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In diesen Kleidern steht Amadeus im Saarländischen Staatstheater auf der Bühne

Vor der Premiere : In diese Kleider schlüpfen Mozart und Co.

Wo „Amadeus“ in Stoff gehüllt wird: Ein Blick hinter die Kulissen der Kostümabteilung am Saarländischen Staatstheater.

Dass bei einem historischen Drama wie dem Schauspiel „Amadeus“ die Kostüme eine große Rolle spielen, dürfte jedem klar sein. Das Stück spielt schließlich im Österreich des 18. Jahrhunderts. Am Freitag ist das Drama über Wolfgang Amadeus Mozart und seinen angeblichen Widersacher Antonio Salieri im Großen Haus des Saarländischen Staatstheaters gestartet.

Doch wer entwirft die Kleidungsstücke und wer schneidert sie den Schauspielern auf den Leib? Um das zu demonstrieren, gestatten der fest angestellte Kostümdirektor Markus Maas und der für das Stück engagierte Kostümbildner Alexander Djurkov Hotter einen Blick hinter die Kulissen.

Während letzterer die so genannten Figurinen erstellt, also Zeichnungen mit den Kostüm-Entwürfen, sorgt Maas dafür, dass der entsprechende Stoff geliefert wird und die Schneiderinnen und Schneider die Kleider bis zur Kostümprobe fertig haben. Auf die perfekte Kostümierung wird am Staatstheater größten Wert gelegt, denn dort gilt nicht nur „Kleider machen Leute“, sondern „Kostüme machen Schauspieler“, wie Djurkov Hotter während des Gesprächs einen Satz von Audrey Hepburn zitiert. Ähnliches würden ihm Schauspieler regelmäßig bestätigen, wenn sie nicht nur in ihre Rolle, sondern auch ins entsprechende Kleidungsstück geschlüpft sind. „Wir helfen den Darstellern ein ganzes Stück in ihre Rolle reinzukommen“, meint er. Die Kostüme eines Stücks sind somit ein immens wichtiger Teil der Schauspielkunst.

Djurkow Hotter hat vor fünf Jahren mit der Kostümbildnerei angefangen. Er wohnt in Berlin, ist aber das ganze Jahr über an verschiedenen Spielstätten unterwegs. Der 29-Jährige orientierte sich bei Amadeus nicht an vorangegangenen Aufführungen oder gar an dem Kinofilm von 1984, sondern einzig und allein am Text von Peter Shaffers Theaterstück. „Ich will mich nur von dem inspirieren lassen, was ich lese“, sagt er. Es sei dann schon vorgekommen, dass er aufgrund eines Textes eine Figurine zeichnete und später in einer Verfilmung desselben Stoffs fast das gleiche Kostüm sah.

Für Mozart hat er drei verschiedene Kostüme designt, die Darsteller Raimund Widra während des Stückes tragen wird: „ Am Anfang wird er eine sehr schicke Jacke haben, die gut auf seine Maße passt. Am Ende passt er sich eher der Gesellschaft an.“ Der Unterschied zwischen dem frischen und modernen Mozart und dem altbackenen Salieri spiegelt sich natürlich in der Auswahl der Stoffe, der Schnitte und der Farben wider. „Da treffen zwei Welten aufeinander“, sagt Djurkow Hotter.

Für Maas ist klar, dass auch die Kostüme die Geschichte des Stücks miterzählen: „Wir wollen damit Emotionen überspringen lassen, wollen das Publikum auf eine emotionale Reise mitnehmen.“ Seine Arbeit bestehe darin, zu verstehen, was der Kostümbildner will. Anhand der Entwürfe schaue er, ob er die gewünschte Stoffe schon da habe oder sie bestellen müsse.

Die Gewandmeisterinnen des Staatstheaters erstellen dann die Schnitte anhand der Maße und der Fotografien der Darsteller. Diese proben zunächst mit so genannten „Stand-Ins“, also Ersatzkostümen, bis die richtigen Kostüme fertig sind.

 Der Kostümbildner Alexander Djurkov Hotter hat die so genannten Figurinen gezeichnet, die zeigen, wie die Kostüme zum Stück „Amadeus“ aussehen sollen.
Der Kostümbildner Alexander Djurkov Hotter hat die so genannten Figurinen gezeichnet, die zeigen, wie die Kostüme zum Stück „Amadeus“ aussehen sollen. Foto: Alexander Djurkov Hotter
 figurine zu Amadeus. Alexander Djurkov Hotter
figurine zu Amadeus. Alexander Djurkov Hotter Foto: Alexander Djurkov Hotter
 figurine zu Amadeus am SST. Foto: Alexander Djurkov Hotter
figurine zu Amadeus am SST. Foto: Alexander Djurkov Hotter Foto: Alexander Djurkov Hotter
 Kostümdirektor Markus Maas (links) und Kostümbildner Alexander Djurkov Hotter zwischen zwei schon fertigen Kostümen für „Amadeus“.
Kostümdirektor Markus Maas (links) und Kostümbildner Alexander Djurkov Hotter zwischen zwei schon fertigen Kostümen für „Amadeus“. Foto: Sebastian Dingler

Immer stehe man unter großem Zeitdruck, sagt Maas. Das sei so wegen der vielen parallelen Produktionen und wegen der Abhängigkeit von externen Firmen, etwa jenen, die den Stoff liefern. Und was passiert mit den aufwendigen Kleidungsstücken nach einer Produktion? Maas dazu: „Wir machen zwar jedes Jahr zur Spielzeiteröffnung eine Kostümversteigerung und auch einen Kostümverkauf zu Fasching, aber das werden wir mit solchen Kostümen wie bei Amadeus eher nicht machen. Wir haben hier einen großen Fundus mit etwa 100 000 Kostümen, da werden die eingelagert. Da gucken wir noch mal, ob wir die wiederverwerten können.“