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Kasimir Ehmke und sein "Du bist aus Saarbrücken, wenn..."

Porträt : Du bist aus Saarbrücken, wenn . . .

Wie eine Facebook-Gruppe sich auf Spurensuche ins historische Saarbrücken begibt und kleine Rätsel veranstaltet.

„Die Alten freuen sich, die Jugend wundert sich.“ Hätte Kasimir Ehmke einen Satz, um das Treiben in seiner Facebook-Gruppe „Du bist aus Saarbrücken, wenn . . .“ zu beschreiben, wäre es wohl dieser.

Zu Recht. Denn über die Fotos der Diskonto-Schenke im Jahr 1975, der Eröffnung des Schwimmbades des Meran-Hotels 1970, des noch befahrenen St. Johanner Markts in den 50er-Jahren oder gar der Kaiserstraße um 1908, die in der Gruppe ausgetauscht werden, kann man wahlweise, je nach Generation, schon einmal ins Schwärmen oder Staunen verfallen.

„Du bist aus Saarbrücken, wenn . . .“ ist aber nicht ausschließlich eine Gruppe für Hobby-Historiker. Hier treffen sich auch Freizeit-Detektive, Ur-Saarbrücker, Zugezogene, Jung und Alt gleichermaßen. Im Grunde widmet sich die Gruppe „Saarbrücken – in all seinen Formen und Farben“, wie Ehmke sagt.

Und im Grunde ist es auch gar nicht seine Gruppe. Vielmehr habe er sie vom Gruppengründer, einem gebürtigen Brasilianer, der Kindheit und Adoleszenz in Saarbrücken verbrachte und es wohl „recht hübsch“ fand, „geerbt“, scherzt Ehmke.

Jahrzehntelang prägte auch Ehmke selbst durchaus das Stadtbild. War Mitbetreiber vom „Club No. 1“, dem „Schwimmschiff“, dem „Blau“. Hatte ein Restaurant namens „Leib und Seele“, war und ist heute vielen noch als DJ-Urgestein unter anderem aus dem legendären Canossa an der Uni bekannt.

Die Suche nach Fotos der Tanzcafés seiner Jugend führte in 2013 zur Gruppe. Damals hatte die gerade mal 1000 Mitglieder. Bis jemand Aufnahmen des alten Saarbrücker Flughafens auf den Daarler Wiesen einstellte. „Danach ist die Gruppe explodiert“, erzählt Ehmke.

Heute schwelgen über 11 000 Mitglieder gemeinsam in Erinnerungen, begeben sich auf Detektiv-Forscherei, teilen ihre „Kofferfunde“ miteinander, „an die man ansonsten nicht herankommt“, wie Ehmke sagt.

Zu sagen, dass er Saarbrücken besonders schön fände, falle ihm schwer, sagt Ehmke. Saarbrücken sei für ihm immer „eine Mischung aus Nest und Großstadt“ gewesen. „Es ist Zufall, dass ich hier aufgewachsen bin, aber dieser Zufall macht Saarbrücken eben für mich interessant“, erzählt er.

Auch für ihn barg diese Gruppe noch die ein oder andere historische Überraschung. Etwa das Foto der Gärtnerei Huppert, die in Vorkriegszeit noch an Stelle des Staatstheaters angesiedelt war. Die Geschichte seiner enteigneten Gärtnerei-Familie lieferte ein Gruppenmitglied mit.

Oft fehlen aber auch die Hintergrundinfos zu den Bildern – oder werden im Dienste von abenteuerlicher Rätsel-Raterei zurückgehalten. „Daran bin ich nicht ganz unschuldig“, erzählt Ehmke, „ich poste gerne Bilder, wann und wo die aufgenommen wurden, sollen die anderen dann anhand von Indizien im Bild ausmachen“.

Das Bildrätsel eines anderen Gruppenmitgliedes, das „Rekordrätsel“, wie Ehmke es nennt, brauchte ganze zwei Jahre und über 3000 Kommentare, um gelöst zu werden. Gesucht wurde der Standort eines Bürgerhauses in der Vorkriegszeit. Einzige Anhaltspunkte: Straßenbahnschienen und die Ortsangabe Malstatt. Dass dieser Stadtteil allerdings schon kurz nach dem Bahnhof beginnt, haben die meisten Rätselratenden außer Acht gelassen.

„Diese Zeitdokumente sind an sich schon interessant“, betont Ehmke, „aber die Gruppe macht das Ganze lebendig“. Der Charme, der Spaß und die Spannung in der Gruppe sind „den Mitgliedern geschuldet“, nicht ihm, betont Ehmke. Ganz toll sei es auch, wenn „Leute durch die Gruppe wieder zueinander finden“. Auch das sei schon vorgekommen.

Jeden zweiten Dienstag im Monat veranstaltet die Gruppe übrigens normalerweise auch einen Stammtisch. Schlemmt sich gemeinsam durch Saarbrücker Lokale, tauscht sich aus, diskutiert, lässt neue Erinnerungen entstehen. Und bis das wieder möglich ist, geben die Kofferfunde aus den Tiefen der Keller dieser Stadt sicherlich noch genug Diskussionsmaterial.