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Im Saarbrücker Filmhaus sind Fridays for Future und Frauen stark

Wissenschaft und Kino : Das Filmhaus ist für die nächsten Jahre sicher

Ein Gespräch mit Christel Drawer über Kino in Corona-Zeiten, den Stand der Sanierung im Filmhaus und ihre Pläne für neue Reihen und Angebote. Der Mietvertrag für das Kino in der Mainzer Straße ist gerade verlängert worden.

Statistisch gesehen gehört sie zur Corona-Risikogruppe, ist also bereits in einem Alter, in dem andere sich innerlich schonmal auf die Rente vorbereiten. Aber bei Christel Drawer hat man das gegenteilige Gefühl. Sie ist lebendig, voller Tatendrang und wirkt irgendwie sehr befeuert von dem, was sie tut.

Und jetzt ist sie sozusagen mitten im Sprint ausgebremst. Zack, alles auf Stillstand. Christel Drawer managt seit drei Jahren das Saarbrücker Filmhaus. Aber Corona und Kino verträgt sich derzeit nicht gut. „Ich streiche seit Mitte März Termin um Termin bis dieser Albtraum vorbei ist“.

Das Filmhaus, das lange Jahre ein etwas kriselnder Kulturort war, entwickelte sich, seit Drawer hier in Kooperation mit Michael Krane vom Kino Camera zwo die Leitung übernahm, zum lebendigen Ort. Es ist aufgeblüht könnte man sagen, so wie die Chefin selbst, die, wie sie sagt, einfach gern mit klugen Menschen arbeitet.

Und das kann sie im Filmhaus normalerweise ganz prima. Denn während Michael Krane sich ums Kinoprogramm kümmert, brütet sie ideenreich allerlei Veranstaltungsreihen aus. Ringvorlesungen mit der Uni organisiert sie ohnehin seit Jahren. Im Filmhaus kommen nun ganz neue Idee dazu, die neues Publikum ziehen.

Eine Filmreihe zum aktuellen Thema Nachhaltigkeit etwa sollte am 18. März eröffnet werden. Auch eine „Babyfilme“-Reihe war geplant. Keine Filme über Babys, sondern ein Angebot für Kita-Kinder: „Nur animierte Filme von ein paar  Minuten und dazu Blicke hinter die Kulissen“, erläutert Drawer.

Sie hat sich so gefreut, endlich loszulegen mit dem Inhaltlichen. Nachdem sie gefühlt Jahre mit der Organisation von Renovierungsarbeiten im Filmhaus verbraucht hat. „Wenn ich gewusst hätte, wie der Sanierungsstau ist, hätte ich  mir das vielleicht nochmal überlegt“. Neue Glasfasertechnik wurde verlegt. „Das ermöglicht uns zum Beispiel Übertragungen vom Kinosaal in den Schauplatz“, erklärt sie. Wenn ein Angebot wie etwa die beliebten Vorlesungen der experimentellen Physik mal wieder viel mehr Leute interessiert als Plätze da sind. Auch im Corona-Spielbetrieb könnte das hilfreich werden.

Sogar besonders „nachhaltige“ Vorträge sind so möglich. So fand noch vor Corona erstmals ein Vortrag als Video-Stream mit live-Diskussion statt – ohne das die Referenten dafür nach Saarbrücken  fahren/fliegen mussten. Alles per Übertragung, ganz klimaneutral. „Alle waren begeistert“, sagt sie.

Neben der unsichtbaren Technik ist auch anderes im Filmhaus saniert. Die Toiletten sind neu, die Büros renoviert, der Schauplatz ist auf dem neuesten Stand. Und die lang diskutierte Barrierefreiheit ist auch in Sicht: „Der Bauantrag für Behinderten-Treppenlift und -toilette läuft“.

Drei Jahre war Drawer beschäftigt mit den dringlichsten Arbeiten. „Alles, was ich selbst machen konnte, ist gemacht“, anderes, wie die Außengestaltung zum Beispiel hängt vom Vermieter ab oder von den Mühlen der  Baugenehmigungsverfahren.

„Seit ein paar Monaten kann ich mich endlich richtig aufs Programm konzentrieren“, sagt sie. Und dann kam Corona. Und jetzt muss sie schauen, wie sie das Filmhaus seuchentauglich macht. „Ich verstehe ja, dass Großveranstaltungen und Partyszenen eine Gefahr darstellen, wenn man sich die Bilder vom Winterballermann in Ischgl anguckt. Doch die Sicherheitsbestimmungen sind gerade hier im Filmhaus hervorragend einzuhalten. In allen anderen Kinos auch“.

Für das Filmhaus als städtische Einrichtung wird jetzt der Sicherheits- und Arbeitsschutz prüfen, unter welchen Auflagen es losgehen kann. „Wann das Filmhaus genau öffnet und wie viele Leute wir pro Vorstellung reinlassen können, entscheidet sich erst danach“, sagt Drawer. Aber noch in dieser Woche soll es bekannt gegeben werden.

Das beliebte Kino-Open-air im Sommer hat sie auch noch nicht abgeschrieben, da sucht man nach alternativen Formen. Auch sonst geht sie davon aus, dass sie den Weg, den sie eingeschlagen hat, bald wieder weitergehen kann. „Wenn es jetzt bald wieder losgeht, wird das Filmangebot riesig sein, weil alles auf Halde liegt. Nächstes Frühjahr kommt dann der große Einbruch, wenn nicht bald wieder gedreht und produziert wird“.

Für ihr Filmhaus sucht Drawer aber generell nach anderen Formaten, nach anderen Mustern. „Man muss als Kino drauf reagieren, dass junge Leute mehr streamen statt ins Kino zu gehen“. Deshalb ihre Sonderreihen,  ihre Zusammenarbeit mit Schulen und die erfolgreichen Kombination von Film und Wissen. Filmreihen zu Fridays for  Future und Nachhaltigkeit, zum Thema „Starke Frauen“ oder über Fragen zum Leben mit künstlicher Intelligenz waren vor Corona bereits konzipiert. Sie werden jetzt eben später kommen.

Auch eine Reihe „Stadtgespräch“, die sie als „Salon für die Bürger*innen“  gemeinsam mit zwei Romanistinnen der Saar-Uni im Schausplatz starten wollte, ist erstmal verschoben. Die Ringvorlesung zum 300. Geburtstag von Münchhausen und die dazu passende Filmreihe findet nun erst nächstes Jahr statt. ist dann halt der 301. Geburtstag.

Immerhin: Der Mietvertrag fürs Filmhaus ist glücklicherweise gerade erst verlängert für fünf Jahre mit Option auf zwei weitere Verlängerungen. Das nimmt Druck raus in Krisen-Zeiten.  Es sieht so aus als sei das Filmhaus für die nächsten Jahre einigermaßen gesichert. Das ist mehr als derzeit viele Kinos sagen können.