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Kolumne Unsere Woche: Intoleranz ist die größte Gefahr

Kolumne Unsere Woche : Intoleranz ist die größte Gefahr

Wenn an diesem Wochenende Lesben, Schwule und Intersexuelle auf Saarbrücker Straßen für Akzeptanz werben, tun sie dies längst nicht nur für ihr Ansinnen.

Ich muss es nicht mögen, wenn sich ein lesbisches Pärchen in der Öffentlichkeit küsst. Ich muss es nicht mögen, wenn zwei Männer Hand in Hand die Einkaufsmeile entlang flanieren. Ich muss es nicht mögen, wenn eine Mutter ihrem Baby in einem Straßencafé die Brust reicht. Ich muss es nicht mögen, wenn mein Nachbar zweimal pro Woche den Rasen mäht. Ich muss es nicht mögen, wenn sich mein Kumpel im Internet legale Pornos reinzieht. Und ich muss es nicht mögen, wenn meine Oma gewohnheitsmäßig den Sonntagsgottesdienst besucht.

Mir käme es aber niemals in den Sinn, deshalb etwas davon zu verbieten, nur weil ich nach einer anderen Lebensweise glücklich werde. Dies verstöße eklatant gegen Akzeptanz und Toleranz, die für unsere Gesellschaft die Wesensmerkmale schlechthin sind. Früher oder später würde es wohl auch mich treffen, wenn es andere ebenso hielten.

Wenn an diesem Wochenende Lesben, Schwule und Intersexuelle durch Saarbrücken ziehen, um für Akzeptanz und Toleranz zu werben, geht es nicht nur allein um ihr Anliegen, sich nicht immer wieder aufs Neue für ihre sexuelle Identität rechtfertigen zu müssen. Ihr Kampf geht uns alle an: Denn nur wer tolerant ist, gesteht jedem die Freiheit zu, die er braucht, um  glücklich zu leben. Toleranz ist das Grundprinzip unserer Demokratie, nicht Hass und Ablehnung.