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In Saarbrücken gibt es jetzt Stand-Up-Paddling

Kostenpflichtiger Inhalt: Stand-Up-Paddling : Auf dem Brett sieht die Saar ganz anders aus

Stand-Up-Paddling, kurz SUP, gehört zu den am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt. Ein SZ-Volontär wagte am Vatertag den Selbstversuch. Und ging baden. Absichtlich, wohlgemerkt.

Als ich am Saarufer ankomme, treffe ich auf eine laut brummende Pumpe. Der an ihr befestigte Schlauch führt geradewegs in eines der Boards, mit dem es später auf die Saar geht. „Inflatable“, also aufblasbar, seien die Bretter, erklärt Kursleiter Frank Naerger. Sie hätten den großen Vorteil, sich leichter transportieren zu lassen und weniger zu wiegen als die harten Exemplare, die beim Surfen zum Einsatz kommen.

Nachdem genug Luft in das gut drei Meter lange Brett gefüllt ist, wird eine Flosse an die Unterseite montiert, die etwa die Größe einer ausgestreckten Hand hat. Da sie leicht abbrechen kann, werde die „Finne“ immer erst kurz vor dem Gebrauch befestigt. Im Wasser sorge sie später für die nötige Stabilität.

Neben dem Brett brauche ich vor dem Start auch noch ein Paddel. Um bequem steuern zu können, soll ich es so einstellen, dass der Griff ein gutes Stück über meinem Kopf ist. Entsprechend meiner Körpergröße ist das Paddel zwei Meter lang. Frank Naerger zeigt an Land, wie ein korrekter Paddelschlag aussieht. Mit gestreckten Armen werde das Paddel mit der nach innen gebogenen Seite gleichmäßig von vorne nach hinten gezogen.

Neben Ausrüstung und Technik seien aber auch die Sicherheitshinweise wichtig, die unser vierköpfiger Einsteigerkurs bekommt. Es dürfe zwar jedermann mit einem SUP-Board auf der Saar fahren. Dabei seien allerdings immer die Regeln des Schiffsverkehrs zu beachten. Das bedeute: immer rechts fahren und schnelleren Verkehrsteilnehmern Platz machen.

Nach rund 20 Minuten Theorie folgt die Praxis. Bei sommerlichen 26 Grad und kaum einer Wolke am Himmel ist es angenehm, beim Aufsteigen aufs Brett bis zu den Knien in der Saar zu stehen. Naerger macht vor, wie es geht, und setzt sich als Erster in Bewegung. In Höhe des „Sweetspots“, des Brett-Schwerpunkts, werden zunächst die Knie aufgesetzt. „So könnt ihr erst mal ein Gefühl für das Brett und das Wasser bekommen“, ruft Naerger uns zu. Nach wenigen Paddelschlägen treiben wir schon mitten auf der Saar.

Kurze Zeit später wage ich den Versuch, mich aufzurichten. Dazu lege ich das Paddel quer vor mir über das Brett und halte mich daran fest. Vorsichtig setze ich einen Fuß neben den anderen.

Als ich meinen Oberkörper recke, beginnt unter mir das große Wackeln. „In den ersten 15 Minuten ist das normal“, antwortet Naerger auf meine etwas erschrockene Frage, ob das bei Anfängern öfter vorkomme. Und in der Tat hat er recht. Mit der Zeit legt sich das zittrige Ausbalancieren.

Es dauert aber nicht lange, bis meine neu gewonnene Standsicherheit auf eine harte Probe gestellt wird. Eine kleine Yacht schippert an uns vorbei und erzeugt Wellen, die sich auf dem Brett anfühlen, als wäre ein Kreuzfahrtschiff über die Saar gedonnert. Ich habe es nicht rechtzeitig geschafft, mich wieder auf die Knie fallen zu lassen. Jetzt muss ich versuchen, das drohende Unheil abzuwenden und den Sturz in die Saar zu verhindern.

Einige Verrenkungen später stehe ich gleichermaßen trocken und erleichtert auf meinem Brett und setze die Fahrt Richtung Osthafen fort.

Auf dem Weg dorthin packt mich dann aber irgendwann doch die Neugier, und ich lasse mich mit dem Rücken voran ins Wasser fallen. Der beabsichtigte Sturz erfüllt seinen Zweck, mir die Angst davor zu nehmen, und sorgt zugleich für eine Premiere. Denn obwohl ich waschechter Saarländer bin, ist es für mich das erste Bad in der Saar.

Am Osthafen staunen wir Augenblicke später nicht schlecht, als dort eine Schildkröte aus dem Wasser ragt. Frank Naerger hat sie entdeckt und sofort angehalten. Auch ein kleiner Fischschwarm ist auf unsere Boards aufmerksam geworden und lässt sich nahe der Wasseroberfläche blicken.

Beim Fahren wird das Paddel im regelmäßigen Wechsel links und rechts neben dem Brett durchs Wasser gezogen. Foto: Iris Maria Maurer
Frank Naerger (links) zeigt seinen Schülern zu Beginn des Kurses, wie sie das Paddel richtig einsetzen. Foto: Iris Maria Maurer
Auf den Knien bietet das Brett mehr Stabilität als im Stehen. Deswegen starten Anfänger zunächst in dieser Position. Foto: Iris Maria Maurer

Bevor die Tour endet, paddeln wir noch einmal vom Osthafen in den Altarm, in dem die Ruderer ihre Boote zu Wasser lassen. Auf dem ruhigen Gewässer zeigt Frank Naerger zu guter Letzt den „Bogenschlag“, mit dem sich das Brett durch eine kräftige Paddelbewegung leicht in verschiedene Richtungen drehen lässt. Nach gut eineinhalb Stunden ist dann Schluss. Und ich verlasse samt meines Boards die Saar, die ich an diesem Tag aus einem ganz neuen Blickwinkel kennengelernt habe.