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So kann’s gehen
Herbst? Irrtum ausgeschlossen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Haben Sie mal aufs Kalenderblatt geschaut? Was schließen Sie daraus? Genau: Herbst. Doch ein Blick nach draußen verwirrt mich: Bäume wie im goldenen Oktober bei Temperaturen wie im Hochsommer. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Die Verwirrung setzt sich fort. Nach dem Job zuhause angekommen, reiße ich die Balkontür sperrangelweit auf. Ein laues Lüftchen strömt noch am Abend durch die Bude – und sorgt ganz nebenbei dafür, dass sich meine Wollmäuse in einer Ecke der Wohnstube zusammenrotten, denen ich mittlerweile Namen gab. Dieses Schauspiel kenne ich eigentlich nur von den Sommermonaten her. Kann ich nur jedem empfehlen, der des Staubsaugens nach getaner Arbeit überdrüssig ist. Die flauschigen Mitbewohner lassen sich so im Handumdrehen rauswerfen.


Die nächste Verwirrung: Von draußen vernehme ich währenddessen ein mir vertrautes Geräusch, mit dem ich im Oktober nie und nimmer rechne: ein leises Zirpen der Grillen. Diese winzigen Zeitgenossen scheinen gleichfalls verwirrt, als hätten sie sich völlig in der Jahreszeit vertan.

An meiner Nachbarin zieht all diese Verwirrung spurlos vorüber. Ich sehe, wie sie unter dem Licht der Straßenlaterne vorbeischlendert. Fest eingepackt in einen Parka. Mit üppigem Fellbesatz, die Arme wie im tiefsten Winter zum Schutz vor Eiseskälte vorm Bauch verschränkt. Eine Pudelmütze tief in die Stirn gezogen. Recht hat sie,  lässt sich nicht verwirren. Denn auch ihr Kalender verrät: Es ist Herbst. Irrtum ausgeschlossen.