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Im Fernsehen läuft immer wieder dasselbe

Kolumne : Die guten Filme zeigt kein Mensch

Zum Osterbraten kam mal wieder nur Kaiserin Sissi vorbei. Nicht dieser lange gesuchte Western, der irgendwie in Oregon spielt ... Aber wie hieß der denn gleich?

Der Osterbraten leistet ganze Arbeit. Er dehnt und streckt, so dass niemand auf die Idee kommt, dass da noch woanders etwas kocht. Romy Schneider holt im Fernsehen aus und bleibt mit dem Angelhaken am Revers von Karlheinz Böhm hängen. Nichts also scheint das Dösen des Publikums zu stören. Doch der Groll auf dem Sofa drüben wächst und bricht sich plötzlich Bahn: „Im Fernsehen kommt immer derselbe Mist!“ Romy Schneider tut erschrocken. Der Bratenköchin stinkt’s gewaltig: „Sisi kommt all‘ Nas‘ lang. Aber die guten Filme zeigt kein Mensch.“

Ja, was denn, will die Familie wissen. „Das kleine Hofkonzert, aber mit der dunkelhaarigen Monika Dahlberg“. Das stimmt, den hat hier noch niemand gesehen. „Da werden Spitzweggemälde lebendig. Wunderschön.“ Der Zerrissene von Johann Nestroy, „mit Fritz Muliar, Otto Schenk und Helmuth Lohner“, oder dieser neue Western, der nur einmal kam. Dann zieht sie unterm Programmheft eine Liste raus, auf der, handgeschrieben, Western stehen. Alle in allen Sendern gezeigten, seitdem sie auf den einen hofft. Hunderte Titel aus sämtlichen Jahrzehnten, Ausschlusskriterien, da der Gewünschte ja nie wieder kam. Die längste Westernliste, die ich jemals sah. „Lief auf Arte. Irgendwas mit Oregon, und er war anders, nämlich wie es damals wirklich war.“

Ein Rätselraten der Experten setzt ein. „Der lange Weg …“? Aber nein. Sie erzählt weiter, die Köpfe rauchen, der Kaffee fließt: Es grenzt sich ein. Das Handy hilft. Ein großer Favorit tut sich auf: „Auf dem Weg nach Oregon“, Regisseurin Kelly Reichardt, USA. Das könnte sein. Die DVD ist fast schon bestellt. „Oder kommt er doch noch ins Programm?“ Niemand dreht sich um. Wir wissen auch so: Romy Schneider steigt aufs Pferd und reitet in den Sonnenuntergang.