Porträt : Sprachkunst. Im Schönen wie im Schrecklichen

Helga Maas schreibt Gedichte seit ihrer Jugend. Ein Besuch bei der gebürtigen Königsbergerin, die in Saarbrücken lebt.

„Ich wurde in Königsberg in Ostpreußen geboren“, beginnt Helga Maas, die Saarbrücker Lyrikerin, in ihrer Wohnung am Rotenbühl zu erzählen. Königsberg war damals das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Provinz Ostpreußen. Und dort hatte ihr Vater eine Buchhandlung, war mit Dichtern und Autoren befreundet.

Nach der kriegsbedingten Flucht aus Königsberg fand ihre Familie im Harz ein neues Zuhause, bevor ihr Vater in Solingen erneut eine Buchhandlung eröffnen konnte. Und auch dort war er mit Schriftstellern befreundet. Helga Maas verbrachte Kindheit und Jugend in dieser intellektuellen Atmosphäre. „Ich erinnere mich noch gut. Ich war auf dem Gymnasium und habe mit der Taschenlampe unter der Bettdecke meine ersten Gedichte geschrieben“, sagt sie schmunzelnd.

Obwohl sie schon früh mit dem Schreiben begonnen hatte, studierte Helga Maas ab dem Jahr 1963 in Wuppertal an der pädagogischen Hochschule Psychologie und Kunsterziehung, wurde Lehrerin in Solingen. Aber nicht für lange Zeit. Denn die Liebe führte sie im Jahr 1970 häufig ins Saarland, sie hatte ihren späteren Ehemann Hartmut kennengelernt. Und eines Tages stand sie an der Schlossmauer, schaute nach St. Johann und zum Theater und dachte sich, „hier lässt es sich leben“.

Daher wechselte sie in den Schuldienst nach Neunkirchen. Es folgten Hochzeit und die Geburt der Tochter Irina, Helga Maas kümmerte sich um Familie und Haushalt. Nun begann sie auch, wieder zu schreiben, fand zur Schriftstellerei zurück, wie in ihren Schulzeiten. Die erste Veröffentlichung erfolgte im Jahr 1981. „Das war eine Anthologie, eine Sammlung literarischer Texte über die Stadt Saarbrücken. Ich hatte damals einen Text über Brücken geschrieben“, erinnert sie sich.

Das Schreiben ließ sie nicht mehr los. Seither verfasst Helga Maas Gedichte in Versform, kurze, lyrische Texte, die den Leser ansprechen, die Bilder und Erinnerungen hervorrufen. Ein Buch, auf das sie bis heute ganz besonders stolz ist, ist ihr erster Gedichtband „Jenseits der Jahreszeiten“ aus dem Jahr 1987, das professionell besprochen und sehr gelobt wurde.

Mit diesen Veröffentlichungen wurden auch saarländische Schriftsteller und Literaten auf Helga Maas aufmerksam. „Zu dieser Zeit wurden Gedichte von mir im Feuilleton der Saarbrücker Zeitung veröffentlicht“, erzählt sie. Außerdem gab es damals ein Poesietelefon Saar, wo man bei einem Anruf Gedichte hören konnte. Auch dort wurden ihre Gedichte vorgetragen.

Die Kontakte zur saarländischen Schriftstellerszene, die damals entstanden, bedeuten ihr bis heute sehr viel. „Mit einigen bin ich heute noch befreundet“, erklärt sie. Und nun hatte Helga Maas auch in der saarländischen Schriftstellerszene eine Heimat gefunden. „Es war wie in der Buchhandlung meines Vaters“, schwärmt sie. Aber Helga Maas wollte auch über die Grenzen des Saarlandes hinaus. Daher besuchte sie von 1985 bis 2006 regelmäßig Lyrikertagungen, in denen mit anderen Schriftstellern gemeinsam an Gedichten gearbeitet wurde. Auch hier entstanden wichtige Freundschaften. Bis heute steht Helga Maas mit all ihren Schriftsteller-Freunden in regem Austausch.

Seit Beginn der 1980er-Jahre veröffentlichte Helga Maas in über 50 Anthologien in verschiedenen Verlagen und diversen Literaturzeitschriften. Für ihre sensiblen, aber auch bildhaften Gedichte hat Helga Maas diverse Preise gewonnen, so gerade erst im Herbst die „Trophée J. W. von Goethe“ in Thionville. Und aktuell ist von ihr auch ein neuer Gedichtband erschienen, „Über den Wendekreis“. Darin sind Gedichte aus den letzten 25 Jahren zu finden, aber auch ganz neue.

Helga Maas schreibt darin über alle Lebensbereiche. „Ich beschreibe nicht. Lyrik ist Sprachkunst. Ich drücke meine persönlichen Empfindungen aus, im Privaten, im Öffentlichen, im Schönen wie im Schrecklichen.“ Dabei haben ihre Gedichte Substanz, ihre persönlichen Erfahrungen wie Krieg und Frieden, die verschiedenen Horizonte, die sie erlebte, und auch die Trauer um den Tod der Tochter im Jahr 2012 werden thematisiert, bewältigt und „führen über das Existentielle hinaus in die Weite ferner Landschaften“, erklärt sie.

Helga Maas „Über den Wendekreis.“ Gedichte. Wassermann Verlag, St. Ingbert.