagzeuger Michel Meis, der bei Ruby und Oliver Strauch in Saarbrücken studiert hat. Die Musiker ließen es etwas ruhiger als Village Zone angehen, lieferten aber dennoch viel freie Improvisation auf hohem Niveau.

Den Abschluss des kleinen Festivals gab das Michel Reis Trio, das in der zweiten Hälfte des Konzerts durch den Trompeter Sebastian Studnitzky verstärkt wurde. Letzterer ist auch künstlerischer Leiter des gerade laufenden großen Resonanzen-Festivals – somit lief das Konzert als Teil desselben. Also sozusagen als Festival im Festival.

Der luxemburgische Pianist Michel Reis hatte Robert Landfermann am Kontrabass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug mitgebracht. Die Drei spielten im ersten Teil einen fast schon kammermusikalischen Jazz mit romantischen Melodiebögen. Das Publikum lauschte gebannt und traute sich noch nicht mal, den großartigen Soli Applaus zu spenden – sicher nicht aus Ignoranz, sondern aus Ehrfurcht.

Dazu kam die etwas introvertierte Art des Pianisten, der sich zunächst selten an die Zuhörer wandte – die Musik sollte wohl für sich sprechen, was sie auch überzeugend tat. Moderner Jazz war das, der aber nicht ganz mit den Traditionen brechen wollte – Walking Bass kam da ebenso mal vor wie die Rhythmik des Latin Jazz. Bisweilen erinnerten die Kompositionen aber auch an den Impressionismus von Claude Debussy.

Der 38-jährige Reis hat bereits mit Joshua Redman und Richard Bona gespielt und kann auch auf eine Japan-Tour zurückblicken. In Jazzkreisen munkelt man, er gelte deutschlandweit als Nummer eins unter den Pianisten.

Interessant war vor allem sein Einsatz der linken Hand: Diese beschränkte sich nicht darauf, Akkorde zu legen, sondern spielte viele Arpeggien und fließende Linien.

Das Freie und Wilde der ersten beiden Kettenjazz-Tage trat zurück für durchdachte Strukturen, die jedem Einzelnen der Musiker klar definierte Fenster für ihre Improvisationen gestattete. Während sich Schlagzeuger Burgwinkel während seiner Soli auch stimmlich artikulierte, imponierte Bassist Landfermann mit seinen schönen Melodien und der genauen Intonation in den höchsten Lagen seines Instruments.

Studnitzky setzte im zweiten Teil noch eine Schippe drauf mit seinem strahlenden Ton, der ein wenig an Chet Baker erinnerte. Da taute auch das Publikum nach und nach auf und zeigte mehr Reaktionen, zumal die Stücke etwas energetischer wurden. Als letzte Zugabe spielte das Quartett dann aber die Ballade Until Next Time als wunderbare Klanglandschaft.

Mit Superlativen muss man immer vorsichtig sein, aber: Die vier Musiker zeigten tatsächlich Jazz auf allerhöchstem Niveau. Glücklich war damit auch der Organisator des Festivals, Klaus Kühn. „Das Konzert war bereichernd wie ein Geschenk“, sagte er hinterher.

Das Resonanzen-Festival geht bis 11. Oktober. Das Programm findet man im Internet.

www.resonanzenfestival.de