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Isabel Meiser
„An der Stimme ist die gesamte Persönlichkeit beteiligt“

Isabel Meiser singt Klassisches, aber auch Chansons.
Isabel Meiser singt Klassisches, aber auch Chansons. FOTO: Stephan Presser
Saarbrücken. Isabel Meiser singt am Sonntag Schuberts „Winterreise“ im Theater Leidinger. Von Frauen hört man die selten. Von Nicole Baronsky-Ottmann

„Ich hatte eine musikalische Mutter, und wir haben zuhause immer schon viel gesungen“, erinnert sich Isabel Meiser an ihre musikalischen Anfänge. „Trotzdem waren alle skeptisch, als ich die Musik zum Beruf machen wollte“, erzählt die junge Frau, die heute freiberufliche Mezzosopranistin in Saarbrücken ist.


Daher studierte Isabel Meiser, die aus Soltau in der Nähe von Hannover stammt und seit ihrer Jugend in Saarbrücken lebt, zunächst an der Universität des Saarlandes Französisch und Schulmusik. „Aber der Gesang war da schon mein Hauptfach“, erklärt sie und lächelt. Insbesondere die Gesangspädagogik machte ihr viel Freude, „das mache ich heute noch gern. Denn die Stimme hat so viel mit der Persönlichkeit zu tun, an der Stimme ist die gesamte Persönlichkeit beteiligt.“

Als im Jahr 2012 die Entscheidung ansteht, in den Schuldienst zu gehen oder doch lieber weiter Gesang zu studieren, entscheidet sie sich daher auch für die Musik. Sie konzentriert sich fortan auf Lied- und Operngesang, mit szenischer Ausbildung, absolviert ihren Master an der Hochschule für Musik Saar im Jahr 2016.



Mittlerweile arbeitet Isabel Meiser freiberuflich. „Seit  2011 unterrichte ich Gesang“, erzählt sie. Aber als Sängerin und Künstlerin muss man mehrere Standbeine haben, in verschiedenen Projekten arbeiten, um davon leben zu können. Daher singt Isabel Meiser häufiger Messen, war gerade erst in der Basilika St. Johann bei dem Gedenkkonzert anlässlich des 75. Todestages von Willi Graf zu hören. Außerdem wird sie im Dezember in Blieskastel das Weihnachtsoratorium singen.

Daneben arbeitet sie gerne pädagogisch, hatte im letzten Jahr beim Musical „Natürlich blond“ in Saarlouis die musikalische Leitung und das Vocal Coaching übernommen. Und dann überrascht sie. „Ich liebe die französische Sprache. Daher singe ich auch sehr gerne Chansons.“

Im September konnte man im Saarbrücker Café de Paris ihre Zeitreise durch den französischen Chanson hören. „Ich habe Lieder von Piaf, Brel oder Aznavour gesungen. Das kam sehr gut an. Daher wird dieser Abend im April in der Breite 63 wiederholt“, sagt sie lachend und man kann sich die zarte Frau mit den apartem Gesichtszügen sehr gut als Chansonsängerin vorstellen.

Jetzt aber steht Isabel Meiser erst mal mit einem ganz anderen Programm auf der Bühne. An diesem Sonntag, 25. November, wird sie im Theater Leidinger die „Winterreise“ von Franz Schubert singen. Begleitet wird sie von dem Pianisten Gonzalo Paredes, mit dem sie sehr gerne zusammenarbeitet.

„Das Besondere an der Winterreise ist, dass sie sehr selten von Frauen gesungen wird. Es ist ein Zyklus von Liedern aus der Perspektive eines jungen Mannes“, erklärt sie. Erstmals hat sich in den 1960er Jahren eine Frau, Christa Ludwig, an die Interpretation der Lieder aus dem Jahr 1827 gewagt. Und da Isabel Meiser bei der berühmten Sängerin einen Kurs besucht hatte, lag es für sie auf der Hand, es ihr gleichzutun.

Aber ist es nicht schwer, männliche Lieder als Frau vorzutragen? „Ich interpretiere die Lieder nicht männlich, sondern menschlich“, antwortet sie und lacht. Und dann erklärt sie, was ihr ganz besonders am Herzen liegt. „Ich habe den Anspruch, beim Singen die Menschen zu berühren. Ich will, dass die Zuhörer etwas fühlen“.

„Die Winterreise“ von Franz Schubert, mit Isabel Meiser. Sonntag, 25. November, 18 Uhr,  im Theater Leidinger, Mainzer Straße 10 in 66111 Saarbrücken. In Zusammenarbeit mit dem Verein Kube Kultur und Bewusstsein e.V. Karten unter www.ticket-regional.de, deren VVK-Stellen bundesweit und im Hotel Leidinger.