Kultur am Altersheim Wie ein Seniorenhaus zum Kleinkunsttheater wird

Saarbrücken · „Generationen“ heißt Teil eins des künstlerischen Programms aus der Reihe „Was uns verbindet“, das im Seniorenhaus am Steinhübel Premiere feierte. 

 Juliane Lang nimmt die Bewohner des Saarbrücker Seniorenhauses am Steinhübel mit auf die musikalische Erzählreise „Was uns verbindet“.

Juliane Lang nimmt die Bewohner des Saarbrücker Seniorenhauses am Steinhübel mit auf die musikalische Erzählreise „Was uns verbindet“.

Foto: Iris Maria Maurer

Die musikalische Erzählreise „Was uns verbindet“ beginnt im Süden Europas. In der Stadt Venedig, wo steinalte Damen eine Schwester an den Sohn des Dogen vermählen wollen. Was mit List, Tücke und einem kleinen Wunder auch gelingt. Lautmalerisch und unter Einsatz ihres ganzen Körpers erzählt die Schauspielerin Juliane Lang Geschichten, singt Lieder, macht die improvisierte Bühne im Garten des Seniorenhauses am Steinhübel in Saarbrücken zum Kleinkunsttheater. „Generationen“ heißt der erste Teil des künstlerischen Programms aus der Reihe „Was uns verbindet“, das im „Haus am Steinhübel“ Premiere feiert.

Isolierung und soziale Distanz haben insbesondere die Bewohner der Seniorenheime hart getroffen. Da tut es sichtlich gut, wenn ein Stück Kultur kurzweilige Nachmittage zurückbringt. Juliane Lang erzählt bei Sonnenschein auf der Terrasse des Seniorenhauses frei über die Zerbrechlichkeit des Lebens, über den großen Zusammenhang allen Seins und die Kapriolen biographischer Wege. Umspielt werden ihre Geschichten und Gedichte von Rick-Henry Ginkel am Keyboard etwa mit Chopins Regentropfen Prelude. Im Hintergrund zeigt ein Gemälde von Anna Kautenburger einen Apfelbaum. Schließlich nimmt die Schauspielerin die Zuhörer mit in den Garten ihrer Großeltern, erzählt von der Liebe der Großeltern und einem Apfelbaum, der eigentlich ein Kirschbaum sein sollte. Dabei trägt sie die alte Jacke der Großmutter, die versehen ist mit der einen oder anderen Blessur.

Juliane Lang erzählt weiter von einem kleinen Mädchen mit Falten im Gesicht und einer Schaukel, die ihr Schwung gibt. Aber auch ein Gedicht vom Sterben und Lachen der Birnen verzaubert die Zuhörer, darunter auch der ein oder andere Zaungast aus der Nachbarschaft.

Die Ballade von Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland treibt Marga Dumont Tränen in die Augen. Die 88 Jahre alte Heimbewohnerin kennt Zeile für Zeile noch aus ihrer Kindheit. Schließlich stand Theodor Fontane schon damals auf dem Schulplan. Auch die 90-jährige Annelise Visser ist gerührt von den Vorträgen der jungen Leute. Musik bedeutet der alten Dame viel. Sie ist ganz verzückt über die Klänge der Musik.

„Wir alle tragen viele Geschichten mit uns herum“, sagt Juliane Lang und erzählt dann eine aus der jüdischen Tradition. Von Jakob, dem Schneider, der die Nähmaschine schnurren lässt wie ein Kätzchen, der einen Wollmantel näht, aus dem eine Jacke, dann eine Mütze, eine Fliege und zuletzt ein Schmetterling wird. „Gerade genug“ ist eine der Geschichten aus dem reichen Schatz der Earth-Stories-Collection, einer Sammlung aus einer Vielzahl von Legenden, Volksmärchen und Fabeln, die aus allen Kulturen der Welt zusammengetragen sind. Die Geschichten wollen ethische Prinzipien und Weltanschauungen vieler verschiedener Kulturen vermitteln.

In fünf Seniorenhäusern wird das zweiteilige Programm aufgeführt – im Seniorenhaus am Steinhübel, im  Wichernhaus sowie im Langwiedstift in Saarbrücken, bei den Barmherzigen Brüdern in Rilchingen-Hanweiler und im Karl-Ferdinand-Haus in Neunkirchen. Der zweite Teil „Zuwendung“ wird an diesem Sonntag, 6. Juni, um 15.30 Uhr im Seniorenhaus am Steinhübel in Saarbrücken unter freiem Himmel uraufgeführt. Die Veranstaltungsreihe wird vom Ministerium für Bildung und Kultur, der Edgar-Bähr-Stiftung, der Stiftung Kreuznacher Diakonie, der Ökumenischen Initiative Eine Welt und von der Stiftung Langwied gefördert.

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