Katalog der Ausstellung "In the Cut" in Saarbrücken vorgestellt

Kunst im Bild : „In the Cut“-Katalog in Saarbrücken vorgestellt

Andrea Jahn, die Direktorin der Stadtgalerie Saarbrücken, präsentierte den Ausstellungskatalog „In the Cut“ in der „FrauenGenderBibliothek“.

„In the Cut – der männliche Körper in der feministischen Kunst“ heißt der deutsch-englische Katalog, der die gleichnamige Ausstellung in der Stadtgalerie dokumentiert (wir berichteten). Die Leiterin der Stadtgalerie, Andrea Jahn, stellte diesen Katalog kürzlich in der „FrauenGenderBibliothek Saar“ der Öffentlichkeit vor. Auf Fragen des überwiegend älteren Publikums erklärte Jahn den von ihr gewählten Titel: „Im gleichnamigen erotischen Thriller von Jane Campion (auch „Das Piano“) wird das weibliche Begehren der Hauptfigur Frannie Avery explizit dargestellt, außerdem ist cut als Ausdruck für die weibliche Scham und den Filmschnitt zu verstehen.“

Auf die Frage, warum so wenige junge feministische Künstlerinnen ihren begehrlichen Blick auf Männer(-körper) werfen, antwortet Jahn: „Im digitalen Zeitalter erfüllen Frauen wieder die an sie herangetragenen Rollenbilder und inszenieren ihre Körper nach Vorgaben, die man seit über 50 Jahren zu überwinden geglaubt hatte.“ Schuld daran sei der sogenannte „Backlash“, die Rückkehr konservativer Wertvorstellungen.

Eine ältere Besucherin sagte dazu: „Soziale Medien wie Instagram üben soziale Kontrolle aus und führen dazu, dass junge Frauen ihre Körper zurichten, um Männern zu gefallen.“ Jahn pflichtete ihr bei: „Wir müssen wieder bei Null anfangen. Junge Frauen fühlen sich heute gleichberechtigt, wenn sie quasi als Männer mitschwimmen, um sich in der Gesellschaft zu behaupten. Diese Selbstverleugnung stimmt mich traurig.“

Dass sie nur wenige junge Künstlerinnen – unter anderen Julika Rudelius (geboren 1968) und Aude du Pasquier Grall (Jahrgang 1974) – für die Ausstellung finden konnte, sei deshalb wenig überraschend. Ebenso wenig die geringe Resonanz beim jüngeren Publikum: „Die Jungen haben ein Problem damit“, sagte sie salopp. Ein älterer männlicher Besucher pflichtete ihr bei und schilderte seine Erfahrungen bei den mehrmaligen Besuchen: „Man fühlte sich aufgewertet, ernst genommen und liebevoll betrachtet.“

Hingegen waren manche seiner älteren Begleiterinnen regelrecht traumatisiert, weil es ihnen fast unmöglich war, diese Perspektive einzunehmen. – „Und sie reagierten immer etwas seltsam bis zurückhaltend, wenn ich einen weiteren Besuch der Stadtgalerie vorschlug“, erinnerte sich der Mann, und viele lachten herzlich. Während älteren Semestern die Zensur von der Gesellschaft auferlegt worden sei, „zensieren sich die Jungen heute selber“, gab Jahn zu bedenken.

Die Künstlerin und Kunstlehrerin Maja Andrack Sokolova warf die Frage in die Runde, ob der Besuch der Ausstellung für Schulklassen sinnvoll gewesen wäre – es kam nie dazu. „Ich finde nicht, weil viele Schüler noch keine eigene Sexualität entwickelt haben und für Schüler aus anderen Kulturkreisen sich so etwas verbietet“, erkläre sie.

Eine junge Besucherin konterte: „Besser anspruchsvolle Kunst als der schockierende Medieneinfluss!“ Und eine andere Besucherin merkte an: „Wir können den Kindern Sexualität als Normalität zumuten, damit diese jungen Erwachsenen einen normalen, aufgeklärten Blick auf ihren Körper entwickeln können.“

„Actaeon at home“ heißt diese Arbeit von Jana Sterbak, die in der Ausstellung zu sehen war und nun im Katalog abgebildet ist. Foto: Jana Sterbak

„In the Cut – der männliche Körper in der feministischen Kunst“, Kerber Verlag, Bielefeld. 304 Seiten. Mit zahlreichen Farbabbildungen sowie Texten von Andrea Jahn, Amelia Jones, Richard Meyer und Rachel Middleman in deutscher und englischer Sprache.
www.foerderkreis-stadtgalerie.de

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