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Sommermusik-Finale mit dem Kammerorchester Ricercare
Abschied mit Haydn und dem Werk „Verkantet, klassisch“

Das Kammerorchester Ricercare unter Leitung von Götz Hartmann(rechts) spielt das Abschlusskonzert. 
Das Kammerorchester Ricercare unter Leitung von Götz Hartmann(rechts) spielt das Abschlusskonzert.  FOTO: Astrid Karger
Die Saarbrücker Sommermusik endet am Mittwoch. Das Kammerorchester Ricerare spielt unter anderem ein Auftragswerk von Bernd Thewes. Von Stefan Uhrmacher

SAARBRÜCKEN Mitten im Spielen hielten der zweite Hornist und der erste Oboist inne, erhoben sich von den Sitzen, löschten die Kerzen an ihren Notenpulten und verließen das Podium. Ein paar Takte später tat der Fagottist das gleiche, bald folgten der erste Hornist, zweite Oboist, Cellist, Kontrabassist und so weiter. Als letzte des Orchesters räumten die Geiger ihre Plätze – und im Saal war es finster und still.


So soll es sich anno 1772 im burgenländischen Schloss Esterházy zugetragen haben, beim Schluss-Adagio von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 45 fis-Moll am Tag der Uraufführung. Mit diesem sanften Protest, so die Geschichte, wollten Haydn und seine Orchestermannen ihren Arbeitgeber, den Fürsten Esterházy, an den wohlverdienten Urlaub erinnern.

Haydns „Abschiedssinfonie“, wie sie erst später genannt wurde, zeitigte offenbar Erfolg: Bereits tags darauf entließ der Fürst die Musiker nach Hause zu ihren Familien.



Immer wieder gern wird jener berühmte Exodus seither bei dieser Sinfonie der Premiere entsprechend live inszeniert, so auch nun zum Konzert-Finale der Saarbrücker Sommermusik 2018.

Am Mittwoch, 3. Oktober, 17 Uhr lässt sich traditionsgemäß das Kammerorchester Ricercare unter Leitung von Götz Hartmann im großen Sendesaal des Funkhauses Halberg hören. In der auslaufenden Saison des Saarbrücker Festivals stand die klassische Musikepoche im Blickpunkt: Da habe er für den Abschluss sogleich an eine Haydn-Sinfonie gedacht, erzählt Dirigent Götz Hartmann. Und der Sommermusik-Chef Thomas Altpeter habe spontan die beliebte „Abschiedssinfonie“ vorgeschlagen. Ein idealer Festival-Ausklang.

Zuvor wird zudem Wolfgang Amadeus Mozarts G-Dur-Klavierkonzert KV 453 den Sommermusik-Kehraus veredeln helfen. Als Solistin hat sich die gebürtige Südkoreanerin Jung Eun Kim angesagt. Die in Seoul, Karlsruhe und Marseille ausgebildete Pianistin musiziert auf internationalen Bühnen, so in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den USA. Mehrfach war Jung Eun Kim bereits bei der Sommermusik zu Gast. „Ich bin gespannt, wie sie dieses wunderbare Mozart-Konzert spielt“, sagt Götz Hartmann im Vorfeld der Proben.

Gleichfalls kein Neuling auf der Teilnehmer-Liste des Festivals ist der in Mainz lebende saarländische Komponist Bernd Thewes; er ist übrigens der ältere Bruder des allgegenwärtigen Jazzers Christof Thewes.

„Verkantet, klassisch“ heißt das Bernd-Thewes-Opus, das am Mittwoch seine Jungfernfahrt erleben wird. „Das Stück ist eine große instrumentale Herausforderung“, sagt Götz Hartmann: Ursprünglich habe Bernd Thewes hier „ein speziell präpariertes Klavier“ einsetzen wollen, diese Idee dann jedoch „aus technischen Gründen fallen lassen“. „Dafür ist eine Keyboard-Aufnahme integriert, was für mich bedeutet, mit Clicktrack zu dirigieren“, erläutert Hartmann. Ein Clicktrack ist eine Art elektronisches Metronom; es soll in diesem Fall die live aufgeführte Orchestermusik mit der fertigen Keyboard-Einspielung synchronisieren helfen.

Strukturell sei das Auftragswerk „Verkantet, klassisch“ ein „echt klassisches Orchesterstück, normal notiert, mit Wechseln zwischen den Instrumentalgruppen und in verschiedene satzartige Abschnitte eingeteilt“, sagt Götz Hartmann.

Und etwas kryptisch lässt der Ricercare-Häuptling durchblicken, dass das feierliche Sommermusik-Finale noch eine weitere Spezialität parat hält: „Für die Aufführung haben wir uns neben der bekannten Abschiedsszenerie noch eine Überraschung ausgedacht, die bei den Besuchern einen besonderen Eindruck hinterlassen wird.“

Konzert am Mittwoch, 3. Oktober, 17 Uhr, Funkhaus Halberg. Der Eintritt ist frei.
www.saarbruecken.de/
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