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Kabarett
Frauenkabarett mit großem Kino in Saarbrücken

Heidi Hennen, Ursula Pfeiffer-Anslinger, Silke Müller, Gisela Walter, Birgit Schöndorf (von links) sorgten für gute Laune.
Heidi Hennen, Ursula Pfeiffer-Anslinger, Silke Müller, Gisela Walter, Birgit Schöndorf (von links) sorgten für gute Laune. FOTO: Kerstin Krämer
Saarbrücken. Fünf Mittelalter-Damen präsentierten Lieder und Sketche aus dem Alltagsleben. Ende November ist der nächste Auftritt geplant. Von Kerstin Krämer

Kabarett im Kino? Warum nicht! Weil ihr angestammtes Saarbrücker Zuhause, das Theater Leidinger, zum Jahresende schließt, blieb den fünf Damen vom Homburger Frauenkabarett auch gar nichts anderes übrig, als sich für ihre Auftritte in der Landeshauptstadt eine neue Bleibe zu suchen. Fündig wurden sie im Passagekino; Premiere am neuen Spielort war am Freitag.


Nun, der Glamourfaktor stimmt: Der rote Glitzervorhang liefert einen überaus luxuriösen Rahmen, und die Bühne ist wahrlich weitläufig. Genau darin liegt aber auch das Problem. Jeder Auf- und Abgang gestaltet sich derart umständlich, dass die Mädels eigentlich Kilometergeld kriegen müssten. Und natürlich geht im großen Kinosaal die Intimität des kleinen Raums flöten: Auf dem stattlichen Podium fremdelten die Kabarettistinnen und wirkten zunächst etwas verloren. Schlimmer: Nicht jede Pointe zündet so unmittelbar wie in kuscheliger Club-Atmosphäre, so dass das Publikum über weite Strecken recht verhalten reagierte. Erst in der zweiten Programmhälfte war die Stimmung so ausgelassen, wie man das beim Homburger Frauenkabarett gewohnt ist.

Vor allem jedoch müsste frau die schwierige Akustik in den Griff kriegen. Im Passage-Kino sind die Damen auf Funk-Mikroports angewiesen, um auch auf den hinteren Rängen verstanden zu werden, aber just diese Sprachverständlichkeit wurde durch ständige laute Störgeräusche und einen unangenehmen Nachhall beeinträchtigt. Davon abgesehen war‘s ein erfolgreicher Auftakt: Die Zuschauer – darunter auch etliche Männer – strömten, um bei Softdrinks und Popcorn „Neues aus dem Spätmittelalter“ zu genießen. In ihrem aktuellen Programm mischen Heidi Hennen, Ursula Pfeiffer-Anslinger, Silke Müller, Gisela Walter und Birgit Schöndorf wie gewohnt gewitzte Conférence und Sketche in unterschiedlicher Besetzung mit Liedern zu Gitarre oder Keyboard. Auch wenn hier manches Tönchen im mehrstimmigen Gesang nicht nur absichtlich verrutschte und man sich fragte, worüber die Klampfe eigentlich so verstimmt war: Die fünf mittelalten Damen begeisterten mit skurriler Wandlungsfähigkeit und ihrem Spektrum von theatraler Comedy bis Politkabarett.



Mal sind sie scharf gesellschaftskritisch, mal jonglieren sie virtuos mit Wortspielen, um dann wieder schreiend komische Szenarien zu konstruieren, mit kurzen Sinnsprüchen trockenen Pragmatismus zu praktizieren oder auf Mundart hemmungslos herumzualbern. Hier kriegten Linke wie Rechtspopulisten ihr Fett weg, wurde die Blockwart-Mentalität voyeuristischer Dorfweiber genau so aufs Korn genommen wie die Gehässigkeiten ehemaliger Klassenkameradinnen oder das galgenhumorige Verhältnis von Frauen zu ihren Problemzonen. Mit neu betexteten Hits besangen die Damen Mittelmäßigkeit, Lügner, Versager und Angsthasen, siedelten eine Parabel auf soziale Missstände in einer Edelboutique an und kombinierten ihren Spott auf Smartphone-Hörigkeit mit einer parodistischen Hommage an Udo Jürgens.

Daneben präsentierten die frechen Fünf eine nautische Lösung für das Dublin-3-Abkommen und hinterfragten semantisch den Typus des Mutbürgers, von Hartmut über Mammut bis Wermut. Lachtränen flossen bei der Zugabe, die mit Handpuppen die erotischen Eskapaden eines Dachdeckers kommentierte, bei einem Generationen-Rap und bei einer Darmspiegelung der besonderen Art: Gibt es ein Leben after After? Zwei Darmbakterien unterhalten sich über Klobalismus, Po-Pulationen, kokette Kocken und die resistent machende Gnade der frühen Antibiose – das war großes Kino. Die gute Nachricht: Die Mädels denken noch lange nicht ans Aufhören und machen weiter, so lange die Tena Lady hält.

Wieder: Freitag/Samstag, 23./24. November, jeweils 19.30 Uhr, Passage-Kino. Karten sind erhältlich an den Kinokassen der Citykinos (UT und Passage).