| 21:05 Uhr

Vereine
Hallengebühren steigen erst ab April

Der Stadtverordnete Peter Strobel (CDU, links) hat für ein Novum gesorgt: Mit dem Fraktionschef der CDU saß zum ersten Mal ein amtierender Minister im Stadtrat. Hier sitzt Strobel neben Sascha Zehner.
Der Stadtverordnete Peter Strobel (CDU, links) hat für ein Novum gesorgt: Mit dem Fraktionschef der CDU saß zum ersten Mal ein amtierender Minister im Stadtrat. Hier sitzt Strobel neben Sascha Zehner. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Stadtrat schiebt Erhöhung um einen weiteren Monat auf. Mehr Geld gibt es für die Jugendförderung im Sport. Von Andreas Lang

Der Saarbrücker Stadtrat hat mit den Stimmen der SPD, der Grünen und der Linken die oft kritisierte Anpassung der Hallengebühren um einen weiteren Monat nach hinten geschoben. Wie im Dezember beschlossen, sollten die höheren Benutzungsentgelte bereits zum Jahresanfang wirksam werden. Nach heftigem Aufschrei der betroffenen Vereine und der folgenden Diskussion verschob der Rat im Februar die Anpassung auf den 1. März. Bei der jüngsten Sitzung in der Congresshalle dann die nächste Korrektur. Demnach wird die Anpassung auf den Quartalsbeginn verschoben und erfolgt somit erst im April.


Vorausgegangen war ein Treffen der Verwaltung mit Vereinsvertretern des Turnerbundes St. Johann (TBS), ATSV (Alt-Saarbrücker Turn- und Sportverein), den Turnvereinen TV Altenkessel, TV Scheidt, TuS St. Arnual, Güdingen, dem Schwimmverein SV Malstatt-Burbach und der Karnevalsgesellschaft „M‘r sin nit so“. Dabei war auch die jetzt beschlossene Verschiebung der Anpassung ein Thema. Diese komme den Abrechnungs-Abläufen sowohl auf Seiten der Vereine als auch auf Seiten der Verwaltung entgegen und bedeute gleichzeitig ein weiteres Entgegenkommen im Bereich der Hallengebühren. Denn die zusätzliche Belastung der Vereine liege in diesem Jahr zunächst dann nur auf acht Prozent und werde erst ab 2019 voll wirksam. Ursprünglich geplant waren für die Stadt Mehreinnahmen von zirka 28 400 Euro für ein ganzes Jahr. Durch das Aufschieben fallen pro Monat wieder 2360 Euro weg. Dadurch, dass die Anpassung erst zum 1. April greift, fehlen der Stadt somit die geplanten Einnahmen für ein komplettes Quartal. In Zahlen sind das fast 7080 Euro.

Thorsten Reif, Fraktionsvorsitzender der Grünen, verteidigte die höheren Gebühren: „Die Beiträge wurden zuvor lange nicht erhöht.“ Ebenso Mirco Bertucci, neuer Fraktionschef der SPD: „Alles wird teurer, das wissen wir, auch wenn die Opposition ihre Augen davor verschließt.“ Die CDU-Fraktion ist da anderer Meinung. Fraktionsmitglied Gerd Hirschmann: „Wir waren vorher dagegen und bleiben konsequent beim Nein.“ Auch die Freien Demokraten wenden sich weiterhin gegen die Erhöhung der Gebühren. „Die FDP hat bereits im Dezember die Ratsfraktion und die Verwaltung dazu aufgefordert, in der Verwaltung zu sparen, um eine Anheben der Hallengebühren verhindern zu können“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Tobias Raab. Der jetzt getroffene Kompromiss ginge zwar in die richtige Richtung. Allerdings würden die Mittel ungleich verteilt, und Vereine, die keine Jugendarbeit betreiben, „vollkommen ausgenommen“.

Mit Kompromiss spricht die FDP an, dass der Stadtrat in seiner Sitzung beschlossen hat, dass im Gegenzug zur Erhöhung der Gebühren auch die Förderung der Jugendarbeit in den Vereinen steigen soll – und zwar um 15 Prozent im laufenden Jahr und weitere fünf Prozent im kommenden Jahr. 2018 werden 7,28 Euro pro Jugendlichem gezahlt. Das Geld für die erhöhte Förderung will die Verwaltung einsparen, indem sie auf einen Saarbrücken-Triathlon verzichtet.

Neben der FDP kritisiert auch die CDU den Ratsbeschluss um die Jugendförderung. „Davon profitieren nur sporttreibende Vereine“, erklärt Gerd Hirschmann. Karnevalsvereine etwa blieben außen vor. Die Grünen üben scharfe Kritik an der Opposition, die höhere Förderung der Jugendarbeit abgelehnt zu haben. Diese sei sehr wichtig, damit Vereine auf lange Sicht erfolgreich sind. „Mit dem Beschluss erfüllen wir also einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag“, sagt Torsten Reif.



Für ein Novum in der Stadtratssitzung sorgte Christdemokrat Peter Strobel. Der gehört nämlich als Finanzminister dem Kabinett des neuen saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans an. Somit saß erstmals ein amtierender Minister im Saarbrücker Stadtrat. Strobel sagte vor der Sitzung auf SZ-Anfrage, er werde als Minister den Fraktionsvorsitz abgeben. Bis zur Sommerpause werde die Nachfolge geklärt. Bis zu diesem Sommer werde außerdem klar sein, wer für die Christdemokraten bei der Saarbrücker Oberbürgermeisterwahl ins Rennen gehen wird.