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Intensivtheater sammelt für Kultur gegen Corona

Crowdfunding : Das Intensivtheater ist in der Existenz bedroht

Das gemeinnützige Theater lebt von aufwändigen Produktionen. Jetzt kommt kein Geld mehr rein, die Kosten bleiben.

Die Stimmen von Jenny Theobald und Tim Ganter, Gründer und Leiter des Intensivtheaters in Saarbrücken, klingen in der Telefonkonferenz bedrückt. Man merkt, dass sie sehr besorgt sind, auch ohne, dass sie dies betonen. Denn wie so viele andere Kreative und Kulturschaffende auch, bangen sie aufgrund der Corona-Krise derzeit um ihre Zukunft, um den Fortbestand des Intensivtheaters.

Das Besondere an diesem gemeinnützigen Theater ist, dass hier Profis und Laien gemeinsam auf der Bühne stehen und dazu die Musik von einer Band live gespielt wird. Dazu kommen besonders aufwändige Kostüme, im Foyer wird das Publikum mit Aufbauten, Dekorationen und sogar Geschmacksproben schon auf das jeweilige Stück eingestimmt. Das alles braucht viele Mitarbeiter. Daher stehen bei den Aufführungen bis zu 70 Menschen gleichzeitig auf der Bühne.

Das intensive Theatergefühl, das diese Inszenierungen auslösen, hat sich bisher gelohnt, denn allein zum Musical „Jesus Christ Superstar“ kamen in 21 Aufführungen in der ganzen Region über 15 000 begeisterte Zuschauer.

Nun aber sieht alles ganz anders aus. „Wir wollten an Ostern mit Jesus Christ Superstar in Füssen auftreten. Aber alle unser Aufführungen sind auf unbestimmte Zeit abgesagt“, erklärt Tim Ganter. Und Jenny Theobald fügt hinzu: „Wir arbeiteten gerade gleichzeitig an drei Projekten. Neben Füssen haben wir ein Donald-Trump-Musical einstudiert und wollten es an verschiedenen Orten zeigen, und wir sind in den Proben an einem ganz neuen Musical, an Dracula. Das ist jetzt alles auf unbekannte Zeit verschoben“.

Für das „Intensivtheater“ brechen damit alle Einnahmen weg. Aber einige Ausgabe bleiben trotzdem. „Wir haben die gesamte Werbung für Füssen schon gemacht, Flyer und Plakate verteilt. Wir müssen weiterhin die Vertragstantiemen, also die Gebühren für die Aufführungen zahlen. Dazu kommen die Kostümausleihe, die Requisite und natürlich auch die Miete für unser Lager“, erklärt Jenny Theobald.

Seit der Krise ist aber nicht nur das Intensivtheater in Not, sondern alle professionellen Schauspieler und Musiker, die für das Theater auf der Bühne stehen. Denn es ist kein Geld für Honorare da. „Wenn wir jetzt nichts machen, wissen wir nicht, wie wir bis zum Sommer überleben. Es ist wirklich dramatisch“, sagt Tim Ganter.

Die finanzielle Not macht aber auch ein bisschen erfinderisch. Gleich zu Beginn der Krise gab es die Idee, eine Gala zu streamen, also live im Internet zu übertragen, die man sich kostenlos anschauen kann. Und im Gegenzug werden die Zuschauer gebeten, zu spenden. Aber: „Bei der Gala stehen eben auch 70 Personen auf der Bühne“, sagt Jenny Theobald. Das ist ja nicht mehr möglich.

Die Spendenaktion im Internet (auf www.startnext.de) habe man daher von dem Galakonzert gelöst, sie laufe trotzdem schon. Motto: Kultur gegen  Corona. „Denn wir sind auf jeden Euro angewiesen“, beteuert Tim Ganter. Als Dankeschön haben sich die Theaterleute allerlei ausgedacht. Zum Beispiel kann man sich ein Lied als Grußbotschaft singen lassen oder eine Wundertüte kaufen. Sowie die Krise vorüber ist, wird die Gala gestartet: „Denn alle Musiker und Schauspieler, die Tänzer und die Sänger wollen ehrenamtlich mithelfen, dass es mit dem Intensivtheater weitergeht“, sagt Jenny Theobald.
www.intensivtheater.org