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Welle der Hilfsbereitschaft
„Ich habe Freunde verloren“

An dem Haus in der Saaruferstraße sind die Brandspuren noch deutlich zu sehen.
An dem Haus in der Saaruferstraße sind die Brandspuren noch deutlich zu sehen. FOTO: Dennis Langenstein
Saarbrücken. Die ersten Hilfsprojekte laufen an für die Menschen, die am Sonntag an der Saaruferstraße den Großbrand durchlitten. Von Dennis Langenstein

Bei dem verheerenden Brand in der Saaruferstraße am Sonntag sind vier Menschen gestorben, 20 verletzt worden. Rund 50 Menschen sind jetzt ohne Zuhause. Das Gebäude ist auch noch am Montag von einem Band abgesperrt. Zwei Beamte halten vor dem Gebäude Wache. Ob und wann die Bewohner zurückkehren können, ist noch völlig unklar.



Christian Grub ist einer von den Menschen, die jetzt vor dem Nichts stehen. Kleidung und einen Beutel mit Hygieneartikeln nimmt er von der Brandopferhilfe Saarland an ihrem Lager in Völklingen am Montagabend entgegen. Erste Tipps habe er von Ingo Wilke vom Verein „Ingos kleine Kältehilfe“ noch am Sonntag erhalten, ebenso wie eine Jacke von der Wärmestube. Es sind erste Schritte, um ihm unter die Arme zu greifen.

Der 32-Jährige hat Glück im Unglück. Relativ spontan hat er beschlossen, den Sonntag bei seiner Freundin zu verbringen. „Ich habe Freunde und Nachbarn verloren“, erzählt er. Und: „Und ich hatte bis eben nur noch das, was ich anhabe.“ Innerhalb weniger Augenblicke ist der 32-Jährige besitzlos geworden. Eine Stelle hat er zurzeit nicht. „Heute war ich bei der Agentur für Arbeit. Man hat mir erklärt, dass ich noch meinen Kredit für die Wohnungsausstattung abzuzahlen habe, die ich am Sonntag verloren habe.“ Wie es für ihn weitergeht, kann er noch nicht sagen. Zumindest kommt er erst einmal bei seiner Freundin unter. „Ich bin auf die Unterstützung der Hilfswerke angewiesen, sonst habe ich nichts“, sagt er und berichtet, dass in dem Haus viele arme und drogenabhängige Menschen gelebt hätten: „Ich war selbst über Jahre drogenabhängig, jetzt bin ich clean, doch wir haben viel zusammen durchgemacht.“

 Grub hat nicht nur seinen Besitz und seine Papiere verloren: „Ich weiß noch nicht einmal, wann meine Nachbarn beerdigt werden.“

Die Solidarität für die Opfer des Brandes zieht sich durch die Republik. Nur Stunden nach dem Feuer bekommt die Brandopferhilfe 10 000 Euro von der Feith-Stiftung aus Frankfurt. „Vor allem warme Kleidung und Schuhe werden jetzt benötigt. Aber auch weitere Helfer“, sagt Holger Staab vom Verein. Daneben seien Geldspenden oder Geschenke willkommen. „Wir wollen für die Opfer eine Weihnachtsfeier organisieren“, erklärt er. Eine Benefizveranstaltung in Dillingen organisiert der Verein bereits. Bei Kleiderspenden sollte man sich allerdings zuvor mit dem Verein absprechen. „Aktuelle Spendenaufrufe sind auf unserer Facebookseite“, sagt Staab.

Die überlebenden Nachbarn von Christian Grub seien größtenteils bei Freunden und Verwandten untergekommen, erklären die Saarbrücker Stadtverwaltung  und die Polizei. Acht Menschen seien am ersten Tag in der Jugendherberge untergebracht worden und danach in eine Gemeinschaftsunterkunft in der Koßmannstraße gekommen, wo das Amt für soziale Angelegenheiten sie mit Lebensmitteln versorgt habe. Noch während des Einsatzes stand ein Bus der Saarbahn bereit, in dem der Malteser Hilfsdienst und Notfallseelsorger 22 Opfer betreuten.