Atelierbesuch : „Ich habe entdeckt, dass ich Laufmaschen mag“

Karin Magar war Gastronomin, Schreinerin und arbeitete in der Jugendhilfe. Erst auf Umwegen kam die dreifache Mutter zur Kunst und entdeckte für sich ein ungewöhnliches Material.

„Ich habe schon immer gerne gezeichnet und eigentlich auch früh daran gedacht, Kunst zu studieren“, erzählt die saarländische Künstlerin Karin Magar über ihren Werdegang. Bis sie ihr Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar; HBK, aufnehmen konnte, dauerte es aber viele Jahre.

Bis dahin war Karin Magar Gastronomin in ihrem Geburtsort Blieskastel, wurde drei Mal Mutter, absolvierte eine Schreinerlehre. Anschließend arbeitete sie in der Jugendberufshilfe, in ihrer Freizeit nähte sie viel und besuchte nebenbei auch Abendkurse und Workshops an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, HBK.

2004 entschied sie sich dann, doch noch zu studieren, und wurde an der HBK zugelassen. Da war Karin Magar 42 Jahre alt. „Ich war in der Klasse von Sigurd Rompza, studierte Konkrete Kunst“, sagt sie. Heute arbeitet sie wieder in der Jugendberufshilfe als Arbeitspädagogin, widmet sich in der freien Zeit aber voll und ganz ihrer Kunst.

Karin Magar ist dabei eine Einzelkämpferin. Denn sie war wenig präsent in der Kunstszene und hat ihre Kunstwerke bisher kaum in Ausstellungen gezeigt, das letzte Mal  2018 in Augsburg. „Ich öffne mein Atelier zu den Tagen der Bildenden Kunst. Da ist immer viel los“, berichtet sie.

Ihr Atelier mit dazugehörigem Präsentationsraum liegt in der Saarbrücker Johannisstraße. Dort kann man sich ihre Werke anschauen – und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Karin Magar fertigte früher auch leichte Aquarelle von Akten in kräftigen Farben an oder legte in ihren Gemälden Farben übereinander, die durchscheinend sind und trotzdem einen Farbraum erschaffen – aber ihre eigentliche Leidenschaft ist die Arbeit mit Nylongewebe. „Ich habe schon im Studium nach transparenten Stoffen in bunten Farben gesucht. Und irgendwann mache ich meine Schublade mit Strümpfen auf, und da waren sie! Leichte, transparente Stoffe, die unendlich vielschichtig sind, und die sich immer wieder anders verarbeiten lassen“, erklärt sie lachend.

Bis heute wird dieser Stoff Karin Magar nicht langweilig. Denn die Künstlerin verarbeitet diese sehr bekannten Nylongewebe immer wieder anders. Sie spannt sie, sie wickelt sie, sie nutzt sie zusammengerollt oder flächig, sie werden auseinander geschnitten und wieder zusammen genäht. Und sie sind kunterbunt.

„In den letzten Jahren sind Strümpfe leider nicht mehr so farbig, wie früher. Die Mode hat sich geändert. Außerdem ist es saisonale Ware. Daher bekomme ich meine Strümpfe entweder an Fasching oder im Internet, meistens ist es B-Ware“, sagt Karin Magar. So arbeitet sie mit grünen, roten, blauen, schwarzen Strümpfen, aber auch mit bunt bedruckten oder grellgelben oder pinkfarbenen Strümpfen.

Wenn Karin Magar die Stoffe spannt und übereinanderlegt, dann bleiben die ursprünglichen Farben erhalten, die Farben vermischen sich erst durch Überlagerungen. „Diese Nylongewebe gibt es in unterschiedlichen Webarten, mal ist es dichter, mal enger oder dünner. Je nachdem ist das Gewebe dann auch transparenter oder dichter“, erklärt sie.

Immer wieder fallen der Künstlerin neue Gestaltungsmöglichkeiten mit diesem Stoff ein. Mal spannt sie es auf oder über durchsichtige Acrylplatten, oder sie näht die Stoffe zu großflächigen Bildern zusammen, die nur auf Holzrahmen gespannt werden. „Dann bleibt die Transparenz erhalten“, erklärt sie.

In anderen Werken werden die Nylongewebe wie große Farbflächen aneinandergesetzt, dass der Charakter des Gewebes erstmal gar nicht auffällt. Oder aber sie umwickelt Holzkästchen damit, baut daraus kleine, verblüffende Installationen.

Meist sind die Stoffe unversehrt, aber manchmal bilden sich bei der Verarbeitung auch Löcher oder es ziehen sich Laufmaschen. „Ich habe entdeckt, dass mir Laufmaschen gut gefallen. Sie dienen als grafisches Detail“, erklärt sie.

Es ist wirklich verblüffend, wie unterschiedlich Karin Magar mit ihrem Lieblingsstoff umzugehen weiß, ihn immer wieder neu und anders zu gestalten versteht. „Im Grunde male ich mit Strümpfen“, sagt sie dann auch lachend.
www.karinmagar.de