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Musik
Hier lernen Schüler, Musik zu komponieren

David Osorio zeigt den Schülern Paul-Martin (links) und Noah, wie man Musik und Geräusche neu mixen kann.
David Osorio zeigt den Schülern Paul-Martin (links) und Noah, wie man Musik und Geräusche neu mixen kann. FOTO: Silvia Buss
Saarbrücken. Na-young Choi, Musiklehrerin am Deutsch-Französischen Gymnasium, und der Komponist Daniel Osorio setzen auf neue Methoden. Von Silvia Buss

Wie bringt man Schülern neue und zeitgenössische Musik näher? Das ist gar nicht so einfach. Privat hörten ihre Achtklässler zwar viel elektronische Musik, doch dabei handele es sich in der Regel dann um Pop und Dancefloor, sagt Na-young Choi, Musiklehrerin am Deutsch-Französischen Gymnasium. „Wenn man Schülern dann Stockhausen vorspielt, lachen sie und sagen, was für komische Geräusche, das sei doch Musik für Kinder“, hat auch der Saarbrücker Komponist Daniel Osorio festgestellt. Zweimal pro Woche kommt er für eine Unterrichtsstunde zu Choi in die Schule, um sie bei der Vermittlung von neuer und zeitgenössischer Musik zu unterstützen.


Im Projekt „Werkstatt für elektroakustische Musik“ verbinden die beiden Theorie und Praxis. Dienstags geht es um die bekannten Komponisten wie Stockhausen, Luciano Berio und Luigi Nono und ihre Werke. Montags dürfen sich die 27 Achtkässler selbst als Komponisten versuchen.

Zuerst hat Osorio die Schüler mit dem Smartphone Klänge aufnehmen lassen. Das konnte das Miauen der Katze sein, eine Feuerwehrsirene oder auch Popmusik – eben alles, was ihnen ihm Alltag begegnet. Dann werden die Klänge auf den Schulserver hochgeladen und am Computer bearbeitet. Technisch sei das Bearbeiten relativ einfach, sagt Osorio. Die Klasse benutzt ein Gratis-Programm zur Bearbeitung von Audio-Dateien. Wie man es bediene, das hätten die Jugendlichen dann schnell raus.



Zu zweit oder zu dritt sitzen sie an diesem Morgen vor den Bildschirmen, um aus dem Material zweiminütige Kompositionen zu bauen. Im Raum ist es muxmäuschenstill, denn alle tragen dabei Kopfhörer. Lucile und Tiffanie haben eine Reihe von immer demselben Schlagzeugbeat hintereinander geschaltet, der jetzt als Frequenzbild auf dem Bildschirm flimmert, dazu einen Ton, der wie eine Sinuskurve immer an- und abschwillt. „Die Idee ist sehr gut“, lobt Osorio, der den Schülern reihum über die Schulter schaut und Tipps gibt, an welchen „Stellschrauben“ man alles drehen kann. Tempo änderen, Tonhöhe, Halleffekt darüber legen, einen Klang umkehren – die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. „Ihr solltet jetzt nur noch die Frequenzen oben und unten begrenzen, denn alles, was über 20 000 Hertz ist, kann der Mensch nicht hören“, empfiehlt Osorio den Mädchen.

An einem anderen Tisch stecken Paul-Martin und Noah die Köpfe zusammen. Die beiden haben ihre Lieblings-Popmusik als Grundlage genommen. „Aber sie zerschneiden sie und bauen sie neu zusammen, das ist sehr kreativ“, sagt Osorio. Durch die praktischen Erfahrungen im Komponieren, das hat der Komponist auch in vorherigen Workshops beobachtet, nähmen die Jugendlichen Musik –  gleich welchen Stils – hinterher anders wahr. Sie würden plötzlich Muster erkennen und kritischer hinhören.

Auch Lehrerin Na-young Choi zeigt sich begeistert von diesem etwas anderen Musikunterricht. Er fördere die kreativen Kompetenzen. Ihre Schüler, die nach der achten Klasse Musik in der Regel nicht mehr als Schulfach haben, könnten so noch einmal interessante, neue Erfahrungen machen.

Acht Unterrichtsstunden haben die Schüler Zeit, die Kompositionen fertigzustellen und auszufeilen. Im Herbst werden sie dann beim Festival für elektroakustische und visuelle Musik (Evimus), dessen künstlerischer Leiter Osorio ist, öffentlich vorgestellt. Für Osorio ist das Schulprojekt nicht zuletzt auch ein Mittel, um junges Publikum an das kleine Festival heranzuführen.