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Fußball
Ein Spiel, das für eine unruhige Nacht sorgt

Thorsten Braun liebt den Fußball, Mathematik und Physik. Der Schiedsrichter ist Lehrer am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium.
Thorsten Braun liebt den Fußball, Mathematik und Physik. Der Schiedsrichter ist Lehrer am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium. FOTO: Andreas Schlichter
Güdingen. Thorsten Braun hat sein Ziel erreicht. Er wollte in der Regionalliga Spiele leiten. Mittlerweile geht der 31-Jährige dort in seine siebte Saison. Von Patric Cordier

„Wenn ich als kleiner Junge in Güdingen am Sportplatz stand und es kam zu einem Spiel kein Schiedsrichter, dann habe ich immer gehofft, dass sie mich fragen, ob ich pfeiffen möchte“, erinnert sich Thorsten Braun. Heute ist der Güdinger einer der besten saarländischen Schiedsrichter. Er erzählt: „Weil ich gemerkt habe, dass ich als Fußballer selbst limitiert war, habe ich die Schiedsrichter-Prüfung gemacht.“ Der Lehrer für Mathematik und Physik am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium in Saarbrücken pfeifft in der siebten Saison in der Fußball-Regionalliga. „Die Regionalliga war mein Ziel. Ich weiß, dass meine Zeit endlich ist und es nicht noch weitere sieben Jahre geben wird“, sagt der 31-Jährige im Hinblick auf die Altersregularien im Schiedsrichter-Wesen: „Ich habe von diesem System auch profitiert. Und die Tür zur 3. Liga ist für mich ja noch nicht zu – sie steht nur nicht unbedingt sperrangelweit offen. Am Ende sollte man aber stolz sein auf das, was man erreicht hat und nicht neidisch sein auf das, was man eben nicht erreicht hat.“


Braun gilt als kumpelhafter Typ. „Ich verstelle mich nicht, weder auf dem Sportplatz noch in der Schule. Dabei ist die Hemmschwelle eines Schülers höher als die eines Spielers. Irgendwann musst du dann in den bestimmenden Modus umschalten.“ Berufswahl und Hobby zeigen, dass Braun gerne mit Menschen zu tun hat. Er betont den Stellenwert von Familie und Freunden für die eigene Leistung. Freundin Jesica fängt ihn auf, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist. „Wer in der Sonne stehen möchte, muss auch den Schatten in Kauf nehmen. Als Schiedsrichter ist man ohnehin selbst sein schärfster Kritiker.“

Viel Kritik gab es für Braun nach einem Spiel, dass dennoch – neben seinem Einsatz als Linienrichter im DFB-Pokalspiel Dynamo Dresden gegen VfL Bochum – zu den Höhepunkten seiner Laufbahn zählt. Es ist das diesjährige Saarlandpokal-Finale zwischen den Regionalligisten SV Elversberg und dem 1. FC Saarbrücken (1:0). Eine schwere Gesichtsverletzung von FCS-Torwart Ricco Cymer. Eckball oder Foulelfmeter kurz vor Ende. Rudelbildung und Spielunterbrechung. Es war eine Partie mit jeder Menge Gesprächsstoff. „Ich hatte danach keine ruhige Nacht“, berichtet Braun. Er ergänzt: „Doch die Fernsehbilder belegten, dass die Entscheidungen richtig waren. Aber die Außenwirkung war sicher nicht optimal.“ Gerade, dass er Eckball anzeigte, sich nach Rücksprache mit den Assistenten aber dann für Strafstoß für die Saarbrücker entschied, war im Stadion nicht nachvollziehbar. Dass die Partie in dem Moment wegen einer offenen Tür zum FCS-Fanblock unterbrochen war, machte die Irritation komplett.



Wie groß das Interesse an diesem Spiel und der Schiedsrichter-Leistung war, erfuhr Braun anschließend in der Schule. „Kollegen und Schüler hatten viel Verständnis, dennoch war es irgendwie ruhig, wenn ich auf dem Flur vorbeikam“, erzählt der Lehrer: „Ich habe dann eine Physikstunde drangegeben und mich den Fragen der Schüler gestellt.“ Stehenbleiben und nicht wegducken, entscheiden und nicht hinnehmen – positive Wesensmerkmale, die nicht nur einem Schiedsrichter gut zu Gesicht stehen. Oder wie Braun sagt: „Schiedsrichterei ist für die Charakterbildung eine herausragende Sache.“