Ein Blick hinter die Opern-Kulisse

Saarbrücken · Welcher Komponist steckt hinter dem „fliegenden Holländer“ und worum geht es in dieser Oper? Das und noch viel mehr erfuhren 24 Achtklässler aus Güdingen bei einem besonderen Besuch im Staatstheater.

 Die Schüler erlebten Hiroshi Matsui (von links), Olafur Sigurdarson und János Ocsovai auf der Bühne. Fotos: Björn Hickmann/Stage Picture (2)

Die Schüler erlebten Hiroshi Matsui (von links), Olafur Sigurdarson und János Ocsovai auf der Bühne. Fotos: Björn Hickmann/Stage Picture (2)

Es ist kurz nach neun Uhr an einem Donnerstag noch vor Weihnachten. 24 Schüler der Klassen acht der Gemeinschaftsschule in Saarbrücken-Güdingen und ihre Klassenlehrerin Elke Dantin werden im Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken empfangen und in einen großen Raum geleitet. Die Klasse hat die Patenschaft für die Aufführung der Oper "Der fliegende Holländer" von Richard Wagner im Staatstheater Saarbrücken beantragt. Vor einer großen Leinwand sitzen nun die Schülerinnen und Schüler der Klasse acht, alle 13 oder 14 Jahre alt, und wollen wissen, wer Richard Wagner , der Komponist, der Lebemann, der Exzentriker, der Mann, der als das größte Musikgenie des 19. Jahrhunderts gilt, wirklich war, und wie die Handlung von "Der fliegende Holländer" ist.

Neben der Leinwand steht Eva Binkle. Sie ist Musiktheaterpädagogin. Ihre Aufgabe ist es, der Klasse zu erklären, wer Wagner war. Und wie und wann er die Oper "Der fliegende Holländer" komponiert hat, und wann sie das erste Mal aufgeführt wurde.

Wer Richard Wagner war, erklärt sie zunächst mit Daten und Fakten: "Geboren wurde er 1813 in Leipzig. Er starb in Venedig, 70 Jahre später, am 13. Februar 1883." Sie erzählt, dass er Komponist, Dirigent, Regisseur, aber auch Dichter und Schriftsteller war, die Bayreuther Festspiele gründete, die seitdem jedes Jahr stattfinden und ein großes musikalisches und gesellschaftliches Ereignis sind. Sie zählt die Opern auf, die er geschrieben und komponiert hat, insgesamt sind es 17. Eine Schülerin fragt: "Was ist an ‚Der fliegende Holländer' so besonders?" Eva Binkle: "Die Handlung orientiert sich an der Geschichte des niederländischen Kapitäns Bernard Fokke. Ihm gelang es nach der Sage - anders als vielen anderen Seefahrern - nicht, das Kap der Guten Hoffnung zu umfahren. Er war seitdem dazu verdammt, mit seinem Schiff auf den Weltmeeren zu kreuzen. Richard Wagner war wie das Schiff immer irgendwie auf der Flucht. Er floh vor seinen Gläubigern. Er war ständig pleite." In der Inhaltsbeschreibung steht: "Der notorisch verschuldete Wagner musste vor Gläubigern fliehen und begibt sich auf eine stürmische Seereise. Er flieht von Riga nach London."

Wie geht es in der Oper weiter? "Der fliegende Holländer, der über die Meere irrt und nie sein Ziel erreicht, trifft auf Daland, den Vater von Senta. Daland ist durch die angesammelten Schätze des fliegenden Holländers an Bord seines Schiffes geblendet. Er verspricht ihm die Hand seiner Tochter Senta. Sie gelobt dem fliegenden Holländer Treue bis in den Tod. Doch da ist noch Erik, Sentas Verlobter. An seiner Eifersucht zerbricht die Beziehung. Der Holländer segelt davon. Senta stürzt sich in den Tod." Die Oper wurde in ihrer Urfassung 1841 vollendet und am 2. Januar 1843 am Königlichen Hoftheater in Dresden uraufgeführt." Soweit die Vorgeschichte. Die Schüler der Patenschaftsklasse aus Güdingen haben Eva Binkle über zwei Stunden aufmerksam zugehört. Auf der Leinwand wurden Aufnahmen aus der Aufführung in Saarbrücken gezeigt, auch Hintergründe der Aufführung erläutert. Nun dürfen die Schülerpaten: "Was verdient ein Starsolist?" Eva Binkle sagt knapp: "Weiß ich nicht genau, vermutlich fünfstellig. Die nächste Frage bitte!" Eine Schülerin will wissen: "Was ist ein Mezzosopran?" Eva Binkle: "Halb hohe Sopranstimme." Frage: "Gab es schon mehrere Patenschaften von Schulklassen?" "Ja, schon sechs. Eine war für die Oper ,Tosca' des italienischen Komponisten Giacomo Puccini . Eine weitere für die Oper ,Die Gärtnerin aus Liebe' von Wolfgang Amadeus Mozart ." Zweieinhalb Stunden sind wie im Flug vergangen.

