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Kunst im öffentlichen Raum
Riesige Skulptur verbindet heute mit früher

Die wohl umfangreichste Skulptur in Saarbrücken „Wanderung eines Caspar David Friedrich“ von Michel Gérard steht seit 1991 im Bürgerpark.
Die wohl umfangreichste Skulptur in Saarbrücken „Wanderung eines Caspar David Friedrich“ von Michel Gérard steht seit 1991 im Bürgerpark. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Im Bürgerpark, in der Nähe der Congresshalle, steht seit 1991 mit der „Wanderung eines Caspar David“ von Michel Gérard die wohl umfangreichste Skulptur unserer Stadt. Sie besteht aus zwölf Teilen, ist aus Gusseisen geschmiedet, und sie hat eine Höhe von vier Metern, einen Durchmesser von sogar zwölf Metern.

Wenn man diese Skulptur verstehen will, muss man sich auch mit ihrem Aufstellungsort auseinandersetzen. Als ab 1985 der Bürgerpark von dem Landschaftsarchitekten Peter Latz geplant und gestaltet wurde, sollten am Ort des ehemaligen Kohlehafens Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Die Kultur sollte dabei die Aufgabe übernehmen, die Veränderung des Ortes abzubilden. Dafür hatte Peter Latz ursprünglich drei Großskulpturen geplant, von der eine realisiert wurde. Michel Gérard, international tätiger Künstler aus Paris, hat sich für seine Arbeit mit dem Ort des ehemaligen Kohlehafens auseinandergesetzt, war aber gleichzeitig von dem bedeutendsten Künstler der deutschen Frühromantik, Caspar David Friedrich, inspiriert. So setzte er in den verschiedenen Elementen der Skulptur sowohl bildhafte Erinnerungen an den Bergbau um, indem er Schienen, eine Art Förderturm und riesenhafte Werkzeuge des Bergbaus darstellte. Gleichzeitig nahm er aber auch romantische Elemente wie ein gezacktes, kleines Gebirge auf, das an die Naturdarstellungen des Caspar David Friedrich erinnert.


Die verschiedenen Gruppen der Großplastik werden von einem hohen Bogen überspannt, der an einen Regenbogen erinnern kann. Der Regenbogen steht in der Kunstgeschichte für die Versöhnung zwischen Gott und der Menschheit. Da kann der Gedanke nahe liegen, dass der französische Künstler, der 1938 geboren wurde und in New York lebt, die Versöhnung von Vergangenheit und Gegenwart mit diesem Bogen darstellen wollte. Michel Gérard integrierte in der Skulptur jedoch keine Überreste des Bergbaus oder der Hafenanlagen selbst, sondern er wählte geschmiedete, nicht industriell gefertigte Elemente.

Das alles steht miteinander in Kontrast und Widerspruch, macht die Großplastik für den Passanten nicht leicht verständlich. Wenn man sich aber auf sie einlässt, sie sich genauer anschaut, dann erwandert man diese Großplastik, geht in das Bild, das sie darstellt, hinein und wird unweigerlich auch an die Vergangenheit des Ortes erinnert. Gleichzeitig wird diese Stelle des Bürgerparks heute hauptsächlich von Jugendlichen mit ihren Skateboards genutzt. Die Verbindung von früher und heute an diesem Ort ist damit erreicht.