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Axel Bosse im Interview
„Für mich gibt es keine Grenzen“

Axel Bosse sagt: „Manchmal schreibe ich Songs, die sofort ins Ohr gehen, und manchmal welche, die leicht verschroben sind.“
Axel Bosse sagt: „Manchmal schreibe ich Songs, die sofort ins Ohr gehen, und manchmal welche, die leicht verschroben sind.“ FOTO: Tim Brüning
Der Musiker Axel Bosse verrät im Gespräch mit der SZ, dass er keine Angst hat, dass seine Lieder den Leuten zu poppig sein könnten. Von Kai Florian Becker

Einige Lieder des neuen Albums klingen sehr poppig – etwa das funkige „Augen Zu Musik An“. Haben Sie keine Angst, dass das Ihren Fans zu viel Mainstream sein könnte?


Axel Bosse: Bei mir ist das immer Yin und Yang. Von Beginn an war ich im Pop sozialisiert. Als ich das erste Mal mit einer Gitarre in der Hand einen Song geschrieben habe, hatte ich auch sofort eine Hookline parat. Ich stehe auf Melodien und darauf, dass Refrains aufgehen. Das war bei mir schon immer so. Dann kommt es natürlich noch drauf an, was im Text gesagt wird und wie genau die Musik klingt. Auf „Alles Ist Jetzt“ ringen Himmel und Hölle miteinander. Es gibt Melodien, bei denen verstehe ich, warum jeder sagt, das sei die ideale Single-Auskopplung und die bleiben in der Birne und bewegen einen. Dann gibt es aber auch unscheinbare Nummern wie „Robert De Niro“, die tiefer und anders sind, und die vielleicht länger brauchen, um anzukommen – etwa auch „Wanderer“. Solche Songs sind nach einem Mal Hören nicht im Kopf; erst beim vierten Mal oder so entwickelt sich da etwas. Manchmal schreibe ich eben Songs, die sofort ins Ohr gehen, und manchmal welche, die leicht verschroben sind. Zwischen diesen beiden Polen bewege ich mich eigentlich immer. Das wissen meine Fans auch. Und um auf die Frage zurückzukommen: Für mich gibt es keine Grenzen. Von daher habe ich auch keine Angst, dass es den Leuten zu poppig sein könnte.

Im Video von „Augen Zu Musik An“ spielt die Schauspielerin Anna-Maria Mühe mit. Wie kam es zu dieser Kooperation?



Bosse: Wir hatten uns auf der Filmpremiere einer gemeinsamen Freundin getroffen: Laura Tonke. Die hatte in meinen Videoclips „3 Millionen“ und „Liebe Ist Leise“ mitgespielt. Anna-Maria kannte ich bis dahin nur vom Sehen und Grüßen. Ich wusste aber, dass sie meine Musik mag. Bei der Premiere kam sie zu mir und sagte: „Eh, Aki, ich mag deine Musik. Also wenn du irgendwann nochmal eine Jungschauspielerin brauchst, die in einem deiner Videos mitspielt, dann rufst mich einfach an.“ Als ich dann wirklich sofort am nächsten Tag anrief und sie fragte, ob sie in den Videos zu „Augen Zu Musik An“ und „Alles Ist Jetzt“ mitspielen wollte, hat sie sehr gestaunt.

Das Lied „Wanderer“ hat einen leichten Achtziger-Jahre-Einschlag – speziell der Schlagzeug-Sound. Bei „Overkill“ sind es die Synthesizer, die an die Achtziger erinnern. War das Absicht? Sie sind ja in den Achtzigern groß geworden und musikalisch bestimmt auch sozialisiert worden, oder?

Bosse: Einige haben gesagt, „Wanderer“ klinge wie die derzeit angesagte Band The War On Drugs. Für mich klingt deren Musik wiederum nach Dire Straits. Das ist nichts anderes. Und mit denen bin ich groß geworden, da sie mein Vater immer gehört hat, wenn er Lasagne gekocht hat. Zu der Frage: Ja, das steckt alles drin, aber es wurde wenig bei der Entstehung des Songs nachgedacht. Er kam eher intuitiv zustande. Ich wusste beim Schreiben, dass die Gitarre irgendwie nach Dire Straits und keinesfalls nach The Cure klingen musste. Danach kam der Rest. Das Gesamtergebnis klingt total nach den Achtzigern, da gebe ich Ihnen Recht. In „Overkill“ singe ich mit Herrn Spiegelei von Deichkind und hab den Song mit Nikolai Potthoff gemacht, der für seine Beats bekannt ist. Auch hier galt: Keine Grenze, kein Korsett – selbst wenn sich am Ende der rote Faden des Albums nur aus der Stimme, den Texten und den Melodien zusammensetzt. Der Rest darf ruhig bunt sein.

Die Fragen stellte
Kai Florian Becker