Eine Woche später ist die Aufführung. Die Klasse hat Karten für den zweiten Rang in der zweiten Reihe, also oben im zweiten Stock. Jede Karte hat acht Euro gekostet. Das Orchester spielt dramatisch die Ouvertüre. Man hört förmlich das windgepeitschte Meer, durch das seit Jahrhunderten das verdammte Schiff des "fliegenden Holländers" segelt. Die Solisten und der Chor singen die Texte, die über der Bühne im Wortlaut eingeblendet sind. Der letzte Akt, in dem sich Senta in den Tod stürzt, nimmt viele emotional mit. Die dramatische Melodie von "Steuermann lass die Wach!" ist ein Ohrwurm. Stürmischer Applaus. Sechs Aufzüge . . .

Ich frage die Schüler und Schülerinnen: "Wie hat es Euch gefallen?" Svenja: "Es war sehr schön." Chiara: "Schön. Auch das Bühnenbild war toll." Elena: "Eine sehr schöne Erfahrung." Patrick meint: "Es war am Anfang langweilig, gegen Ende aber war es schön." Tim: "Es war emotional und schön gesungen." Lehrerin Elke Dantin sagt: "Der fliegende Holländer ist ein gutes Einführungsstück in die Welt der Oper ."

 Die Schüler trafen den Holländer (Olafur Sigurdarson, vorne), Senta (Josefine Weber, 2. v. r.), Mary (Judith Braun, hinten Bildmitte) und den Steuermann (János Ocsovai, hinten 3. v. l.). Foto: Maurer

Die Schüler trafen den Holländer (Olafur Sigurdarson, vorne), Senta (Josefine Weber, 2. v. r.), Mary (Judith Braun, hinten Bildmitte) und den Steuermann (János Ocsovai, hinten 3. v. l.). Foto: Maurer

Foto: Maurer
 Starke Stimmen: Timothy Richards und Josefine Weber.

Starke Stimmen: Timothy Richards und Josefine Weber.

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HintergrundDie Musikpädagogin Eva Binkle bietet als neues Angebot des Staatstheaters Patenklassen für Inszenierungen an. Schulklassen begleiten eine Theaterproduktion vom Beginn der Proben bis zur Premiere. Dazu gehören drei bis vier Termine, in denen die Klassen das Haus kennenlernen, in das Werk eingeführt werden, an einem szenisch-musikalischen Workshop und Proben teilnehmen und mit Beteiligten wie Sängern, Musikern, Dirigenten, Dramaturgen und Regisseuren sprechen können. In der Regel folgen ein Vorstellungsbesuch und ein Nachgespräch, in dem die Eindrücke aus dem Opernabend diskutiert werden können.Es stehen noch einige Termine für Patenschaften in der laufenden Spielzeit an: Nikolai Rimski-Korsakow: "Der goldene Hahn, ab neunte Klasse - Anmeldefrist: 23. Januar; Frank Nimsgern : Paradise of Pain, ab zehnte Klasse - Anmeldefrist: 6. März; Giuseppe Verdi : Ein Maskenball, ab siebteKlasse - Anmeldefrist: 20. März. Anmeldung bei Eva Binkle unter Telefon (06 81) 3 09 22 48 oder per E-Mail TPZMusik@theater-saarbruecken.de. red

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