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Jana Binz, dichtende Heldin des Alltags

Serie Poetry-Slammer : Sie greift Geschichten aus dem Leben

Jana Binz ist Krankenpflegerin und wurde durch einen Zufall zur durchaus erfolgreichen Dichterin.

Jana Binz gehört eigentlich in erster Linie zu den Alltagsheldinnen. Sie steht nämlich um halb vier auf, um rechtzeitig ihrer Ausbildung als Kinderkrankenpflegerin nachzugehen – und zwar gerne. „Ich liebe meinen Beruf wirklich“, sagt sie, „trotz allem, was in der Pflege so passiert. Es ist trotzdem sehr schön: Man trägt dazu bei, dass es den Menschen besser geht, das ist ein sehr, sehr schönes Gefühl.“

Über die Arbeit kam die 21-Jährige zum Poetry Slam. Ihre Klassenlehrerin hatte einst wegen eines Pflegekongresses gefragt, ob Jana nicht gerne einen Text vortragen wollte. „Da ging’s drum, die Leute, die gerade einen Schulabschluss gemacht haben, für die Pflege zu begeistern und das auf einem möglichst zugänglichen Weg.“

An dem Slam nahmen auch andere Schulen teil, doch deren Beiträge seien eher langweilige Präsentationen gewesen. Janas Vortrag dagegen war so gut, dass sie diesen Slam auf Anhieb gewann. Dadurch wurde offenbar etwas bisher Verborgenes in der jungen Heusweilerin geweckt. „Nach dem Slam habe ich angefangen, überall wo ich bin, mitzuschreiben. Einfach um Geschichten zu erzählen, die aus dem Leben gegriffen sind.“

Vieles davon enthält eine gewisse Alltagskomik – das ist gewollt, denn Jana findet die meisten Poetry-Slam-Beiträge eher traurig und möchte dem etwas entgegensetzen. Bei ihr hören die Zuschauer etwa Begebenheiten aus der Berufsschule wie folgende: „Wir haben mal eine ganz normale Klausur geschrieben, da hat sich einer gemeldet: Ob er sich die Antworten aussuchen dürfe zu den Fragen – er wüsste gar nicht, wie das Ganze funktioniert.“ Dabei gab es gar keine Antworten zum Aussuchen, es war eine ganz normale Klassenarbeit – „Ich muss immer wieder lachen, wenn ich daran denke.“

Nach dem Start beim Pflegekongress suchte Jana nach Auftrittsgelegenheiten und stieß bei ihrer Recherche auf die erfahrene Slammerin Andrea Maria Fahrenkampf. Diese organisiert mit anderen den regelmäßigen Slam der Saarbrücker Vereinigung „Dichterdschungel“, der u. a.  im Kino Camera Zwo stattfindet. Damals war es allerdings der U20-Slam in der Szenekneipe Jules Verne – vor der stand Jana dann und traute sich nicht reinzugehen. Da hatte sie die Rechnung allerdings ohne ihre Freundin gemacht. „Die hat mich praktisch auf die Bühne geprügelt.“ Und was geschah? Jana gewann schon wieder.

Lob gab es dafür auch von Andrea Maria Fahrenkampf. Sie gibt seither Tipps, wo man überall auftreten kann. Auch beim „erwachsenen“ Slam des Dichterdschungels nahm Jana schon zweimal teil. Hat sie den etwa auch direkt beim ersten Mal gewonnen? Nein, so steil ging ihre Karriere dann doch nicht, aber sie sagt: „Für mich persönlich ist es gut gelaufen.“

Aber mal nach Trier oder Bonn für einen Slam außerhalb fahren, wie es viele der Kollegen machen, möchte Jana nicht. „Nein, es soll für mich ein Hobby bleiben, ich will auch erst mal hier bekannt werden. Das würde mir auch einen großen Knacks geben, wenn ich außerhalb nicht gut ankäme. Ich will das hier erst noch als Übung nutzen.“

In der saarländischen Slammer-Szene fühlt sie sich sehr wohl: „Die Szene ist wundervoll, sehr angenehm. Das war schon schön, wenn man sein Leben überall so ein bisschen angeeckt ist und dann kommt man in so eine Szene, wo es wirklich egal ist, wer du bist oder was du bist.“ Angeeckt? Ja, Jana würde sich selbst als Sturkopf beschreiben. Außerdem hat sie eine Freundin und keinen Freund – „was zwar in der Gesellschaft akzeptiert sein sollte, aber leider nicht ist“, wie sie meint. In der Slammer-Szene sei das aber total egal.