Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 21:15 Uhr

Alt-Saarbrücken
Ingos Erben servieren weiter Spaghetti

Billy, links, und Georgi mit einer normalen Portion Spaghetti in der kleinen Tonhalle.
Billy, links, und Georgi mit einer normalen Portion Spaghetti in der kleinen Tonhalle. FOTO: Martin Rolshausen
Alt-Saarbrücken. Vor zehn Jahren haben Georgi Mitev und sein Bruder Billy die Kleine Tonhalle neu eröffnet. Sie führen sie seither in der Tradition von Ingo Zickler. Von Martin Rolshausen

Wenn es im Himmel, in den ewigen Jagdgründen, im Nirwana oder wo auch immer Ingo Zickler gelandet ist, badischen Wein gibt, dann hat der Schwabe, der 1979 in der Saarbrücker Wilhelm-Heinrich-Straße unweit der Ludwigskirche eine Kneipe eröffnet hat, in diesen Tagen sein Glas reichlich gefüllt und damit in Richtung „Kleine Tonhalle“ geprostet.

Dort haben zwei Brüder etwas gefeiert, was sie sich selbst, wie sie sagen, „in den besten Träumen so nicht vorgestellt“ haben: dass „etwas Altmodisches immer noch so boomt“.

Als die beiden Bulgaren die Kultkneipe im Februar 2008 neu eröffneten, war Ingo Zickler seit drei Jahren tot. Ein Versuch, seine „Kleine Tonhalle“ weiterzuführen war da bereits gescheitert. Das lag unter anderem daran, dass es dem Wirt, der Ingos Kneipe übernommen hatte, nicht gelungen war, die legendären Spaghetti zu kopieren. Das Rezept für seine Bolognesesauce mit Pilzen hielt der Schwabe Ingo nämlich geheim. Klar war immer nur: Lorbeerblätter sind drin.

Viele haben es am heimischen Herd versucht, wirklich geschafft dürfte es niemand haben. Die Ingo-Spaghetti blieben ein Mythos. Wie die „Kleine Tonhalle“ – und wie Ingo.

Georgi war mit dem Mythos vertraut. Er arbeitete in der Gastronomie und hing mit Freunden oft bei Ingo in der Tonhalle rum – zum Essen, Kartenspielen oder um nur etwas zu trinken. Das lag auch daran, dass Bulgarien und die Menschen dort Ingo faszinierten. Aus dieser Zeit kannte Georgi zwei Studentinnen, die bei Ingo in der Küche gearbeitet haben. Mit ihnen hat er das Soßenrezept rekonstruiert – und es originalgetreu hinbekommen.

Mit seinem Bruder Billy, der Koch ist, hat Georgi zwar die Speisekarte um Pizzen, Flammkuchen, Salate und ein paar Fleischgerichte erweitert. Aber ansonsten taten die Brüder das, was die Gäste erwarteten: weiter Spaghetti in den Varianten „Normal“, „Anfänger“ und „Kämpfer“ servieren und möglichst wenig verändern. „Die Gäste wollen auf den gleichen Stühlen sitzen und die gleichen Gitarren an der Wand haben“, sagt Georgi. Und das alte schwarze Telefon neben dem Tresen wird da auch noch lange hängen. Die Kinder, sagt Georgi, stehen ab und zu davor und schauen neugierig. „Die haben so etwas noch nie gesehen.“

Inzwischen sind Kinder zur Welt gekommen. Es gab Wechsel im Team. Aber auch nach zehn Jahren, sagen die Brüder, mache ihnen die Kneipe noch so viel Spaß wie am Anfang. „Die Leute merken, wenn man keinen Spaß hat“, sagt Georgi. Zu Ingos Stammkunden sind inzwischen neue Stammgäste dazugekommen. Das ist für Georgi ein Zeichen dafür, dass die Freude, mit der er und sein Team arbeiten, wahrgenommen wird.

Und Georgi und Billy haben nicht vor, damit aufzuhören. Gerade erst, erzählt Georgi, wurde der Mietvertrag für die Kneipe um 20 Jahre verlängert. Er kenne einige Wirte, die sich über ihre Vermieter beklagen. Das könne er nicht. Im Gegenteil. Dem Hausbesitzer sei nicht egal, was passiert. Er sei froh, dass es die „Kleine Tonhalle“ gibt. Und damit sei klar: „Die Versorgung mit den Spaghetti ist zwei weitere Jahrzehnte gesichert.“
Was immer in den kommenden 20 Jahren sonst noch passiert. Eins gilt für Georgi als sicher: „Die geheimen Zutaten von Ingos Rezept werden wir nicht verraten.“

Die „Kleine Tonhalle“ in der Wilhelm-Heinrich-Straße in Alt-Saarbrücken.
Die „Kleine Tonhalle“ in der Wilhelm-Heinrich-Straße in Alt-Saarbrücken. FOTO: Martin Rolshausen