Das große „Wir-Gefühl“

32 000 Euro Jagdpacht kommen jährlich in Saarbrücken zusammen. Mit dem Geld werden Bienen unterstützt, Wege instand gesetzt und Bänke gebaut. In Güdingen wurde eine große Maschine zur Landschaftspflege beschafft.

Der Name "Shark", zu Deutsch "Hai", deutet schon darauf hin, dass diese kraftstrotzende Maschine eine Menge wegfrisst. Der Mulcher und Mäher, der am Traktor von Landwirtin Claudia Maurer aus Saarbrücken-Güdingen seinen Dienst verrichtet, gehört nicht etwa dem bäuerlichen Betrieb oder einer Landschaftsgärtnerei, sondern der Jagdgenossenschaft Güdingen . In ihr sind alle diejenigen Mitglied, deren Flächen zum Jagdbezirk gehören, also prinzipiell bejagbar sind. Das Gerät im Wert von etwa 10 000 Euro wurde angeschafft, um Wegeränder frei und Hecken im Zaum zu halten sowie um Flächen zu pflegen oder vor dem Verwuchern zu bewahren. Es macht den Jägern die Wege zur Jagd frei und nutzt in erheblichem Maß auch der Allgemeinheit. Es gebe, anders als früher, kaum noch Jagdgenossen, die ihre Grundstücke pflegten, deshalb sei diese Anschaffung sehr sinnvoll gewesen, berichtet Claudia Maurer. Der "Shark" werde übrigens nicht verliehen, sondern bleibe schön an seinem Güdinger Traktor, damit er nur lange Dienst tue.

Im vergangenen Jahr haben die Jäger in Saarbrücken knapp 32 000 Euro Pacht an die insgesamt neun Jagdgenossenschaften auf Saarbrücker Stadtgebiet bezahlt. Anders als vielerorts, wo dieses Geld an die Grundstückseigner verteilt wird (oft kommen nur Kleinstbeträge zusammen), fließt es in der Landeshauptstadt zurück in die Gemarkungen und nicht in die Geldbeutel der Grundbesitzer. Die Güdinger Genossen, denen im Jahr etwa 2400 Euro Pacht zufließen, haben einige Jahre sparen müssen, ehe sie sich den "Hai" zulegen konnten.

Stefan Weiter vom Amt für Stadtgrün und Friedhöfe (das die Geschäfte für die neun Genossenschaften besorgt), ist begeistert, mit wie viel Bedacht und Wirkung die Gelder eingesetzt werden, sei es für Bienenförderung durch "Bienenhotels" oder Blumenwiesen-Saatgut, für Wegebau in Feld, Flur und Wald oder für die Anschaffung von Bänken und Tischen für Wanderer. Nach dem Gefühl von Henning Krohne, Forstwirtschaftsmeister beim Städtischen Forstamt und Jäger in Dudweiler, hat sich in Saarbrücken ein "Wir-Gefühl" zwischen Grundeigentümern, also der Bevölkerung, und den Jagdausübenden entwickelt. Gerade in städtischen Bereichen sei solch ein intaktes Miteinander nicht selbstverständlich und setze Verständnis, Vertrauen und Transparenz voraus.

Akademischer Jagdwirt Henning Krohne hat übrigens kürzlich in Wien in einem berufsbegleitenden Studium mit vielen praktischen Einheiten den Titel eines "akademischen Jagdwirtes" erworben. Außer um Wildbiologie ging es dabei vor allem um moderne jagdliche Herausforderungen und Konflikte. Seine Abschlussarbeit handelt vom Vordringen der Wildschweine nach Dudweiler und den gemeinsamen Anstrengungen von Bevölkerung, Jagdgenossen und Behörden, die Tiere wieder in den Wald zurückzudrängen.