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Heimatforscher tritt jetzt kürzer

Güdingen. Die Güdinger Geschichte ist das Steckenpferd des ehemaligen Lehrers Oskar Schley. Doch ganz so wie bisher kann er sich nicht mehr ins Vereinsleben und die ehrenamtliche Arbeit für seinen Heimatort reinknien. Andreas Lang

Die Mitglieder der Güdinger Hermann-Diehl-Stifung befassen sich im Güdinger Gemeindezentrum mit dem Ortskalender für das kommende Jahr. Sie möchten ihn traditionsreichen Lokalen aus dem Grenzland-Stadtteil widmen. "Schäfersch Irm" ist voraussichtlich eines der Kalenderthemen. Und damit geht es auch um den Billardtisch, den die Wirtin für viel Geld ins Lokal geholt hatte. Auch geht es um den Billardverein, der sich daraufhin gegründet und nach dem Tod der Wirtin aufgelöst hat. Das wird wahrscheinlich eine der Schmökergeschichten auf den Kalenderblättern. Oskar Schley hat ebenfalls etwas beizutragen. Er ist Ehrenvorsitzender der Stiftung und seit fast 43 Jahren dabei.


Doch die Stimmung in dieser Versammlung ist getrübt. Denn Schley hat seinen Abschied angekündigt. "Das tut mir unendlich Leid", sagt der Vorsitzende Klaus Lösch, als es dann so weit ist. Doch der Entschluss des 83-Jährigen steht. Die Gesundheit lasse ein solches Engagement nicht mehr im gewohnten Rahmen zu, außerdem wolle er mehr mit Ehefrau und Enkel unternehmen.

"Wenn es mir keinen Spaß gemacht hätte, hätte ich es nicht so lange gemacht", sagt das Stiftungs-Gründungsmitglied zum Abschied. Der ehemalige Ortsvorsteher war damals in die Bresche gesprungen, als sein Vorgänger Willi Steuer plötzlich starb. Steuer war wie auch Namensgeber Diehl Ehrenvorsitzender.

Die Güdinger Geschichte ist das Steckenpferd des ehemaligen Dorfschullehrers, und er hat sich mit Publikationen einen Namen gemacht. Zuletzt hat er ein Büchlein über die Evakuierungen des Stadtteils erarbeitet, zur Güdinger 750-Jahr-Feier hat er die Festrede gehalten. Und sich dabei überzeugt gezeigt, dass Güdingen eigentlich doppelt so alt sei.

Und so schätzt sich die Stiftung glücklich, dass sie nicht ganz auf das Wissen Schleys verzichten muss. Damit erfüllt sich dann doch die leise Hoffnung des Vorsitzenden Lösch. Denn Schley kündigt an: "Ich helfe gerne weiter mit, wenn ich zu einem Thema, das ihr bearbeitet, etwas beitragen kann. Aber ich will mich nicht mehr auf so viele Termine festlegen lassen."