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Saarbrücker Innenstadt
Hohe Mieten könnten die Diskonto-Passage ruinieren

In der Diskonto-Passage in Saarbrücken schließen immer mehr Geschäfte, zuletzt Brezel Ditsch.
In der Diskonto-Passage in Saarbrücken schließen immer mehr Geschäfte, zuletzt Brezel Ditsch. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Seit Jahresbeginn stehen mehrere Läden in der Saarbrücker City leer. Die Inhaber verteidigen ihre Geschäftspolitik bei der Vermietung. Von Jörg Wingertszahn

Da, wo der freundliche Herr Phuc Phong Pham aus Vietnam bis vor Kurzem seine Kunden mit einem fröhlichen „Hallo, Herr Doktor“ begrüßte, gähnt die Passanten nur noch Leere an. Die Filiale von Brezel Ditsch ist seit Ende Januar geschlossen. Alles ist leergeräumt. Ein Blick durch die Scheibe zeigt ein paar Kacheln auf dem Fußboden und einige Kabel, die aus den Wänden hängen. Ein großes Plakat hängt an der Glasscheibe in der Diskonto-Passage. Darauf steht: „Wir bedanken uns bei allen unseren Kunden für ihr Vertrauen.“ Damit steht eine ganze Ladenzeile  leer.


Der Laden gehört wie auch die anderen leerstehenden Geschäfte in der Saarbrücker Diskonto-Passage der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) mit Sitz in München. Die BVK ist nach eigenen Angaben ein Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum für zwölf berufsständische und kommunale Altersversorgungswerke. Dazu gehören demnach die Bayerische Ärzteversorgung, die Bayerische Apothekerversorgung, die Bayerische Architektenversorgung und – man höre und staune – das Versorgungswerk des Bayerischen Landtags. Die Bayerische Versorgungskammer ist eigenen Angaben zufolge eine Behörde des Freistaats Bayern im Geschäftsbereich des Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr und zahlt Renten aus.

Die Bayerische Versorgungskammer besitzt in der Diskonto-Passage nach eigenen Angaben 22 Ladeneinheiten, von denen seit 1. Februar fünf im Leerstand sind. „Davon sind zwei Einheiten bereits länger im Leerstand, und drei weitere kamen per 1. Oktober sowie 1. Januar und 1. Februar dazu“, wie die Versorgungskammer auf mehrmalige Nachfrage unserer Zeitung mitteilte. „Alle diese Einheiten befinden sich allerdings in einem Abschnitt der Passage und liegen nebeneinander, was rein optisch schon kein guter Umstand ist. Auf der gegenüberliegenden Seite sind alle Läden vermietet und auch im größeren Teil der Passage, den wir uns mit der Firma Schneppendahl teilen, haben wir keine Leerstände. Gleichzeitig konnten wir im letzten Jahr zwei neue Mietverträge abschließen und Bestandsmieter haben ihre Verlängerungsoption zu den bestehenden Konditionen gezogen“, so die Mitteilung der Versorgungskammer.



Phuc Phong Pham sagte unserer Zeitung, die Mieten seien so hoch, dass seine Firma sie nicht mehr bezahlen könne. Das war auch in dem Fischladen an der Rolltreppe zu hören. Dazu wiederum teilt die Versorgungskammer mit: „Bezüglich der hohen Mietpreise darf festgehalten werden, dass wir den wirtschaftlichen Problemen der Mieter Tribut gezollt haben und Mieten teilweise sehr deutlich reduziert haben. Dies haben wir individuell im Kontakt mit den Mietern und unter Abwägung der Wirtschaftlichkeit für beide Seiten getan. So zuletzt auch zum 1. Januar 2016  beim Shop Brezel Ditsch.“ Wie kommt es dann, dass die Saarbrücker Firma Schneppendahl nach eigenen Angaben nahezu 100 Prozent ihrer Immobilien vermietet hat? Bessere Ortskenntnisse? Individuell angepasste Mietverträge? „Wir sind regelmäßig vor Ort, um mit Interessenten die freien Flächen zu besichtigen und Mietverträge anzubahnen. Ebenfalls arbeiten wir seit Jahren mit dem Maklerbüro Raber Immobilien zusammen. Dies ist ein lokaler Makler, der auf Einzelhandel und Gewerbeflächen spezialisiert ist und uns in der Vergangenheit regelmäßig Mieter vermittelt hat“, schreibt die Versorgungskammer. Vorerst aber stehen deren Läden wohl leer.