| 20:08 Uhr

Saarbrücker Synagoge
Ein Konzert eröffnet die jüdischen Film- und Kulturtage

Saarbrücken. Bis 11. November zeigen das Kino achteinhalb und die Synagogengemeinde kritische Streifen und bieten Tanz- und Sprachworkshops. Von Kerstin Krämer

Zur Eröffnung ging‘s diesmal in die Synagoge. Das ist ungewöhnlich, denn in den vergangenen zehn Jahren fand der Auftakt der „Jüdischen Film- und Kulturtage“ stets im Kino achteinhalb statt. Zur Feier des zehnjährigen Jubiläums aber gönnte sich die Reihe, gemeinschaftlich von Kino achteinhalb und der Synagogengemeinde Saar veranstaltet, am Sonntag ein Konzert zum Start – und dafür wäre das kommunale Lichtspielhaus zu klein gewesen. Überhaupt feiern die Veranstalter den runden Geburtstag mit einem erweiterten Programm. Bis einschließlich 11. November locken außer Filmen auch Tanz-, Sprach-, Koch- und sonstige kulinarische Workshops, ein Schabbath-Dinner, eine thematische Stadtführung und ein Vortrag über jiddischen Humor. Außerdem findet am 9. November ein Mahnmarsch in Erinnerung an die Pogromnacht 1938 statt.


„Nicht nur beobachten, sondern wirklich partizipieren!“, fasste Waldemar Spallek vom Kino achteinhalb das Angebot zusammen. In seiner Begrüßung zeigte sich Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde, stolz, mit dem kleinen Kino einen Partner zu haben, der just wieder mit dem Preis des Deutschen Kinematheksverbundes ausgezeichnet wurde – diesmal in der Kategorie „Kino, das bildet“ für seine „hervorragenden Reihen, die sich sozialen, politischen, historischen und regionalen Themen widmen, ohne den filmhistorischen Blick zu verlieren“, wie es in der Begründung der Jury heißt. Es ist die zwölfte Auszeichnung mit dem Preis des Kinematheksverbundes in den vergangenen 16 Jahren.

Glücklich war Bermann außerdem darüber, dass Oberbürgermeisterin Charlotte Britz erneut die Schirmherrschaft übernommen hatte – ein wichtiges Zeichen, zumal der Auftakt der Filmtage von einem Attentat überschattet wurde: Sichtlich um Fassung ringend, erinnerte Bermann an das Massaker vom Vorabend, bei dem ein rechtsradikaler Attentäter im amerikanischen Pittsburgh in eine Synagoge eingedrungen war und elf Menschen getötet und sechs weitere schwer verletzt hatte. Bermann rief eine Gedenkminute aus.



Es stimmt traurig, dass auch die ohnehin strengen Sicherheitsvorkehrungen in der Saarbrücker Synagoge aus Angst vor Attentaten weiter verschärft werden mussten. Der Vorplatz ist nun zusätzlich mit Pollern geschützt, damit kein sprengstoffbeladenes Fahrzeug in das Gebäude hineinrasen kann. Umso mehr war es Charlotte Britz ein Anliegen, zusammen mit Kulturdezernent Thomas Brück bei der Eröffnung präsent zu sein und Flagge zu zeigen.

In ihrer Ansprache betonte die Oberbürgermeisterin die Notwendigkeit des friedlichen Zusammenlebens aller Kulturen und verwies auf die „gute Erinnerungskultur“ der Landeshauptstadt, die gerade mit dem Willi-Graf-Jahr der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt.

Auch die Filmtage werfen einen gewohnt kritischen Blick auf jüdisches Leben. Und da sich nun die Pogromnacht zum 80. Mal jährt, liegt, wie Spallek es formulierte, der „Schatten des Holocaust“ über dem Programm. Dennoch soll auch bei dieser Ausgabe die Komik nicht zu kurz kommen – ein Versprechen, das gleich der Kurzfilm zur Eröffnung einlöste: „Across the line“ (Israel 2017) erwies sich als irrwitziges Mini-Roadmovie, das im konfliktbeladenen israelisch-palästinensischen Grenzgebiet spielt und humorvoll mit Klischees und Ängsten jongliert. Ein rasanter Streifen voller unerwarteter Wendungen, über Verständigungsprobleme, Nächstenliebe, Zivilcourage, Pragmatismus und Freundschaft.

Anschließend stellte der aus Galizien stammende Wahl-Berliner Musiker Boris Rosenthal sein neues Trio „Ride4Solidarity“ vor. Der Titel bezieht sich auf die gleichnamige Aktion anlässlich der Makkabiade in Jerusalem 2017, als sich jüdische Biker weltweit auf eine Benefiztour nach Israel aufmachten. Das Programm entstand anlässlich des 70. Unabhängigkeitstages des Staates Israel und kombiniert Klezmer mit Musical-Hits (Anatevka) und jazzigen Stücken. Rosenthal begeisterte auch als mitreißender Entertainer, und als bei „Donna Donna“ Mitsingen angesagt war, klappte das so vorzüglich, dass er das gesamte Saarbrücker Publikum spontan als Chor für seine nächste Tournee verpflichtete.

Weitere Informationen zum Programm der Film- und Kulturtage und Karten gibt es im Internet.