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Herr Schröder, der Deutschlehrer, der zum Comedian wurde

Interview : „Ich wollte unbedingt mal freiwilliges Publikum“

„Herr Schröder“ unterrichtet jetzt vor mehr als 30 Zuschauern. Ein Gespräch mit dem Comedian über schüchterne Schüler und Lebensträume.

Johannes Schröder ist studierter Deutschlehrer und inzwischen unter dem Bühnennamen „Herr Schröder“ mehrfach preisgekrönter Comedian. Am Mittwoch, 5. Februar, gastiert er mit seinem Programm „World of Lehrkraft – Ein Trauma geht in Erfüllung“ in der Saarbrücker Garage. Vorab hat er uns ein paar Fragen beantwortet.

Lieber Herr Schröder, mein Deutsch­­lehrer hat mich mit zweifelhaften Gedicht-Interpretationen gequält. Kabarettist ist er meines Wissens nicht geworden. Wieso war Ihr Weg von Rilke-Zerlegen auf die Kabarett-Bühne zwangsläufig?

Johannes Schröder: Nach zwölf Jahren „Leben am Korrekturrand der Gesellschaft“ wollte ich unbedingt mal freiwilliges Publikum. Und mehr als nur 30 Zuschauer. Der Schritt auf die Bühne ist übrigens nicht weit: Theater hier, Theater da. Abend für Abend hast du eine hochbegabte und hochmotivierte erste Reihe und die pädagogischen Härtefälle ganz hinten oder auf der Empore. Aber Schüler sind natürlich ehrlicher als das abendliche Publikum: Klar, applaudiert wird nicht, dafür sagen sie einem die Meinung direkt: „Bei Ihnen bin ich gar nicht eingeschlafen, Herr Schröder!“ „Das ‚öde‘ in Schröder ist kein Zufall, oder?“

Was war zuerst da? Ihre Lust am Sprachspielen oder Ihr Germanistik-Studium?

Johannes Schröder: Bevor ich laufen lernte, habe ich schon meine Eltern korrigiert: „Wegen des Dreirads, Mama, nicht wegen dem!“ Sie sagte daraufhin: „Werd’ doch Lehrer du Klugscheißer!“ Trotz des Germanistik-Studiums habe ich dann weiterhin gerne gelesen. Reclam-Hefte, weil das so intellektuell aussah. Der Reclam hat ja auch unglaublich viel geschrieben. Mehrere Regalmeter.

Waren Sie als Schüler der Klassenclown oder eher der Schüchterne aus der vierten Reihe hinten links?

Johannes Schröder: Ich war eher der ganz Schüchterne: Brustbeutel mit Plastik-Sichtfenster, Fahrradhelm angewachsen, Playmobil-Frisur. Das Schlimmste für mich war, drangenommen zu werden, obwohl ich mich nicht gemeldet hatte. Tatsächlich habe ich erst im Studium gelernt, vor Leuten zu sprechen. Aber diese Erfahrung hatte etwas Gutes: Ich habe später meine Schüler nie be- oder verurteilt, wenn sie schüchtern waren, sich später entwickelten oder irgendwie aus der Reihe tanzten. Ich wusste immer: So war ich auch.

Wie war eigentlich Ihr eigener Deutschlehrer oder Ihre -lehrerin?

Johannes Schröder: Ich hatte einen strengen Unterricht, und wir mussten die Rechtschreibung richtig pauken: Wie schreibt man Mozzarella? Wenn du es nicht weißt, musst du es halt büffeln, daher Büffel-Mozzarella. Aber, wie gesagt, alles hat etwas Gutes. Es ist schon ein Unterschied, ob du schreibst: „Hier, nimm ein Gummibärchen!“ oder „Hier nimm ein Gummi, Bärchen!“ Die Ornithologie ist wichtig.

Sie sind mittlerweile als Lehrer beurlaubt und touren mit Ihrem Comedy-Programm. Hätten Sie den Sprung in die freie Kunst auch gewagt, wenn Sie dafür einen festen Job hätten kündigen müssen und volles Risiko gehen?

Johannes Schröder: Ich denke tatsächlich: Ja! Denn ich fühlte diese unüberhörbare Aufbruchstimmung, diesen starken Wunsch, mein eigenes Projekt umzusetzen. Das ist etwas sehr Belebendes und Beglückendes. Allein die Menschen, die ich kennen lernen durfte in den letzten vier Jahren: Kabarettisten, Comedians, Autoren, Regisseure, Redakteure, Musiker, Produzenten, Freiberufler jeder Couleur, Fotografen, Schauspieler, Grafik-Designer, Marketing-Leute, Künstler-Agenten und so weiter und so weiter. Das hätte ich in der Kaffee-Küche der Helene-Fischer-Gesamtschule nicht gehabt.

Können Sie sich vorstellen, nochmal als Lehrer zu arbeiten? Wenn Sie Stoff für ein neues Programm brauchen, vielleicht?

Johannes Schröder: Das neue Programm ist in den Startlöchern,  und den Kontakt zu Schulen halte ich mir durch viele Freundschaften und Projekte. Immer wenn ich in einer Schule bin, denke ich: „Das hat schon Spaß gemacht, es gab so viel zu erleben“, aber dann sehe ich einen Stapel Deutsch-Klausuren und denke: „Alles gut so, wie es ist.“

Herr Schröder gastiert am 5. Februar, 20 Uhr, in der Garage. Karten unter anderem über www.eventim.de