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„I’m old fashioned – the twenties are back!“ mit der HfM Saar

Chansonabend : 20er-Jahre, diese Zeit hat es vielen Leuten angetan

Die Hochschule für Musik präsentierte einen ausverkauften Liederabend. Am Donnerstag ist er in Heusweiler zu sehen.

Dass die Veranstalter des Abends mit gar nicht so viel Zuspruch gerechnet hatten, war allein daran erkennbar, dass Programmhefte Mangelware waren. Die Alte Evangelische Kirche bis in den letzten Winkel gefüllt – und das an einem verregneten Montagabend. Der Chansonabend der Hochschule für Musik (HfM) mit dem Motto „I’m old fashioned – the twenties are back!“ („Ich bin altmodisch - die Zwanziger sind zurück!“) erwies sich als Publikums-Magnet.

Die gut 200 Zuschauer wurden in die musikalische Vergangenheit entführt. Wobei der Initiator des Abends, Professor Jörg Abbing, gleich klarstellte, dass nicht nur Musik der Zwanzigerjahre erklingen werde. Von dem 1924 von George Gershwin geschriebenen „The Man I Love“ reichte die Zeitspanne bis zu Frederick Loewes „I’ve Grown Accustomed to His Face“ aus dem 1956 erschienenen Musical My Fair Lady.

Die Interpreten, zehn Sängerinnen und ein Sänger, studieren Schulmusik und lernen im Fach „schulpraktisches Klavierspiel“ sich selbst oder einen Sänger zu begleiten. Deshalb kamen die meisten alleine auf die Bühne und setzten sich dort an den Flügel. Das saarländische Staatstheater hatte auch seinen Beitrag geliefert – erstens stand auf der Bühne eine Zwanzigerjahre-Sitzgruppe, die sonst im Büro von Intendant Bodo Busse zu finden ist. Noch viel wichtiger: Die Studenten durften sich aus dem Fundus des Staatstheaters Kleider im Stil der damaligen Zeit aussuchen.

Deshalb und weil der Saal nur dezent, aber stimmig ausgeleuchtet war, fühlte man sich durchaus in die längst vergangenen Jahrzehnte versetzt. Selbst Russische Eier wurden kredenzt, als originale Spezialität der Zwanziger.

Den Anfang machte ein Song, den man eher aus den Sechzigern kennt, da er erst dort populär wurde: „Dream a Little Dream of Me“. Komponiert wurde er aber schon 1930. Katharina Wahl sang ihn zur Begleitung von Manuel Olmscheid, außerdem noch „In a Sentimental Mood“ von Duke Ellington. Judith Piroth war anzumerken, dass sie über viel Bühnenerfahrung als Sängerin verfügt. Routiniert spielte und sang sie die bekannten Jazz-Nummern „Night and Day“ und „Georgia on My Mind“ – das Letztere sei ihr Lieblings-Standard, meinte sie.

Mut bewies Katharina Lermen mit dem frivolen Schlager „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ von 1929. Dann brachte sie das Kunststück fertig, bei „Satin Doll“ eine Klarinette und den Flügel gleichzeitig zu spielen – toll. Sarah Dahlem wagte sich an zwei französische Chansons der Vierzigerjahre heran und machte ihre Sache sehr gut. Das traf auch auf Simon Germann zu, der beim Schlager „Ich lass mir meinen Körper schwarz bepinseln“ an Max Raabe denken ließ und außerdem sehr flüssig Piano spielte.

Magdalena Lambert hatte sich zwei Kurt Weill-Songs vorgenommen, das eher unbekannte „Speak Low“ und die weltberühmte Moritat von Mackie Messer. Anne Melzer brachte die beiden ältesten Stücke mit – das oben schon erwähnte von Gershwin und außerdem noch „Tea for Two“ von Vincent Youmans, auch heute noch ein Ohrwurm. Anne Koch ließ sich bei „Cheek to Cheek“ von Philipp Herget an der Gitarre begleiten, ehe Marie Louise Liebel den Motto-Song des Abends vortrug: „I’m Old Fashioned“ von Jerome Kern.

Nach zwei von Sonia Koch interpretierten Stücken von Noel Coward kam der Abend zu einem frankophilen Ende. Abbing kündigte zunächst „Les feuilles mortes“ von Joseph Kosma an: „Das kennen Sie alle als Autumn Leaves.“ Der größere Ohrwurm folge aber erst darauf, „La Mer“ von Charles Trenet. Anika Arend sang beides in typisch französisch-naivem Stil. „Das war wunderbar“ sagte eine ältere Dame auf dem Nachhauseweg. Und tatsächlich ging man beschwingt aus der Kirche – natürlich mit dem Ohrwurm von „La Mer“.

In Heusweiler, im alten Filmtheater (Saarlouiser Straße 27), wird der Chansonabend der HfM am Donnerstag, 6. Februar, 19 Uhr, ein zweites Mal aufgeführt – im Rahmen der Kooperation der Aktion Kultur mit der Hochschule.