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In Burbach gibt es Kultur live und "Face to Face"

Neues Format : Wo man einen Künstler ganz für sich allein hat

Dank Corona gibt es eine spannende neue Theater-Form im Kultur- und Lesetreff in Burbach. „Face to Face“ bringt Publikum und Künstler zusammen.

Unruhig stromert Peter Tiefenbrunner durch den Kultur- und Lesetreff Burbach. Hier wird er heute lesen. Und heute ist selbst er, der Autor, Schauspieler und Kabarettist mit jahrzehntelanger Erfahrung, „unsicher“, wie er sagt. Viel aufgeregter als vor einer gewöhnlichen Lesung sei er. Denn: „Naja, da weiß ich ja, wie es geht“, sagt Tiefenbrunner. Er kenne die Publikumsreaktionen und wisse, wie man damit umzugehen hat. Doch die Lesung im Kultur- und Lesetreff ist alles andere als gewöhnlich. Denn: Dort besteht das Publikum aus nur einer einzigen Person.

„Face to Face“ heißt die Veranstaltungsreihe des Kultur- und Lesetreffs Burbach, in deren Rahmen die Lesung stattfindet. Kunstgenuss, das ist für gewöhnlich ein Kollektiverlebnis. Aber im Angesicht des fortwährenden Pandemie-Geschehens erscheinen überfüllte Ausstellungshäuser, Theater und Konzertsäle noch immer undenkbar.

Doch da es ganz ohne Kultur – vor allem eben auch in Krisenzeiten – doch nicht geht, warten Institutionen, Veranstalter und Künstler seither mit alternativen, frischen und nicht weniger reizvollen Konzepten auf. So auch der Kultur- und Lesetreff Burbach.

Bei „Face to Face“ bekommen die Gäste die einmalige Gelegenheit, Kunst in einem ganz individuellen, intimen Rahmen zu erleben. Zwar währen die Darbietungen nur ganz kurz – zehn Minuten, um genau zu sein –, dafür sind sie dank der Zweierbeziehung zwischen Gast und Künstler umso intensiver.

Für die Künstlerinnen und Künstler bedeutet das natürlich einen wahrlichen Darbietungsmarathon. Peter Tiefenbrunner betreibt während seiner „Face to Face“-Lesungen sogar ein bisschen Psychoanalyse: Drei Geschichten hat er zu seinen Lesungen mitgebracht – mal sind sie ruhig und nachdenklich, mal schräg und bissig. „Ich wähle dann je nach meiner Einschätzung der menschlichen Natur, die da vor mir sitzt, aus“, erklärt Peter Tiefenbrunner.

Bei seiner ersten Zuhörerin, Ingeborg Damaske, hat Tiefenbrunner dabei genau ins Schwarze getroffen. Hans Christian Andersens eher unbekanntes Märchen „Der Kobold bei dem Höker“ hat er ihr vorgelesen. Damaske applaudiert en solo, „eine gute Parabel über den Wert der Kultur“, sagt sie.

Die „Face to Face“-Lesung beschreibt sie als „sehr persönliche Erfahrung“. „Ich wusste: Er liest für mich, er gibt seine Sprache und seine Gefühle für mich“, sagt sie. Obwohl das Format natürlich als Reaktion auf die aktuelle Pandemie-Situation entstanden ist, macht „Face to Face“ für Ingeborg Damaske den Kunstgenuss noch in einem ganz anderen Aspekt einfacher. Denn Damaske ist sehbehindert. In der Eins-zu-Eins-Beziehung kann sie sich ganz auf ihr Gegenüber konzentrieren. „Das ist ein gutes Format für Menschen mit Handicap“, sagt sie. Sie hofft, dass es über die Pandemie fortbestehen wird.

Damaske hat sich auch gleich für weitere Termine der Veranstaltungsreihe angemeldet. Denn Peter Tiefenbrunners Lesung war lediglich der Auftakt. Am 25. Oktober folgen Marina Kavtaradze am Piano, am 1. November Barbara Scheck mit einer Lesung, am 8. November Wolfgang Wehner an der Geige, am 22. November Verena Jochum an der Harfe und am 6. Dezember Birgit Giokas mit einer Lesung.

Alle Veranstaltungen beginnen jeweils um 17 Uhr und erfolgen im Zehn-Minuten-Takt. Der Eintritt beträgt je 5 Euro. Weitere Informationen sowie Anmeldung und individuelle Terminvergabe unter (0681) 755 9 444 oder 753 5 892.