Hannah Ley: Als Drehbuch-Autorin und Schauspielerin erfolgreich

Saarbrücker Schauspielschule : Das Multitalent mit dem Grimme-Preis

Sie ist erfolgreich als Schauspielerin und Drehbuchautorin und sie malt auch noch gut: Hannah Ley hat in Saarbrücken studiert und danach eine schöne Karriere gemacht.

Die Frau ist ein echtes Multitalent. Neben ihrer Karriere als Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen ist Hannah Schröder seit einigen Jahren unter ihrem „angeheirateten“ Namen Hannah Ley auch als Drehbuchautorin sehr erfolgreich. Für das Drehbuch zum Doku-Drama „Eine mörderische Entscheidung“ über jenen Luftangriff der deutschen Bundeswehr im afghanischen Kunduz, bei dem 2009 viele unschuldige Zivilisten und Kinder getötet wurden, erhielt Hannah Ley 2014 den begehrten Grimme-Preis.

Dem nicht genug. Zeichnen kann Ley auch noch, zeichnete etwa zwei Spielzeiten lang alle Theaterplakate des Staatstheaters Kassel. „Ich wollte eigentlich immer Malerei studieren, habe mich dann doch für die Schauspielschule entschieden, das war für mich damals die größere Herausforderung“, erzählt die heute 49-Jährige im Gespräch mit der SZ.

So landete sie 1991 in Saarbrücken, „weil das einer der ersten Vorsprechtermine war und ich auch gleich angenommen wurde“. Mit zwei Kommilitonen, darunter Ole Puppe, teilte sie sich eine WG-Wohnung in der Bismarckstraße, gleich gegenüber der damaligen Hochschule für Musik und Theater und über einem Schwulen- und Lesbencafé.

Saarbrücken empfand Hannah Ley als eine sehr lebenslustige Stadt. Wenn man morgens um vier beim Bäcker klopfte, bekam man schon frische Croissants, während die Prostituierten nach ihren letzten Kunden spähten. Das hatte die aus der schleswig-holsteinischen Provinz kommende Frau zuvor noch nicht erlebt.

In der Schauspielschule, damals im ersten Jahrgang unter Leitung von Detlef Jacobsen, hielt sich Ley eher an die jüngeren Dozenten wie Regisseur Eberhard Köhler. „Wir haben uns damals dafür eingesetzt, dass er unterrichten darf, und ich arbeite noch heute mit ihm zusammen“, sagt sie. Als großes Plus erlebte Ley die enge Anbindung der Schauspielschule ans Staatstheater.

Schon im letzten Schuljahr trat Ley parallel im Staatstheater und am Stadttheater Augsburg auf, wo sie sich mit einem Comic um einen Vorsprechtermin beworben hatte. Nach dem Abschluss folgte sofort ein Festengagement im Staatstheater Kassel, an dem man sie nicht nur große Rollen spielen ließ, sondern bald auch als Zeichnerin schätzte. Doch nicht nur hier war Ley als Schauspielerin begehrt, auch am Theater Essen, das sie 1999 abwarb und überredete, vorab schon zwischen Auftritten in Kassel und Essen zu pendeln.

Nach zehn Jahren hatte Ley dann aber genug von Festengagements. „Ich habe gemerkt, dass mich die Machtverhältnisse an Theatern doch sehr störten, sie sind ein sehr undemokratischer Betrieb – kleine Königreiche“, sagt sie. „Man kann nur hoffen, dass sich etwas verändert, nicht zuletzt durch die Metoo-Debatte“.

Ley kündigte, zog nach Berlin, übernahm nur noch Gastengagements und fing an zu drehen. Sie bekam attraktive Rollen wie die der Sicherheitschefin in der ZDF-Serie „Kanzleramt“ und die der Titelfigur im ARD-Justizirrtums-Film „Mord beim Ave Maria – Das Leben der Eva Maria Mariotti“ – bei dem Raymond Ley Regie führte.

Der Regisseur und die Schauspielerin wurden ein Paar. Hannah Ley wirkte in den Arbeiten des Spezialisten für zeitgeschichtliche Filme fortan nicht nur vor der Kamera mit, sie begleitete seine Arbeit auch zunehmend als Drehbuchautorin. „Wir ergänzen uns da gut, es ist eine wirklich gleichberechtigte Zusammenarbeit. Ich konnte mir als Drehbuchautorin so ein zweites Standbein erarbeiten“, sagt Hannah Ley zufrieden.

Doch sie steht auch noch auf der Bühne: Ende des Monats hat sie Premiere mit einem Stück von Franz Werfel in Berlin. Dort lebt sie auch mit ihrem Mann und ihren Kindern.

Hannah Ley in frühen Jahren, damals hieß sie noch Schröder. Foto: Ley
Hannah Ley spielt Theater und macht Filme. Hier eine Szene aus dem Film „Die Kinder von Blankenese“. Foto: Marion von der Mehden

In ihrem neuen Filmprojekt geht es sogar ums Saarland: der Journalist Konrad Heiden (1901-1966), der als NS-Gegner schon 1934 eine kritische Hitler-Biografie verfasste, kämpfte hier gegen den Wiederanschluss des Saargebiets an NS-Deutschland. Bis zur letzten Minute habe er versucht Überzeugungsarbeit zu leisten. Erst als sich das Saarland für Hitler entschieden hatte, floh Konrad Heiden über Lissabon Richtung USA, erzählt Hannah Ley.

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