Schotten dicht in Güdingen

Der Bootstourismus im Herbst ruht ohnehin, und so konnte das Wasser- und Schifffahrtsamt an der denkmalgeschützten Güdinger Schleuse eine wichtige Teilsanierung vornehmen, die dieser Tage abgeschlossen wird. Sogar ein Deichbauer aus Hamburg war beteiligt.

 Karl-Heinz Rathey an einer der erneuerten Verschlussschienen. Foto: Becker&Bredel
Karl-Heinz Rathey an einer der erneuerten Verschlussschienen. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel

Im Saarland wird wohl eher selten ein Deich verlangt, aber wenn er denn hilft... So war in den letzten drei Wochen der Hamburger Unternehmer Walter Wagenhuber mit seiner Firma Mobildeich.de an der Schleuse Güdingen gefragt. Üblicherweise ruft man den Experten bei Hochwasser, hier ging es darum, mit dem von Wagenhuber erfundenen wassergefüllten Schlauchdeich vorübergehend und zuverlässig die Schleuse trocken zu halten, also vom Wasser der Saar abzuschneiden. Man ersparte sich dadurch das Aufschütten eines Dammes aus Baumaterial.

Diese Trockenlegung mit anschließendem Leerpumpen war die Voraussetzung, um an beiden Enden der Schleuse - man spricht von Oberhaupt (zur Mündung zu) und Unterhaupt - die jeweils zwei so genannten Revisionsverschlussnischen der Schleuse zu sanieren. Es handelt sich dabei um die Führungsschienen, in die bei Bedarf "Verschlusstafeln" eingesetzt werden. Man kann laienhaft auch Schott dazu sagen. Wenn man also, um im Bild zu bleiben, vorn und hinten die Schotten vor der Schleuse schließen will, etwa um ohne großen Aufwand an ihr zu arbeiten, müssen diese vorgefertigten und stets bereit liegenden Schotten mit dem Kran passgenau von oben in besagte Nischen eingesetzt werden können. Wie Diplom-Ingenieurin Elisabeth Richrath vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt in Saarbrücken schilderte, sei eben das nicht mehr gewährleistet gewesen. Die in ihren Ursprüngen aus dem Jahr 1863 stammenden, zigfach ertüchtigten steinernen Führungen waren nicht mehr stabil genug, und nun bewehrte man sie mit Stahl, "um das ganze System zu stabilisieren".

Für die Männer der beauftragten Betonsanierungs-Firma Krächan aus Uchtelfangen war die Aufgabe grundsätzlich Routine, wiewohl es immer Respekt erfordere, hinter einer 2,2 Meter hohen Wasserwand zu arbeiten, so Bauleiter Sascha Hauer. Hinzu kam der Denkmalschutz , das heißt, es ging nicht nur um technische Korrektheit, sondern auch sozusagen um historische Wahrheit beim Aussehen. So dürfe man etwa in der Nische keine Schweißpunkte erkennen, schilderte Mitarbeiter Karl-Heinz Rathey den erhöhten Aufwand. Wie Sachbereichsleiterin Elisabeth Richrath sagte, habe man die insgesamt etwa 100 000 Euro teuren planmäßigen Arbeiten bewusst in den Herbst gelegt, um den Bootstourismus auf der Saar so wenig wie möglich zu stören. Bereits im nächsten Herbst sei dann mit weiteren Arbeiten zu rechnen, nämlich mit der eigentlichen Sanierung der Schleuse und ihrem Umbau zur Selbstbedienungsschleuse. Das lange politisch auf der Kippe stehende Projekt ist genehmigt. Die jetzigen Arbeiten waren sozusagen nur der Vorgriff darauf.