Igor Holland-Moritz: Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse Saarbrücken steht.

Alles neu, alles wie früher : Der neue Chef entdeckt „sein“ Saarbrücken

„Entdeckung!“ heißt das Motto der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse, die vom 26. bis 29. September an der alten Kirche am Saarbrücker Cora-Eppstein-Platz stattfinden wird.

„Es ist das  Gegenteil von in Deckung gehen“, sagt Igor Holland-Moritz über das von ihm gewählte Motto für die erste Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse unter seiner Leitung. „Ent-Deckung“, das bedeute auch sich öffnen, grenzenlos sein. Außerdem passt „Entdeckung“ auch ganz prima zum neuen Messe-Chef und seiner Familie. „Wir entdecken ja auch gerade: die Region, die Messe. . .“.

Der neue Chef ist auch Neu-Saarländer. Und von Saarbrücken und seinen Bewohnern, von der Mentalität und von der tatsächlich gelebten europäischen Identität überwältigt. „An der polnischen Grenze ist das überhaupt nicht so“, erzählt er beim Gespräch im Café. „Da fährt man höchstens zum Tanken rüber“. Aber hier, im Saarland, sei es faszinierend normal, dass Franzosen überall in der Stadt seien und Saarländer in Luxemburg arbeiteten.

Der neue Messechef ist mit seiner Frau, der Schauspielerin Eva Kammigan, und Söhnchen Rupert vom Theater Senftenberg nach Saarbrücken gezogen, um hier die Kinderbuchmesse von Astrid Rech zu übernehmen. Die langjährige Messe­chefin musste sich zum großen Bedauern vieler Menschen krankheitsbedingt zurückziehen.

Holland-Moritz wirft sich nun offensichtlich mit der gleichen Leidenschaft ins Zeug wie Rech all die Jahre. Ein Großteil des Programms steht bereits. Gerade ist das Programmheft in Arbeit. Es soll diesmal sogar dreisprachig – Deutsch, Französisch und Englisch – sein. Denn das  Ehrengastland 2019 ist Großbritannien. Fünf bis sechs britische Autoren und Illustratoren werden kommen, dazu wahrscheinlich eine Ausstellung des British Council in der  Bücherschau, erzählt Holland-Moritz.

Diese Ausstellung mit empfehlenswerten Kinderbüchern wird wie überhaupt die ganze Messe wieder in der alten Kirche am Cora-Eppstein-Platz beim St. Johanner Markt sein. Denn: „Ich will nicht alles neu erfinden, ich bleibe in dem Rahmen, den Astrid Rech gesteckt hat“, sagt Holland-Moritz. Die alte Kirche sei „ein super Platz mitten in der Stadt“, findet er.

Hausherrin ist hier die Musikhochschule, und die wird auch wieder im Boot sein. So werden Musikerinnen und Musiker Lesungen mitgestalten, und die Elementare Musikpädagogik von Professor Michael Dartsch ist auch wieder mit dabei.

30 Autorinnen und Autoren empfängt die Buchmesse im September. Darunter so bekannte Namen wie Heinz Janisch und Ajoscha Blau, Tobias Krejtschi und Philip Waechter. Dass diese Kinderbuch-Größen anreisen, liegt auch daran, dass die Verleihung des deutsch-französischen Jugendliteraturpreises wieder im Rahmen der Messe stattfinden wird. So kommen die Nominierten gern und lesen dann auch gleich noch was. Unter den Nominierten ist auch eine ganz neue, junge Autorin: Hanna Brückner und ihr Buch „Mein fantastisches Baumhaus“. Das gefiel der Messeleitung so gut, dass die Künstlerin gleich auch das Messeplakat machen wird.

Noch manch andere Idee hat Holland-Moritz im Köcher. „Ich hab einen Haufen Sachen im Kopf, wenn die realisiert werden, bin ich super froh“. So wird der Puppenspieler Jan Mixsa, Miterfinder von Bernd, das Brot, während der Messe da sein und verschiedene Angebote machen. Es wird sogar deutsche und französische Lesungen in Gebärdensprache geben.

Aber viel Vertrautes wird eben auch dabei sein: „Ich habe gerade mit Ignasi  Blanch geskypt“, erzählt Holland-Moriz. Der katalanische Illustrator kommt seit vielen Jahren schon nach Saarbrücken. Er gehört zur Messe wie die vielen schönen Bücher und die lesebegeisterten Kinder. Er wird wieder mit einigen Studierenden anreisen. Patrick Feltes mit seinen umwerfenden Pop-up-Büchern ist auch wieder mit von der Partie. Ebenso der Comic-Verlag von Eckard Schott sowie die Comic-Künstler der Kunsthochschule. Zum Abschlussfest kochen wieder die syrische Frauen.

Igor Holland-Moritz ist ein großer Fan seiner neuen Heimat. Der Buchmesse-Chef findet, Europa sei nirgends europäischer als hier. Foto: Igor Holland-Moritz

Sogar ein deutsch-arabisches Märchenbuch wird bei der Messe präsentiert, „denn auch das Arabische ist für mich Europa heutzutage“, erklärt Holland-Moritz. Und Europa, da ist er von seiner neuen Heimat überzeugt, ist nirgends europäischer als in Saarbrücken. „Hier atmest du das ja wirklich“.