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Elisabeth-Zilken-Haus
Hilfe für den Neustart ins Leben

Birgit Brittnacher ist die neue Leiterin des Elisabeth-Zillken-Hauses in Saarbrücken.
Birgit Brittnacher ist die neue Leiterin des Elisabeth-Zillken-Hauses in Saarbrücken. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Das Elisabeth-Zilken-Haus in Saarbrücken bietet Frauen in Not eine erste Anlaufstelle. Hier bekommen sie eine Unterkunft und Beratung. Von Anna Kathrin Marx

„Ich habe gerade einen Notfall rein bekommen“, teilt mir Birgit Brittnacher mit und fragt, ob wir das Telefoninterview zwei Stunden nach hinten, auf kurz nach 19 Uhr verlegen können. Das Engagement für ihre Arbeit erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. Seit 1. Oktober diesen Jahres leitet sie das Elisabeth-Zillken-Haus in Saarbrücken – eine stationäre Notaufnahmeeinrichtung für Frauen von Frauen. Rund um die Uhr arbeiten hier sozialpädagogische Fachkräfte hauptamtlich, um Frauen, die in eine soziale Schieflage geraten sind, eine erste Anlaufstelle und Schutz zu bieten. Das Haus grenzt sich von anderen Frauenhäusern durch ihre vielen ehrenamtlich tätigen Frauen ab. Aus ihnen besteht auch der gesamte Vorstand des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Saarbrücken.


Verfügbar sind 34 Plätze. Obdachlose Frauen, sowie Frauen aus zerrütteten Ehen, prekären Lebenssituationen und schwierigen Verhältnissen, deren finanzielle Basis weggebrochen ist, können gemäß Paragraf 67 des Sozialgesetzbuches stationär aufgenommen werden. Diese Plätze teilen sich auf in 16 Notaufnahmestellen für Mütter und Alleinstehende, ein Notfallbett, zwei Schutzstellen für Mädchen ab 14 Jahren, fünf für unbegleitete minderjährige Mädchen und zehn für seelisch kranke Frauen. Nicht vordergründig, aber oft eine Begleiterscheinung, ist die Gewalt gegenüber Frauen. Kommt es vor, dass eine aufgrund erschöpfter Kapazitäten abgewiesen werden müssen, kann und wird an andere Institutionen vermittelt.

„Es wird geschaut, was jede Frau individuell braucht“, sagt Brittnacher. Dabei ist die Aufnahme nur der erste Schritt auf dem Weg zurück in die Eigenständigkeit. Die Einrichtung bietet einen sicheren Rahmen, wo  die Lebensgestaltung neu geplant werden kann. Beratung, Therapiemöglichkeiten und eine Tagesstruktur werden begleitend an die Hand gegeben. Bei Bedarf wird auch eine Ausbildung vermittelt, dabei leistet das Jobcenter Hilfe. Wer aus seinem sozialen Gefüge herausgerissen ist, für den wird Alltägliches oft zur Belastung. Gemeinsames Kochen und feste Zeiten geben Sicherheit und unterstützen dabei, neu zu erlernen, wie man alleine besteht.



Frauen mit Drogenproblematik wird die Suchtberatung empfohlen und eine Entgiftung vorgeschlagen. „Frauen müssen die Bereitschaft haben mitzuhelfen“, sagt Brittnacher, merkt gleichzeitig an, dass viele Frauen  aufgeben, da ihnen die „Bewältigungskompetenz“ fehle. Ebenso geschieht es häufig, dass Abbrecherinnen zurückkehren und einen zweiten Versuch unternehmen. Melden diese sich erneut , so ist die „erste Hürde“ genommen und der Beweis erbracht, dass der Wille, unabhängig zu werden, besteht. Aktuell gibt es besonders viele junge Frauen, die sich in den vergangenen zwei bis drei Monaten gemeldet haben. In der Regel sind die Frauen zwischen 18 und 80 Jahre alt. 150 Frauen pro Jahr und 40 Kinder wenden sich im Schnitt an die Einrichtung. 83 Prozent kommen aus dem Saarland,  28 Prozent mit Migrationshintergrund. 2016 waren 64 Prozent der Hilfesuchenden von Wohnungslosigkeit betroffen oder es fehlte ihnen an Hilfe. 28 Prozent waren Opfer sexueller Gewalt oder Zwangsprostitution.