Kolumne: So kann’s gehen : Als Störenfriedin im Theater

Ein eigentlich überaus gelungener Abend im Saarländischen Staatstheater wurde für unsere Kolumnistin zum peinlichen Auftritt.

Es gibt Situationen im Leben, da würde man sich gern klein machen können wie eine Maus. Am Sonntag habe ich solch eine Situation erlebt. Im Saarländischen Staatstheater. Beim Konzert der wunderbaren Katharine Mehrling.

Vorausschicken muss ich, dass ich gerade ein paar Tage krank war. Aber eigentlich war der Husten schon wieder weg. Eigentlich ...

Die erste Hälfte des fabelhaften Konzerts mit großartigen Musikern und einer Sängerin, die ihresgleichen sucht, verlief problemlos. Nach der Pause startete die Mehrling mit einem lauten, schmissigen, russischen Stück. Richtig Schmackes war da. Auch noch alles gut. Und dann kam ein ganz leises, ganz feines Stück. Sie ahnen es? Just in diesem Augenblick begann es, in meinem Hals zu kitzeln. Ganz unten hinten, da, wo man mit einem leisen Hüsteln nicht hinkommt. Ich hab mich bemüht, wirklich. Ich habe versucht, ohne Atmen durchzukommen, hat nicht geklappt. Ich bin quasi unter den Sitz gekrochen, half auch nicht. Ich musste husten. Immer wieder. Aber das Kitzeln blieb. Und auf der Bühne sang die Mehrling. Leise, zart und schön. Und ich störte. Dazu muss man noch sagen: Ich saß wo in der Reihe? In der Mitte, genau.  Es war eine pure  Qual. Irgendwann hab ich dann kapituliert, habe alle Leute aus den Sitzen gebeten und das Konzert fluchtartig verlassen. Ich dachte erst, das war das Schlimmste, was ich bisher im Theater angestellt habe. Und dann fiel mir ein: Vor ein paar Jahren hatte ich schon mal einen solchen Husten-Anfall – mitten in der natürlich totenstillen Sterbeszene von Peer Gynts Mutter. So viel steht fest: Ich werde ab sofort das Theater auch im Hochsommer nur noch mit einer Handtasche voller Hustenbonbons betreten.

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