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Jan Weis, der Songpoet, der die Stille liebt
Der Songpoet, der die Stille liebt

Jan Weis hat immer gedichtet und immer die Stille gesucht. Das spürt man nun auch in den Liedern seiner neuen CD. Am Donnerstag stellt er sie in einem Release-Konzert vor.
Jan Weis hat immer gedichtet und immer die Stille gesucht. Das spürt man nun auch in den Liedern seiner neuen CD. Am Donnerstag stellt er sie in einem Release-Konzert vor.
Saarbrücken. Entschleunigung und der Kontakt mit der Natur: Die Lebensziele des Saarbrücker Musikers Jan Weis werden auch auf seiner CD spürbar.  Von Josefine Hoffmann

Vielleicht hat der ein oder andere Jan Weis schonmal in einer Saarbrücker Kneipe, bei einem Wohnzimmerkonzert oder auf der Straße gehört. Falls ja, ist wahrscheinlich etwas davon in  Erinnerung geblieben. Singende Gitarristen gibt es wie Sand am Meer, viele spielen eigene Songs, aber nur wenige dürften sich wie Jan Weis mit jener Ruhepause befassen, die man von der alltäglichen Hektik braucht. „Einsamkeit, Natur und Musik waren irgendwie immer wichtig“, so Jan Weis, Jahrgang 1982.


Die Familie  zieht öfter um, er  wächst an verschiedenen Orten auf. „Ich hab mich früh zurückgezogen, um in aller Ruhe Gedichte und Tagebuch zu schreiben“, erzählt er im SZ-Gespräch. Nach Versuchen am Klavier bringt er sich Gitarre bei. Er durchstöbert das Plattenregal seiner Eltern, welches bestückt ist mit Musik der 70-er und 80-er, wie Genesis und Pavlov‘s Dog.

Nach Realschulabschluss und Zivildienst folgt eine Ausbildung, aber der Beruf passt nicht zu ihm. Mit Mitte 20 holt er sein Abitur nach, schreibt sich an der Uni Trier für Germanistik und Politik ein, wechselt Politik gegen Theologie, landet im Lehramt und an der Uni des Saarlandes, wo er sich in familiärer Atmosphäre besser aufgehoben fühlt. „Saarbrücken ist mein Zuhause. Im Zentrum ist viel los, aber ich brauche Wald um mich.“



Musik hat den 36-Jährigen immer begleitet. „Ich habe in vielen Bands gespielt, aber jetzt fühle ich mich allein am wohlsten“, meint er. Bühnenerfahrung hat er also reichlich. Er hört u. a. Tocotronic, Debussy, Mikis Theodorakis, befasst sich intensiv mit Schuberts „Winterreise“. Eines seiner schönsten Erlebnisse verdankt er Georges Moustaki, dessen Aura und musikalische Präsenz ihn bei einem Konzertbesuch tief beeindrucken.

Hat er musikalische Vorbilder? „Die Musik von John Fogerty ist für mich eine Kraftquelle. Aber von Niño Miguel habe ich viel über Flamenco und Zupftechnik gelernt, seitdem benutze ich den Kapodaster.“ Unter Gitarristen ist dieser als Krücke für konditionsschwache Anfänger verschrien, die Barrégriffe nicht halten können, aber Weis begründet: „Ich mag die hellere Klangfarbe und den perkussiveren Sound.“

Sound ist das Stichwort. Der ist für ihn fundamentaler Bestandteil des musikalischen Ganzen, wichtig sind ihm aber auch der individuelle Aufbau eines Stückes und der Mut, Fremde an eigenen Gedanken teilhaben zu lassen. „Am schlimmsten sind schrubbende Gitarristen“, sagt er und meint solche, die lieblos ihr Instrument traktieren. Er fährt fort „Es gibt viel zu viele Leute, die nicht ihrer eigenen Kreativität vertrauen, sondern sich ausschließlich an Songschemata von youtube halten, die klingen alle gleich.“ Auch Selbstoptimierer mit Bilderbuchbiographie, die ihr Leben  minutiös durchplanen, sind seine Sache nicht. „Die Welt ist schon durchorganisiert genug“, so Weis.

„Meine Gedichte wurden einfach irgendwann zu Songs“, beschreibt er. Doch die Suche nach der passenden Sprache war ein mühsamer Prozess: „Anfangs habe ich auf Deutsch gesungen, aber wegen Georges Brassens hab ich auch Französisch ausprobiert. Seine Chansons waren für mich eine Offenbarung. Ich bin dann aber doch bei Englisch gelandet, weil es sich am besten anfühlt.“

Musikalisch ist er Individualist, daher sind seine Stücke sämtlich als Ein‑Mann‑Werke angelegt. Solokünstler haben den Ruf, extrovertiert zu sein, aber Jan Weis ist keiner, der sein Ego in den Vordergrund stellen muss. Er ist eher ein dezenter Zeitgenosse, der mit leisen Tönen überzeugt. Seine Songs sind eingängig und gleichzeitig entschleunigend. Über die Texte kann man durchaus länger nachdenken, denn sie handeln u. a. eben von jenem Innehalten in der Hektik des Alltags. Er tut das beim Joggen im Wald oder eben mit Musik, so kann er andere an seiner Seelenrast teilhaben lassen.

Wo er hin will? „Erst mal die erste Staatsexamensarbeit fertig schreiben und die neuen Songs einem größeren Publikum vorstellen.“ Da er auch noch als Lehrer und an der Uni arbeitet, ist momentan an Urlaub nicht zu denken, aber wenn er sich ein Land aussuchen dürfte, wäre die grüne Insel seine erste Wahl. Da passt es, dass die Präsentation seiner ersten CD in Wally’s Irish Pup stattfindet.

„Reason, Sinking and  Remain“ von Jan Weis ist beim Label der Jazz-Sängerin Annika Jonsson, Nikasounds, erschienen. Das Release-Konzert ist am Donnerstag, 13. September, 20 Uhr, in Wally’s Irish Pub, St. Johanner Markt.
www.janweis.com