Immer mehr Besucher in der Stadtbibliothek

Bilanz : Immer mehr Besucher in der Stadtbibliothek

Trotz Digitalisierung erfreuen sich Bücher einer konstanten Beliebtheit. Die Betreiber wollen das Angebot noch erweitern.

Schon wieder hat Stadtbibliotheks-Leiter Gerald Schleiwies mit einer Neuerung überrascht. Einmal im Jahr, so ist es Usus, geben die Leiter der städtischen Kulturreinrichtungen im Kulturausschuss einen Jahresbericht über die Aktivitäten ihrer Einrichtung ab. Meist erfolgt das als mündlicher Bericht mit Unterstützung einer Powerpoint-Präsentation. Schleiwies hingegen verfasste eine professionell gestaltete zwölfseitige farbige Din-A-4-Broschüre, die auch in der Bibliothek ausliegt und damit für alle Bürger zugänglich ist.

Das kam bei den Stadtverordneten im Kulturausschuss und bei Kulturdezernent Thomas Brück sehr gut an. Auch die Nutzerzahlen der Bibliothek können sich sehen lassen. „277 057 Menschen fanden 2018 den Weg in unsere Stadtbibliothek“, heißt es in Schleiwies‘ Jahresbilanz 2018. Das seien über 1100 Besuche täglich und damit eine Steigerung um mehr als 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jeder vierte Nutzer komme zudem von außerhalb der Landeshauptstadt. Auch als Ort, der Veranstaltungen anbiete, werde die Stadtbibliothek immer wichtiger. In diesem Bereich ist die Zahl der Besucher von 2279 im Jahr auf 9180 Besucher im Jahr gestiegen. Führungen und sonstige Veranstaltungen für Kinder- und Jugendliche machen hierbei über 50 Prozent des Veranstaltungsangebots aus. Die Bibliothek müsse sich konsequent den sich ändernden Gepflogenheiten der Nutzer anpassen, um ihrem Auftrag treu zu bleiben, so Schleiwies‘ Credo. Die Digitalisierung etwa habe den Bibliotheken allen Unkenrufen zum Trotz nicht geschadet, so der Bibliotheksleiter: „Die elektronischen Bücher verharren auf festem Niveau zwischen fünf bis sieben Prozent an den Gesamtausleihen, und die Nutzer sitzen nicht zu Hause, sondern in der Stadtbibliothek.“ Die Spielabende, die er eingeführt hat, belegten, der Mensch liebe es haptisch, wolle Dinge „anfassen“ und bleibe „gesellig“.

Zu den weiteren Neuerungen im Angebot der Bibliothek zählen etwa die „Tonies“, kleine putzige Figuren, von denen man Kinderhörspiele abspielen lassen kann, ein „Gamersplace mit Nintendo, Playstation und VR-Brille sowie Demenzmedien für Betroffene und betreuende Angehörige und ein eigener Facebook-Auftritt der Bibliothek für die Öffentlichkeitsarbeit. Auch wie die Saarbrücker Stadtbibliothek im bundesdeutschen Vergleich dasteht, legte Schleiwies dar.

So liegt die Landeshauptstadt mit 14,86 Euro, die sie 2018 pro Einwohner an Ausgaben für ihre Bibliothek tätigte, sogar ein paar Cent über dem Bundesdurchschnitt. Betrachtet man allerdings den Etat, der von den Gesamtausgaben für den Erwerb für Medien übrig bleibt, so rangiere sie nur „im unteren Drittel“. Einen Grund dafür sieht Schleiwies in den hohen Mietkosten von einer halben Million Euro pro Jahr, während manche anderen Stadtbibliotheken mietfrei in stadteigenen Räumlichkeiten residierten. Durch den Zuwachs an Nutzern stießen Raumkapazität und Anzahl der Arbeitsplätze „an ihre Grenzen“, mahnt Schleiweis und will durch Umordnung der Bestände mehr Raum schaffen.

Auch die Barrierefreiheit will er zudem verbessern: unter anderem durch ein taktiles Leitsystem und den Umbau des Eingangsbereichs. Zu den vielen Zukunftsprojekten der Bibliothek zählt auch der grenzüberschreitende Bücherbus Bi-Bus (wir berichteten). Warum Bücherbusse so wichtig sind, zeigt Schleiwies anhand der Statistik: „Würde der Bücherbus nicht mehr fahren, würden gut 70 Prozent der angemeldeten Kinder ad hoc nicht mehr durch die Stadtbibliothek versorgt werden“, so der Bibliotheksleiter. Nur Kinder, die in nächster Nähe der Innenstadt wohnten, fänden nämlich den Weg in die Bibliothek.

Die Broschüre mit dem Jahresbericht der Stadtbibliothek gibt es auch zum Download: http://www.saarbruecken.de/media/download-5c921fd14d757