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Jolande Lischke-Pfister und ihre Künstlerfamilie

Kunstgeschichte(n) : Sie war eine Künstlerin durch und durch

Jolande Lischke-Pfister hat Spuren im Saarbrücker Stadtraum hinterlassen. Bei ihr und dem Fotografen Joachim Lischke kam die halbe Kunstszene vorbei.

Das Saarland hat, obwohl es so klein ist, einige durchaus große Künstlerinnen und Künstler hervorgebracht. In loser Folge wollen wir ein wenig in der Kunstgeschichte unserer Region forschen und Menschen vorstellen, die zu Lebzeiten einen guten Namen in der hiesigen Kunst-Szene hatten. 

Jolande Lischke-Pfister wurde 1932 in Ludwigshafen geboren. Ihr Vater war ein sehr kunstsinniger Jurist, der Künstler gern unterstützte. Daher wundert es nicht so sehr, dass die junge Jolande ihren Wunsch, Bildhauerin zu werden, durchsetzen durfte. So kam Jolande Lischke-Pfister 1952 nach Saarbrücken, studierte an der Schule für Kunst und Handwerk bei Prof. Theo Siegle in der Klasse „Plastisches Gestalten“. 1955 ging sie für zwei Semester nach Berlin an die Hochschule für Bildende Künste und studierte bei Prof. Karl Hartung.

Seit 1956 lebte sie wieder in Saarbrücken. Und das aus gutem Grund, denn sie hat in der Wohnung ihres Bruders den Fotografen und Otto-Steinert-Schüler Joachim Lischke kennengelernt. Nach der Hochzeit gründen sie eine Familie, haben drei Kinder, Emanuel, Sylvie und Jonas. Und während Joachim Lischke als Fotograf bei der Staatlichen Landesbildstelle des Saarlandes angestellt ist, arbeitet Jolande Lischke-Pfister freischaffend.

„Unsere Mutter war durch und durch Künstlerin. Wir wohnten zuerst auf dem Homburg, dann in St. Arnual. Dort hat sie im Keller ihre Steine zu Skulpturen bearbeitet. Und da das nicht ohne Geräusche ging, gab es auch schon mal Ärger mit den Nachbarn“, erinnert sich Tochter Sylvie Lischke-Bellhäuser.

Das Ehepaar Lischke, das auch sozial und politisch engagiert war, lebte für die Kunst, war mit der gesamten saarländischen Kunstszene gut befreundet, und Künstler gingen bei ihm ein und aus. „Ich erinnere mich noch, dass früher auf dem Homburg mittags Otto oft zum Essen kam“, berichtet Sylvie Lischke-Bellhäuser und erklärt dann, dass dies der prekär lebende Saarbrücker Künstler Otto Lackenmacher war, der so zu einer warmen Mahlzeit kam.

Jolande Lischke-Pfister war Mitglied des Berufsverbands Bildender Künstler Saar, des Saarländischen Künstlerbundes, der Kunstgruppe „Limes“, der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler und der Künstlerinnengruppe Saar, mit denen sie auch oft ausstellte. 1982 erhielt sie ein Stipendium für ein Künstleratelier in Séguret, Provence. 1985 wurde sie Trägerin des renommierten saarländischen Albert-Weisgerber-Preises.

Mit der Künstlerinnengruppe Saar, darunter Inge Schmitt-Strassner, Inge Andler-Laurenz, Clothilde Freichel-Baltes oder Monika Schrickel, teilte sie sich das Wasserwerk in Scheidt als Atelier.

Als die Gruppe das Atelier auflösen wollte, kaufte Jolande Lischke-Pfister es kurzerhand. Seither war das Wasserwerk Scheidt nicht nur Atelier und Ausstellungsraum, es diente auch als Kulisse der Saarbrücker Sommermusik, und es war sogar der Schauplatz eines saarländischen Tatorts, „Alibi für Amelie“ heißt er. Heute lebt Sohn Jonas dort.

In ihrer Kunst ging Jolande Lischke-Pfister ganz unterschiedliche Wege. Ihre Skulpturen arbeitete sie aus Bronze, aber auch aus Gips, Ton, Holz, Natur- und Kunststein. Formal finden sich genauso stark abstrahierte vegetative Formen in ihren Plastiken wie auch treffend genaue Porträtköpfe sowie zarte Frauenfiguren.

Vieles davon ist im öffentlichen Raum des Saarlandes zu finden. Ihre wohl bekannteste Arbeit dürfte der Brunnen vor der Alten evangelischen Kirche am St. Johanner Markt sein. Diesen Brunnen hat Jolande Lischke-Pfister 1974 entworfen.

Der quadratische Brunnen führt mit vier Treppenstufen in ein tiefer gelegtes, flaches Becken. Dort sind vier runde Platten und ein Ring aus Granit angebracht, in der Mitte ragt eine stilisierte Lotusblüte aus dem Brunnen heraus. Die formale Strenge des Beckens wird durch den Brunnenstein gekonnt aufgelockert, er dient heute als Treffpunkt und Ruhepol.

Nach der Jahrtausendwende widmet sich Jolande Lischke-Pfister vorrangig graphischen Arbeiten. Ihre Zeichnungen, Radierungen und Skizzen sind oft von den Landschaften der Länder inspiriert, die sie auf ihren vielen Reisen kennengelernt hat.

Auch hier arbeitet sie frei, setzt Teile der Landschaften von Peru, der Bretagne, der Provence, Irlands oder Islands mal gegenständlich, mal stark vereinfacht um. Die Stimmung der Landschaften bleibt jedoch immer erhalten. Ihre letzte Einzelausstellung war 2008 im Heimatmuseum St. Arnual, da war die Künstlerin bereits an Parkinson erkrankt.

Jolande Lischke-Pfister in jungen Jahren. Das Foto hat Joachim Lischke gemacht. Foto: Llischke/Lischke

„Der Tod unseres Vaters im Jahr 2014 nach 58 Ehejahren hat ihr sehr zugesetzt, aber geklagt hat sie nie. Sie ist nach einem langen, erfüllten Leben am 20. August letzten Jahres an ihrer Krankheit gestorben“, erzählt Sylvie Lischke-Bellhäuser.