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Frauen im Schornsteinfegerhandwerk
Die einzige Frau mit eigenem Kehrbezirk

 Schornsteinfegermeisterin Ina Apfelbaum über den Dächern von  Scheidt.    
Schornsteinfegermeisterin Ina Apfelbaum über den Dächern von Scheidt.    FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Ina Apfelbaum ist Schornsteinfegermeisterin und die Bevollmächtigte ihres Berufsstandes im Regionalverband. Von Becker & Bredel

Wenn Ina Apfelbaum mit schwarzer Montur und Zylinder nur die Straße entlanggeht, fahren Autos langsamer, Fahrer drehen sich um und gucken nach der 34-jährigen Frau, die hier im klassischen Gewand der Schornsteinfeger unterwegs ist. Die junge Meisterin, die in Scheidt und Teilen der Nachbarorte ihren Kehrbezirk hat, ist die einzige bevollmächtigte Schornsteinfegerin im Regionalverband und genießt die staunenden Blicke: „Es ist heute was Positives. Manche fragen wirklich, ob sie mich anfassen dürfen, weil es angeblich Glück bringt. Das dürfen sie dann. Als ich mit der Lehre begann, standen einige den Schornsteinfegern auch sehr kritisch gegenüber, weil sie die Kehrpflicht nervte oder ältere Kollegen sie herablassend behandelten. Das Bild hat sich gewandelt. Schornsteinfeger sehen sich heute als Dienstleister, und die Kunden sehen uns als Partner“, sagt die junge Frau, die zwar die einzige Frau mit Kehrbezirk, aber nicht die einzige Frau in diesem Handwerk ist. „Ich habe mit Jennifer Ruffing eine angestellte Schornsteinfegermeisterin in meinem Team, und mein Kollege Uwe Meyer, mit dem ich in Malstatt eine Bürogemeinschaft habe, hat eine weibliche Auszubildende. Trotzdem wird das nie ein klassischer Frauenberuf werden“, sagt Apfelbaum. Man müsse halt Dächer besteigen, schwindelfrei sein, schwere Luken öffnen können und immer wieder mit unterschiedlichsten Menschen unterschiedlichster Milieus klarkommen. „Wir treffen alle. Die Armen und die Reichen. Die Deutschen und die Ausländer. Man lernt, mit allen klarzukommen. Ich persönlich finde das ungeheuer interessant. Man plant seinen Arbeitstag selbst, man arbeitet drinnen und draußen. Ich genieße das jeden Tag.“ Die Tradition werde gepflegt. Die schwarze Arbeitshose sei von der Stange, aber das schwarze Leder-Koller mit den goldenen Knöpfen sei ein Muss. Auch der Zylinder sei Standard und nicht nur Beiwerk für den Fototermin. „Wir sind eine der ältesten Zünfte. Die Tradition zu pflegen, hat Sinn. Wir werden erkannt, und eine bessere Sympathiewerbung kann man nicht machen“, findet sie und hat sich im Schornsteinfegeroutfit auf jedem Einkaufswägelchen in einem Scheidter Supermarkt abbilden lassen. „Ich habe den Kehrbezirk von einem Meister übernommen, der dort 35 Jahre tätig war. Jetzt schieben die Menschen beim Einkauf mein Bild vor sich her und wissen, wer ich bin.“ Zur Eigenwerbung gehören auch die beschrifteten Dienstwagen, auf einem ist ein pinkfarbener Zylinder zu sehen. Ihr eigener ist allerdings tief schwarz: „Ich habe schon mal nachgeforscht, wo ich einen Zylinder in Pink herbekommen könnte. Das Hutmacher-Handwerk ist aber leider am Aussterben. Im Saarland macht das niemand mehr.“ Und so habe sie sich entschieden, bei der klassischen Variante zu bleiben.