Kunst aus Glas : „Jede Scherbe ist wie ein Ton“

Der Künstler Markus Hohlstein fertigt in Dudweiler aus Glasscherben Skulpturen, die saarlandweit ausgestellt werden.

Seine Leidenschaft für die Glaskunst hat Markus Hohlstein schon vor rund 15 Jahren entdeckt. „Ich war damals als Hausmeister tätig“, erinnert sich der gelernte Schlosser. Bei einer Sanierung habe er Glasscherben aufgesammelt, dabei sei es um ihn geschehen: „Als ich gesehen habe, was die Sonne mit Glas macht, war mir klar, dass ich das weiterverfolgen muss.“ Danach beschäftigte sich Hohlstein, der in seinem Geburtsort Dudweiler lebt, ausgiebig mit dem Material und seinen Eigenschaften, sammelte Erfahrungen mit Beleuchtung und Lichtbrechung. „Ich bin ein Autodidakt“, sagt der Künstler. Sein erstes Werk, einen gläsernern Weihnachtsbaum, stellte er in einer Kirche aus.

Aus dieser Phase des Experimentierens hat Hohlstein viel mitgenommen. „Das Material ist launisch“, sagt er. „Jede Scherbe ist wie ein Ton.“ Er breche die Scherben daher selbst, etwa aus ausgemusterten Fensterscheiben. „Die meisten Menschen, die mit Glas arbeiten, verwenden entgratetes Material, bei dem die scharfen Kanten abgeschliffen sind. Doch das bricht das Licht viel schlechter.“

Außerdem verwendet Hohlstein keinen Kleber mehr. „Damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt er. Für seine Installationen legt er die Scherben inzwischen aufeinander, sie halten sich durch ihr Eigengewicht. „Das sind Dinge, die man einfach lernen muss.“

Mittlerweile schneide er sich auch nicht mehr, erzählt Hohlstein lachend. „Früher ist das schon ab und an passiert, aber schlimm geschnitten habe ich mich nie.“ Die Arbeit mit den scharfen Kanten an den mitunter tonnenschweren Skulpturen erfordere dennoch höchste Konzentration: „Da muss man total runterkommen, ansonsten kann es gefährlich werden.“ Handschuhe trägt Hohlstein nicht, dafür aber Arbeitsschuhe mit Stahlkappen, „falls mal eine Scherbe runterfällt“.

Sein jüngstes Werk hat der Glaskünstler vergangene Woche am Flughafen Ensheim fertiggestellt. Aus 3000 Scherben besteht das „Abbild der Erde“, eine 300 Kilo schwere Glaskugel mit 80 Zentimetern Durchmesser. Sie soll die „Vergänglichkeit des Lebens und unseres Planeten“ vermitteln, erklärt Hohlstein. Die Installation ist von innen beleuchtet, bricht aber auch das Licht der einfallenden Sonnenstrahlen. „Ich stelle mir immer die Frage: Wie kriege ich das Licht durchs Glas“, sagt der Künstler. Der Standort Ensheim eigne sich aber nicht nur wegen seiner großen, lichtdurchfluteten Hallen. „Am Flughafen warten die Leute ja meist länger als zum Beispiel am Bahnhof, da ist es doch wunderbar, wenn sie währenddessen etwas zu sehen bekommen.“

Von der Abgehobenheit, die Künstlern gerne nachgesagt wird, ist bei Markus Hohlstein nichts zu spüren. „Das Schönste an meiner Arbeit ist, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, wir sind ja schließlich im Saarland“, erzählt er schmunzelnd. Obwohl seine Installationen mittlerweile landesweit zu sehen sind, arbeitet Hohlstein weiterhin hauptberuflich als Schlosser in Saarbrücken. Seine Kunstwerke fertigt er während der Freizeit in seiner Privatwerkstatt in Dudweiler. „Bisher mache ich das als Hobby“, sagt Hohlstein. Kunden und Liebhaber seiner Kunst können zwar spenden, „davon behalte ich aber nichts, wir geben das Geld direkt an gemeinnützige Organisationen weiter.“

Für die Zukunft hat der Künstler ambitionierte Ziele. „Natürlich würde ich gerne meinen Lebensunterhalt damit bestreiten“, sagt Hohlstein. Er wünscht sich eine bessere Unterstützung für Künstler von der saarländischen Wirtschaft. Zwar gebe es Förderprojekte, „die sind aber nur für Leute, die einen Abschluss in einem künstlerischen Studienfach gemacht haben. Wenn man nicht promoviert hat, braucht man sich da gar nicht zu bewerben“.

Hohlsteins Werke sind derzeit im Bürgeramt in Saarbrücken, im Krankenhaus Sulzbach und in der katholischen Kirche in Jägersfreude zu sehen. Auch den Weihnachtsstern, der seit dem Jahr 2013 im Winter über dem Saarbrücker Schloss zu sehen ist, hat Hohlstein gefertigt. Zudem plant er im Rahmen des Dudweiler Frühlingsfestes ab dem 13. April eine größere Ausstellung in der Dudogalerie. „Außerdem habe ich zwei Aufträge in anderen Bundesländern und ein Kirchenprojekt in Ludweiler, an dem über 1000 Menschen beteiligt sind“, sagt Hohlstein. „Aber ich bin immer auf der Jagd nach neuen Orten.“ Am liebsten seien ihm große offene Hallen mit viel Licht. „Das Weltkulturerbe wäre natürlich ein Traum.“

Wer sich für die Werke von Markus Hohlstein interessiert, erreicht ihn unter Tel. (0151) 10 12 65 00, per E-Mail an markushohlstein@gmx.de oder auf Facebook unter: https://de-de.facebook.com/Hohlsteinskunst

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