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Hinter den Film- und Retrobörsen in Saarbrücken und Völklingen steckt Daniel Igel

Filme, Gaming und mehr : Der ruhige Macher der Retrobörse

Der Saarbrücker Daniel Igel lockt mittlerweile über 1000 Menschen zu seinen Veranstaltungen nach Völklingen.

Zuerst einmal sollten wir klären, was das überhaupt ist: „retro“. Ist eine Kassette retro? Oder die Schürze von der Oma: Ist die retro? Manchmal heißt es auch „vintage“. Daniel Igel muss erst noch den Kaffee runterschlucken und die Tassen zurück auf den Tisch stellen, kann aber nicht erwarten zu antworten, was ein unterdrücktes Mm-Mm durch die geschlossenen Lippen ergibt. „Retro“, sagt der Saarbrücker schließlich, der am Eschberg wohnt, „retro heißt nicht alt, sondern in Bezug auf die Vergangenheit.“ Also wenn man zum Beispiel heute eine Lampe produziert, die aber mit ihrem Design an damals, an die Sechziger oder so, erinnert. „Vintage“, und jetzt scheint Igel sich kaum noch zu bewegen, so gelassen wie er auf jede Frage eine Antwort gibt: „Vintage heißt: Die Sachen sind alt.“

Daniel Igel muss es wissen. 2007 hat er ganz allein angefangen, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, zu denen seine Film- und – Achtung! – Retrobörsen gehören. Auch das Metalfestival „Feuerfänger“ in Neunkirchen ist von ihm. Saarbrücken war schon mal Veranstaltungsort, heute zieht es Igel aber eher nach Völklingen, weil die Hüttenstadt ihn „richtig gut unterstützt“, indem sie die Bürokratie flach hält und auch Hallen-Miet-Konditionen irgendwie retro erscheinen lässt. Das zieht. Inzwischen als selbstgegründete Eventfirma „Next Heroes – Gaming und Nerdevents“ in Person plant er mit Unterstützung seiner Freundin schon an der nächsten Retrobörse am 4. April in der Hermann-Neuberger-Halle. Das Motto wird dann Science-Fiction sein.

Die Filmbörse, auf der Igel zuletzt vor wenigen Tagen ebenfalls in Völklingen Händler empfing, die dann Filme, Sammlerfiguren und anderes verkaufen konnten, lockt immer mehr Publikum an. Rund 300 Besucher kamen diesmal in die Kulturhalle, in die an diesem Tag nur Personen über 18 Jahre reindurften, damit die Händler auch Dinge verkaufen konnten, die man in Geschäften wegen Jugendbeschränkung, also nicht einmal mehr „FSK ab 18“, nicht findet. Das macht eine solche Filmbörse aus. Ein familienfreundlicher Versuch ohne Altersbeschränkung hatte nicht funktioniert, sagt Igel.

Die Retrobörse am 4. April dagegen ist auch für Kinder geeignet. Für alle unter zwölf ist sogar der Eintritt frei. Mindestens 1300 Besucher erwartet Igel, die in der großen Halle auf Unmengen an Händlern treffen werden. Da wird es alles Erdenkliche aus der Science-Fiction geben, es werden Menschen verkleidet als Star-Wars-Figuren herumlaufen, Comics und allerhand Retrosachen werden ausliegen. Aber vor allem geht es ums Gaming. Das heißt, Computer- oder Konsolenspiele. Alte Atari-Geräte werden dort angeboten werden oder Commodore 64er, auch wenn das nach Igels Definition dann schon fast eher vintage wäre. Aber das passt, Definitionen sind so eine Sache, er will da keine Grenzen ziehen oder „sich abschotten“, wie Igel dazu sagt, der sich aufmacht, mit seiner Firma seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Dass genau das, das Davon-Leben, in Zukunft ein Problem werden könnte, glaubt er nicht. Und so drängt es sich auf, das Zukunftsgespräch mit dem Retromann, was er aber nicht sein will und genau genommen auch gar nicht ist. „Faszination dafür habe ich schon, aber“, sagt Igel, der früher gern an Papas Atari 2600 saß, „ich bin eher der Veranstaltungstyp.“ Und als solcher, als beides, glaubt er auch, dass Retro überdauern wird. „Du merkst ja auch den Bezug zur Vergangenheit in den Sachen von heute“, sagt er: „Retro wird immer parallel stattfinden.“ Auch im Computer und an der Konsole wie Playstation, Nintendo oder Wii. „Die Spielerfahrung, die du damals hattest, verlierst du in den realitätsnahen Spielen von heute. Das vermisst du dann und willst es wiederhaben.“ Und die jungen Leute, die das nicht mehr kennen? „Auch bei ihnen wird Ähnliches sein, wegen der Einfachheit und der Zugänglichkeit. Ganz oft kommen Eltern mit ihren Kindern und zeigen, wie es bei ihnen früher war“, erklärt Igel, „und die finden das dann spannend. Retro wird nicht sterben.“

Und seine Börsen, wie geht es weiter? Der Saarbrücker wird immer mehr in Richtung Convention gehen. Das bedeutet, dass er neben den Händlern immer mehr Rahmenprogramm und Interaktion bieten will. Und weitere Veranstaltungen sollen folgen. Wahrscheinlich mit E-Sport im Gaming-Bereich, was inzwischen mehr Zuschauer anzieht als ein Bundesliga-Fußballspiel.