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Wohnungsnot
Regionalverband will private Vermieter ansprechen

Saarbrücken. Der Wohnungsmarkt in Saarbrücken ist angespannt. Vor allem Leute mit sehr kleinem Einkommen haben es schwer, ein bezahlbares Dach über dem Kopf zu finden. Bei der Diakonie Saar haben am Dienstag Experten und Vertreter von Stadt, Regionalverband, Wohnungshilfe und Siedlungsgesellschaft über Lösungswege diskutiert. Von Alexander Manderscheid

Der Regionalverband (RGV) Saarbrücken plant, in Sachen Wohnungsnot dem sogenannten Karlsruher Modell zu folgen. Das sei im Gespräch, habe die Versammlung aber noch nicht passiert, bestätigt Eric Haßdenteufel, der am Dienstag als Vertreter für den RGV mit fünf anderen an einer Podiumsdiskussion der Diakonie Saar zum Thema den aktuellen Wohnungsmarkt in Saarbrücken beleuchtet und Lösungsideen besprochen hat.


Die Situation in der Landeshauptstadt ist angespannt. Vor allem Menschen, die über ein geringes Einkommen verfügen, haben schlechte Karten. Der durchschnittliche Mietpreis von 6,48 Euro pro Quadratmeter sei zwar in Ordnung, sagte Andrej Holm in seinem einführenden Vortrag, Mitautor bei der Studie der Hans-Böckler-Stiftung, nach der in Saarbrücken 17 000 Wohnungen für den angesprochenen Personenkreis fehlen. Allerdings seien zu wenig kleine Wohnungen vorhanden, so dass viele Menschen eine für sie zu große anmieten müssten und einen zu hohen Anteil ihres Einkommens für die Miete ausgeben würden. Diese Quote liege für Saarbrücken höher als der deutsche Durchschnitt. Die Folge: Solche Umstände verschärfen die soziale Ungleichheit.

Ein Problem, das die Diskussionsgruppe um Ex-Professor und Autor Titus Simon, Anne Fennel von der Diakonie, Guido Freidinger von der Landeshauptstadt, Hildegard Wald von der Saarbrücker Siedlungsgesellschaft, Thomas Braun von der Wohnungslosenhilfe der Diakonie und eben Haßdenteufel vor rund 70 Zuhörern erkannte, ist, dass viele leerstehende Wohnungen in privater Hand sind – Vermieter, die sich scheuen, diese Wohnungen für Geringverdiener und vor allem Hilfeempfänger herauszugeben. Sie fürchteten Mietnomaden, Ausbleiben der Miete nach Kürzungen von Sozialleistungen und ähnliches. Mit dem „Karlsruher Modell“ plant der RGV, sich ein Beispiel an der Stadt Karlsruhe zu nehmen: private Vermieter mit leeren Wohnungen ansprechen und Sanierungszuschüsse sowie eine sozialpädagogische Begleitung bieten, also eine Person, die für Vermieter und Mieter, der Hilfeleistungen und einen Mietzuschuss empfängt, Ansprechperson ist. Dabei möchte der RGV aber nicht selbst als Vermieter auftreten. Auch Guido Freidinger von der Stadt sprach die Leerstände im privaten Bereich an: „Die wollen wir jetzt ganz gezielt angehen.“ Dazu bräuchte es neue Strategien, wie man an diese Leerstände herankomme.



Dass die Situation vor allem für Obdachlose schwierig ist, beschrieb Thomas Braun von der Wohnungslosenhilfe. Er sieht für viele fast keine Chance mehr, ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Auch der Zustand des Wohnraums, den sie vermitteln könnten, werde immer schlechter.

Hildegard Wald verwies in diesem Zusammenhang auf 250 Wohnungen der Siedlungsgesellschaft, die schon als Obdachlosenunterkunft dienten. Mehr sei nicht möglich, weil die Siedlung dann ein Betreuungsproblem hätte. Insgesamt sei man versucht, eigene Leerwohnungen schneller auf den Markt zu bringen: rund 500. Die Gesellschaft will gegen den Sanierungsstau vorgehen und den ein oder anderen Neubau in Erwägung ziehen.