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Kaum noch Platz für neue Unternehmen im Regionalverband Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Fast keine Gewerbeflächen mehr vorhanden : Regionalverband sucht Platz für neue Unternehmen

Im Regionalverband gibt es fast keine Gewerbeflächen mehr, um neue Firmen ansiedeln zu können. Das bedeutet weniger Gewerbesteuer.

Der Regionalverband Saarbrücken braucht mehr Gewerbeflächen, als ihm zur Verfügung stehen. Das ist das Ergebnis der Interkommunalen Wirtschaftsflächenuntersuchung für den Regionalverband Saarbrücken (Stand 4. Februar 2020), die nun im Hauptausschuss der Landeshauptstadt Saarbrücken vorgestellt wurde.

Demnach stehen die Gemeinden Völklingen, Sulzbach, Quierschied und Friedrichsthal besonders schlecht da. Dort ist der Bedarf an Gewerbeflächen weitaus höher, als freie Flächen zur Verfügung stehen. Bis zum Jahr 2030 haben die Autoren der Studie für Völklingen einen Bedarf von 26,1 Hektar Fläche für die Ansiedlung von Firmen ermittelt. Kurzfristig, das heißt innerhalb von drei Monaten stehen aber nur 2,5 Hektar zur Verfügung. Mittelfristig, also innerhalb von drei bis zwölf Monaten, sind es ebenfalls 2,5 Hektar; langfristig sogar 31,6 Hektar. Zusammengenommen gibt es also 36,6 Hektar Fläche, die für Gewerbegebiete zur Verfügung stünden. Realistisch sind jedoch nur die fünf Hektar, die kurz- und mittelfristig zu nutzen sind, weil es dort schon Flächennutzungs- oder Bebauungspläne gibt oder diese innerhalb kurzer Zeit geschaffen werden können. Der Löwenanteil der Flächen, die potenziell langfristig zur Verfügung stehen, ist allerdings nur mit sehr hohem Aufwand zu erschließen, da es dort noch keinerlei Planungsverfahren gibt oder die Flächen Eigentümern gehören, auf die weder die einzelne Gemeinde noch der Regionalverband Zugriff haben.

Die Einteilung in kurz-, mittel- und langfristig geht auf den Flächen-Immobilien-Service Germany’s Saarland (früher GEWIS) zurück. In dem Online-Portal können Investoren nach geeigneten Gewerbegebieten für ihre Firmenansiedlung suchen. Auch die Angaben zu den derzeit verfügbaren Reserveflächen speisen sich der Studie zufolge aus den Daten von Germany’s Saarland.

 Ganz anders als in Völklingen sieht das Verhältnis von Bedarf und Reserve in Kleinblittersdorf aus. Dort gibt es der Studie zufolge bis 2020 einen Bedarf von 4,4 Hektar an Gewerbeflächen, aber allein kurzfristig stehen schon 5,9 Hektar zur Verfügung. Weitere 0,6 Hektar sind innerhalb eines Jahres zu mobilisieren. Das ergibt eine Fläche von 6,5 Hektar, die den Bedarf von 4,4 Hektar deutlich übersteigt. Freie Flächen gibt es im Gewerbegebiet Kleinblittersdorf und gegen über der Therme.

 Noch komfortabler ist die Lage in Großrosseln. Dort stehen dem Bedarf von 1,3 Hektar 7,7 Hektar gegenüber, die innerhalb von drei Monaten bebaut werden könnten.

 Alle anderen Gemeinden im Regionalverband haben derzeit wie auch bis zum Jahr 2030 nicht genügend Flächen, um neue Firmen in ausreichendem Maß anzusiedeln.

Das gilt auch für die Landeshauptstadt Saarbrücken. Sebastian Kurth, Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung, nannte die Lage, was Gewerbeflächen in Saarbrücken angeht, bei der Vorstellung der Studie „dramatisch schlecht“. Bis 2030 sagen die Autoren der Untersuchung einen Bedarf an Gewerbeflächen von 104,3 Hektar voraus. Kurzfristig lassen sich aber nur 25 Hektar nutzen, mittelfristig 5,7 Hektar. Weitere rund 71 Hektar ließen sich nur mit großem Aufwand mobilisieren. Die Angaben sind dem Masterplan Gewerbe der Landeshauptstadt von 2014 entnommen; seitdem seien keine weiteren größeren Flächen in Saarbrücken entwickelt worden. Der Stand von 2014 entspreche demnach weiter den aktuell zur Verfügung stehenden Flächen.

Mehr Gewerbeflächen bedeuten mehr finanzkräftige Firmen und mehr Gewerbesteuer, Geld, das zur Finanzierung des Gemeinwohls benötigt wird. Für den Direktor des Regionalverbands Saarbrücken, Peter Gillo (SPD) liegen die Konsequenzen auf der Hand: „Wir haben einen erheblichen Bedarf und brauchen daher dringend neue Gewerbegebiete“, sagte Gillo unserer Zeitung. „Wir haben Tausende Sozialhilfeempfänger im Regionalverband, und die Jugendhilfe müssen wir  auch bezahlen“, gab Gillo zu bedenken. Der Flächenfraß in Deutschland sei zwar „viel zu hoch“, bei der Erschließung neuer Flächen würden aber Klima- und Naturschutz berücksichtigt. Für die Flächen, die bebaut würden, müsse man einen ökologischen Ausgleich schaffen.

Besonders Augenmerk richtet der Regionalverband bei der Erschließung neuer Flächen auf das Gelände der RAG, das allein rund 55 Prozent der Reserveflächen ausmacht. Mit der RAG habe man bereits Kontakt aufgenommen, und die grundsätzliche Bereitschaft über still gelegte Bergbauflächen zu verhandeln sei auch da.